Streiks bei der NOB : Hilflos und genervt auf dem Bahnsteig

Der Zug nach Westerland fällt aus. Die Anzeige sehen NOB-Fahrgäste dieser Tage häufig. Foto: dpa
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Der Zug nach Westerland fällt aus. Die Anzeige sehen NOB-Fahrgäste dieser Tage häufig. Foto: dpa

Überfüllte Züge, gereizte Fahrgäste und stundenlanges Warten: Der lang anhaltende Streik bei der NOB ist für Pendler unerträglich.

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18. Juli 2011, 08:38 Uhr

Niebüll | Zugreisende im Norden müssen sich erneut auf Verspätungen einstellen. Ein erneuerter Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bei der Regionalbahn Metronom hat am Samstag zum Ausfall von rund 70 Prozent aller Verbindungen geführt. 50 Lokführer hätten sich an dem zunächst nicht befristeten Streik beteiligt, sagte der Vorsitzende der GDL-Nord, Lutz Schreiber.
Bereits seit Donnerstag, 3 Uhr, kommt es bei der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) erneut zu Arbeitsniederlegungen - zum 14. Mal seit dem 22. Februar. Mit dem Samstag brach der 46. Tag an, an dem die NOB von Streikmaßnahmen betroffen ist. Von und nach Sylt fahren die Züge alle zwei Stunden. So sieht es der "Basisfahrplan" der NOB vor. Während der Stoßzeiten werden zusätzliche Züge eingesetzt, was auf der Insel auch positiv aufgenommen wird. Dennoch ist die Situation unbefriedigend. Die Laune zahlreicher Pendler zwischen Niebüll und Westerland ist auf den Tiefpunkt gesunken. Wer derzeit pünktlich zur Arbeit nach Sylt kommen will, muss oft schon zwei Stunden früher auf die Insel fahren.
Die Züge, die fahren, sind restlos überfüllt. Aus ihnen heraus drängen große Menschentrauben auf den Niebüller Bahnhof, Pendler, die nur noch schnell nach Hause wollen. Hastig laufen sie die Treppe hinauf, meist mehrere Stufen auf einmal nehmend. Auf das übliche Geplauder unter Kollegen hat momentan keiner Lust. Der Streik stößt auf wenig Verständnis. Besonders jetzt in der Saison, wo neben den Pendlern auch zahlreiche Urlauber mit dem Zug nach Sylt reisen, wird die Geduld aller auf die Probe gestellt.
Die ganze Familie betroffen
Sonja Warnken aus Niebüll sagt, dass ihre ganze Familie betroffen ist. "Mein Mann fährt jeden Morgen, der hat einen richtig dicken Hals wegen dieses Streiks. Ich selbst muss vier Mal die Woche mit meinem Sohn nach Sylt. Am Mittwoch standen wir insgesamt sechs Stunden auf dem Bahnhof herum. Wir haben schon überlegt, einen Bus für Pendler zu mieten und mit dem Autozug zu fahren", macht die 29-Jährige ihrem Ärger Luft.
Auch die 17-jährige Vivian Henning ist der Ansicht, dass der Streik absolut unnütz sei. Sie muss abends mindestens eine Stunde warten, bis sie von der Arbeit auf der Insel zurück aufs Festland kommen kann. "Man vertrödelt so viel Zeit für nichts", sagt die Niebüllerin genervt.
Auch Maja Krull ist verärgert. Sie fährt täglich zusammen mit ihrer kleinen Tochter nach Westerland, die dort in einer Krippe untergebracht ist, während sie selbst arbeitet. "Die Züge sind so voll, dass der Kinderwagen kaum noch mit hineinpasst. Ich muss ständig mit meiner Tochter auf dem Arm dicht gedrängt in der Menge stehen, wodurch sie immer anfängt zu weinen - das geht an die Nerven. Teilweise schlafe ich schon drüben auf der Insel, weil das Pendeln im Moment unerträglich ist. Der Streik geht zu unseren Lasten und wir können am allerwenigsten dafür."
(van, hamo, shz)

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