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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 16:36 Uhr

Dürre : Herbststimmung im Sommer

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das anhaltende Sommerwetter trocknet Südtonderns Böden aus. Die Pflanzenwelt reagiert auf die ungewöhnlich hohen Temperaturen.

von
erstellt am 07.Aug.2014 | 05:30 Uhr

Es grünt nicht mehr so grün. Braun ist hingegen die Farbe, die sich in diesem Jahr auffallend früh in der Natur zeigt. Der warme Sommer in Südtondern sorgt in den Gärten, auf den Feldern und in den Wäldern für Trockenheit. Um mit dem Wasser zu haushalten, lassen einige Laubbaumarten bereits ihre Blätter fallen. So scheint mancherorts der Herbst schon Einzug zu halten. An den Bordsteinkanten der Straßen und Gehwege bilden sich erste Blätterhaufen. Und in den Gärten ist deutlich zu erkennen, wer sein Gras sprengt und wer es blieben lässt.

„Der Erdboden ist seit Wochen knochentrocken“, erklärt Gerd Müller. Niebülls Wetterexperte misst regelmäßig in zehn, 20 und 50 Zentimetern Tiefe die Bodenfeuchtigkeit. Und dort sei der Wert momentan gleich null. Zwar habe es im Juli punktuell in der Region teils sogar kräftige Regenschauer gegeben, doch durch starken Wind, die intensive Sonneneinstrahlung und damit auch die hohe Bodentemperatur sei das meiste Wassers gleich wieder verdunstet oder auf der Oberfläche abgeflossen. Der Niederschlag schaffte es nicht, in die Tiefe einzudringen. Am 6. Juli herrschte daher bereits in 20 Zentimeter Bodentiefe totale Trockenheit, am 21. Juli dann auch in 50 Zentimeter Tiefe. Bei Temperaturen von 25 Grad Celsius und mehr am Tag sprechen Wetterexperten von einem „Sommertag“. 19 davon gab es allein im Juli, 13 Tage sogar direkt hintereinander. „Mittelmeerklima“, sagt Gerd Müller. „In diesem Jahr wurde der Norden von der Sonne total verwöhnt. Sonst ist es ja eher der Süden.“

Doch das schöne Wetter hat auch schlechte Auswirkungen. „Wir könnten dringend einen anhaltenden Landregen gebrauchen“, sagt Gärtnermeister Jan Boysen, der sorgenvoll zu seinen Obstbäumen schaut. Er ist es zwar gewohnt, mit extremen Wetterlagen zurecht zu kommen. Doch in diesem Jahr sei es grenzwertig. Die anhaltende Schönwetterphase ist schön für den Urlaub – schlecht für uns“, bilanziert Boysen und beklagt den frühen Laubfall. In den Gewächshäusern lösen zu hohe Temperaturen zudem extrem schnelles Wachstum aus. Fazit des Fachmanns: „Wenn es die Natur gut mit uns meint, ist es gut. Meint sie es zu gut, ist es nicht so gut.“

Für die laufende Ernte ist das trockene Wetter eigentlich ideal. Wolfgang Stapelfeldt vom Kreisbauernverband Südtondern spricht von einem sauberen Durchlauf mit minimalen Trocknungskosten. Jedoch zeigt das sonnige Wetter auch bei den Landwirten seine Schattenseiten. Was auf den Feldern noch wächst, braucht dringend Regen. Vor allem beim Mais macht sich die Trockenheit dadurch bemerkbar, dass die Pflanzen schlapp machen. Die ersten Blätter verfärben sich und hängen.

In der Marsch macht der hart getrocknete Boden dort Probleme, wo gepflügt werden muss. Pflüge gehen kaputt, bei vielen Geräten zur Bodenbearbeitung gibt es jede Menge Bruch. Und das Wetter wird sich voraussichtlich in den nächsten Tagen auch nicht ändern. „Für uns sind ja schon 95 Mal Regenwolken angesagt worden, die dann aber doch an uns vorbeizogen“, so Gerd Müller. „Großartige Mengen Niederschlag sind auch jetzt nicht zu erwarten.“

 

 

 

 

 

 

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