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Nordfriesland Tageblatt

15. Dezember 2017 | 15:16 Uhr

Wetter : Heiße Tage und Tropennächte

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im meteorologischen Sommer konnten sich die Niebüller über 704 Stunden Sonne freuen, dass entspricht 99 Prozent vom Mittelwert, also beinahe eine perfekte Bilanz. Und Hobby-Meteorologe Gerd Müller hat noch weitere spannende Fakten über die schönste Jahreszeit 2013 zusammengetragen.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 05:30 Uhr

Der meteorologische Sommer ist seit Ende August vorbei, und auch den Siebenschläfer haben wir seit einigen Wochen hinter uns. Zeit, einen Rückblick zu wagen, auf den Sommer und auf die Prognosen vor dem Siebenschläfer (wir berichteten). Der Rentner Peter Hinrichsen aus Rodenäs, ehemals Landwirt und Kraftfahrer, hält viel von alten Bauernregeln und prognostizierte aufgrund des Mondwechsels einen eher trüben Sommer. Auf den Mondwechsel als Wetterindikator setzte seinerzeit auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Südtondern, Wolfgang Stapelfeldt. Von der Siebenschläfer-Theorie hielt er jedoch nichts. Seine Erfahrung sagte ihm aber, dass die Juni-Wetterlage auf die folgenden Wochen hindeuten kann und sich das Tiefdruckgebiet dann hartnäckig hält. „Es beißt sich fest“, war damals seine Voraussage.

„Wenn das Wetter sich bis zum Wochenende (29./30. Juni) stabilisiert, dann geht im Juli der Sommer los“, prognostizierte Ende Juni der Hobby-Meteorologe Gerd Müller aus Niebüll. Er sah damals Parallelen zum Super-Sommer 2006. Da gab es sieben Wochen Sommerhitze und traumhaftes Wetter im Juli und August.

Nun ziehen wir Bilanz für diesen Sommer und stellen fest, dass der pensionierte Bankkaufmann Gerd Müller mit seiner Prognose richtig lag. Ein Tiefdruckgebiet hat das Wetter nur wenige Tage Anfang Juli bestimmt, danach dominierte ein Hochdruckgebiet, das den Sommer warm und sonnig werden ließ. Im Juli war es sehr trocken, was eher ungewöhnlich ist, da dies meist der regenreichste Monat ist. Aber in diesem Jahr fielen im Juli nur 32 Millimeter Regen, im Juli 2012 waren es zum Vergleich 147 Millimeter.

Der vorangegangene Juni ist beinahe völlig ins Wasser gefallen, was den einen oder anderen Südtonderaner auch eher negativ an den kommenden Sommer denken ließ. „Im Juni befanden wir uns mit 208 Prozent deutlich über dem Mittelwert, was die Niederschlagsmenge angeht“, erinnert sich Gerd Müller. Die höchste Tagesmenge fiel am 19. Juni mit 35,4 Millimeter, davon fielen alleine 32,2 Millimeter in einer Stunde, und davon schon 20 Millimeter in den ersten zehn Minuten. Daraus hatte die Messstation von Gerd Müller eine stündliche Regenrate von 886 Millimeter berechnet: „Wäre das eingetreten, dann wären wir in Niebüll untergegangen.“ Schlechte Aussichten, die sich zum Glück nicht bestätigten. Von Juni bis August wurden an Gerd Müllers Wetterstation nur 33 Regentage gemessen.

Im meteorologischen Sommer konnten wir uns über 704 Stunden Sonne freuen, dass entspricht 99 Prozent vom Mittelwert, also beinahe eine perfekte Bilanz. Bereits am 5. Juni zeigte sich das erste Anzeichen eines schönen Sommers. An diesem Tag maß Gerd Müller rund 16 Stunden Sonne, so viel wie er noch nie, seit dem Beginn der Inbetriebnahme seiner Wetterstation, registriert hatte. Mit neun Sommertagen (25 Grad und mehr) war dieser Juli denen der letzten zwei Jahre (vier und zwei Tage), um einige Tage voraus. Dieses Jahr konnte die Wetterstation von Gerd Müller sogar einen „heißen Tag“ (30 Grad und mehr) messen. Der 2. August verwöhnte uns mit durchschnittlich 32,6 Grad. Die gefühlte Temperatur, eine Kombination aus Wind, Temperatur, Sonne und Luftfeuchtigkeit, war mit 44 Grad sogar noch um einiges höher. In der Nacht auf den 3. August konnten die Messgeräte von Gerd Müller sogar eine sogenannte „Tropennacht“ verbuchen, was bedeutet, dass das Thermometer in der Nacht nicht unter die 20 Grad-Marke fällt. Der Tiefststand in dieser Nacht befand sich bei 21,7 Grad.

Selbst der Septemberbeginn zeigte sich noch von seiner freundlichen Seite. Am 9. September kam dann jedoch der Einbruch. Ein Tiefdruckgebiet, das sich in fünf Kilometern Höhe bildete, wurde das „Steuerungszentrum“ für unser Wetter und bescherte den Nordfriesen Regen, Wolken und Sonne im kontinuierlichen Wechsel von teilweise nur wenigen Minuten. Den 16. und 17. September traf es besonders hart. An diesen zwei Tagen fielen auf den Regenmesser von Gerd Müller bereits 71,2 Millimeter Regen, damit hat die Regenmenge schon 166 Prozent ihres Monatssolls erfüllt. Das hätte natürlich im besten Fall zur Folge, dass es bis Ende September nicht mehr regnet. Aber wer Nordfriesland kennt, weiß natürlich, dass das voraussichtlich ein Wunsch bleibt.

Der Deutsche Wetterdienst rät, die Sommersachen noch nicht wieder in ihr Winterquartier zu verstauen. Ende der Woche, wahrscheinlich ab Sonntag, deuten die Vorhersagemodelle ein Hochdruckgebiet an, das noch einmal knapp 20 Grad für drei bis vier Tage bringen könnte. Diese Tage sollte man dann noch einmal im Freien, zum Beispiel auf der Terrasse oder auf dem Balkon verbringen, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Sommer danach dann wirklich vorbei ist.

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