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Anschauliche Wissenschaft : Heisenbergs unscharfe Welt

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Prof. Dr. Wolfgang J. Duschl brachte seinen Zuhörern unter anderem den Quantenkosmos näher – und regte zu Gedankenspielen an.

Wissenschaft kann Spaß machen – das zeigte die Sektion Niebüll/Südtondern der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft in der alten Aula der FPS. Sektionschef Horst Gransow freute sich über ein volles Haus, vor allem über die anwesende Jugend – nämlich die oberen Jahrgänge der beiden örtlichen Gymnasien. Freunde und Mitglieder der Universitätsgesellschaft waren gekommen, um „den Duschl“ zu erleben. Prof. Dr. Wolfgang J. Duschl, Leiter des Instituts für Physik und Astrophysik an der CAU Kiel, ist mittlerweile Stammgast der heimischen Uni-Gesellschaft und fasziniert allein durch seine Art, die Universität aufs Land zu bringen und Wissenschaft populär zu „verkaufen“.

Prof. Duschl ist auch stellvertretender Leiter der Landes-Universitätsgesellschaft und hat eine stattliche Reihe von Stationen seiner wissenschaftlichen Karriere hinter sich: die Uni München (Promotion) und Heidelberg (Habilitation), die Uni Cambridge (Radioastronomie). Zudem ist er „Adjunct Astronomer“ (so nennt man einen Forschungs-Wissenschaftler) am Steward-Observatorium der Uni Tucson (Arizona), wo er einen klaren Himmel über sich hat.

Duschl begrüßte seine Niebüller Zuhören „mit größtem Vergnügen“, um danach sogleich in medias res einzutauchen. Diesen Vorgang verdeutlichte er mit zwei gleichzeitig ins Wasser geworfenen Steinen, die einander überschneidende Wellen auslösen und ein Interferenzmuster bilden. Teilchen als Wellen – Wellen als Teilchen. Im Alltag sei man es gewohnt, dass man zwischen Teilchen und Wellen klar unterscheiden kann, zum Beispiel einer Schall- oder einer Lichtwelle auf der einen und einer Murmel auf der anderen Seite. Doch in der Welt der Elementarteilchen, der allerkleinsten Teilchen, sei das anders. Dort können Objekte, je nachdem, wie man sie beobachtet, als Teilchen oder als Welle erscheinen.

Wenn von Quantenphysik die Rede ist, werde auch an Heisenbergs Unschärferelation gedacht. „Heisenbergs unscharfe Welt – was hat es mit der Quantenphysik auf sich?“ lautete auch der Titel des Abends. Laut Heisenberg (Nobelpreis 1932) könne in der Quantenwelt Geschwindigkeit und Ort eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau gemessen werden. Daraus werde geschlossen, dass diese beiden Größen tatsächlich dort nicht genau festgelegt sind, dass dort vielmehr vom Zufall auszugehen sei.

Prof. Duschl stellte anschaulich dar, dass das so gar nicht zutrifft. Heisenbergs Unschärferelation stimme zwar. Sie sei auch experimentell gut verifiziert. Das Problem sei, dass es prinzipiell keine Messmethode geben kann, die bei der Geschwindigkeitsmessung nicht die Geschwindigkeit selbst verändert. Es liege daran, dass man sie grundsätzlich nicht ganz exakt messen kann. Aus unserer makroskopischen Welt sei der Quantenkosmos eben nur durch Heisenbergs beschriebene Unschärfe beobachtbar. Prof. Duschl: „Und das liegt nicht an mangelnder Technik, sondern am prinzipiellen Aufbau der Natur.“ Zwangsläufig denkt man dabei auch an die bisweilen leidvollen Erfahrungen mit den Geschwindigkeitsmesssungen im Straßenverkehr. Ob da was dran ist? Man darf darüber nachdenken. Auch darüber, wie die Alltagserfahrung in Relation zu wissenschaftlichen Erkenntnissen steht.


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erstellt am 04.Feb.2017 | 08:00 Uhr

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