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Nordfriesland Tageblatt

21. Oktober 2017 | 00:03 Uhr

Stadtbücherei : Heimat – hörbar und sichtbar

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Volles Haus in der Stadtbücherei: Rund 60 Besucher kamen zur Friedel-Anderson-Vernissage und Lesung mit Autor Jochen Missfeldt

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2015 | 05:00 Uhr

Macht denn ein weiteres Buch über Sylt noch Sinn? Diese Frage stellte der Eckernförder Verleger Jens Uwe Jess bei einer Doppelveranstaltung in der Stadtbücherei. Dort stellte der in Itzehoe lebende Maler Friedel Anderson seine Sylt-Bilder vor. Der Maler selbst war nicht vor Ort. „Andersons Werke sind aber nach 2007 zum zweiten Mal in der Stadtbücherei“, freute sich Ronald Steiner.

Verbunden mit der vom Büchereichef organisierten und gut besuchten Vernissage war eine Autorenlesung des Schriftstellers Jochen Missfeldt, der aus seinem neuen Buch „Wiedergänger“ las, einer in freier Fantasie verfassten Art Landschaftsbeschreibung der Insel Sylt, gespickt mit Mythen und Blicken zurück in eine Vergangenheit, die für den Autor auch biografische Züge hatte.

„Es macht Sinn“, erinnerte sich der Verleger der vor einem Jahrzehnt begonnenen Zusammenarbeit mit Missfeldt. Er zeichne ein Landschaftsbild auf eine besondere Art, erinnerte sich der Verleger womöglich der früheren Tätigkeit des damaligen Oberstleutnants der Bundesluftwaffe im Cockpit eines der in Leck stationierten Starfighter. War es der andere Blick auf die Landschaften, der ihn inspirierte? Von der Insel Sylt, wo er mit seinen Eltern dann und wann Urlaub machte, nahm der heute 74-Jährige jungenhafte Erinnerungen mit, als er die Jets der britischen Besatzungsmacht vom Inselflugplatz bei Keitum abheben sah. Doch nach seiner Zeit beim „Bund“ und dem Studium (Musikwissenschaft, Philosophie, Volkskunde) erweiterten sich seine Sichtweisen, angereichert mit Fantasie und Kreativität. Und vor allem ging er den Dingen auf den Grund und folgte dem Rat des Historikers Albert Panten, der auch in seinem Buch vorkommt und ihm riet: „Wenn du wissen willst, was wirklich war, musst du lesen, was aufgeschrieben wurde.“

„Mit dem Cabrio auf die Insel“ heißt die erste von drei Episoden aus seinem Buch, in dem er allerdings um heute bekannte Stationen wie Gosch und Gogärtchen einen Bogen macht, den kauzigen Ortpreußen Gregor (ist es Peter Kuhlemann?) erfindet und in den Dünen nach den vom Piraten Puan vergrabenen Schätzen sucht. In den Katakomben am Morsum-Kliff, in denen angeblich die Steinkönigin lebt, verbirgt sich, wie man meinen sollte, einen Batzen Zuneigung für die Insel. Im dritten Beitrag rundet Missfeldt den Verlauf eines Jahres ab, holt die Wintersachen aus dem Schrank, spricht zwar vom Tod und wohnt der Bestattung des alten Gregor bei, lässt aber auch den Winter anklingen, der auf der Insel seine besonderen Reize und schönen Seiten hat.

Warum also „noch“ eine Geschichte über Sylt? Die Antwort findet sich auf 107 Seiten eines Mix aus Erinnerung, Fantasie und Mythen und wohl auch aus der Historie einer besonderen Landschaft. Sylt eben. Und der Leser bekommt einen Eindruck vom „Wiedergänger“. Wiedergänger? Im Volksglauben unseres Kulturkreises dichtet man ihm Gespenster in verschiedenen Erscheinungsformen an. Jochen Missfeldt sorgt in seiner „anderen Geschichte von Sylt“ nicht nur für angenehme Unterhaltung. Er lädt auch zur Spökenkiekerei an, zum Nachdenken über Liebe, Tod und Teufel – und dazu, sich die in die Buchseiten eingefügten Bilder anzuschauen und mit ihnen in ein Reich der Farben und der Stille einzutauchen.

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