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Einbrüche, Brände, Schmierereien : „Haus am See“ in Niebüll: Pächterin kapituliert vor Vandalen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das „Haus am See“ ist beliebt bei Einheimischen und Touristen – doch nun will Anke Christensen endgültig aufgeben.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 06:00 Uhr

Niebüll | Anke Christensen, „Haus am See“-Pächterin, hat die Nase voll. Sie will aufhören, weil sie die ständigen Einbrüche in das Kiosk- und Umkleidegebäude an der Badewehle nicht mehr ertragen kann. „Mitte Mai veranstalte ich dort noch einen Flohmarkt. Dann ist Schluss“, sagt die 52-jährige Niebüllerin.

Eigentlich würde sie gerne weitermachen, erklärt Christensen. „Der Kiosk an den Wehle ist mein liebstes Kind“, beschreibt sie ihr Verhältnis zu diesem Standort, an dem sie vielen großen und vor allem kleinen Leuten zu Dienste war und ihnen eine Tasse Kaffee, ein Eis oder Erfrischungsgetränk durch das Schiebefenster reichte. Doch dieses wurde ausgehebelt und steht jetzt lose angelehnt am Fensterrahmen. Es wurde durch eine dicke Spanplatte ersetzt, mit der die Frontseite des Kiosks jetzt zugenagelt ist. Die Platte wurde draußen auch noch von einem unbekannten Sprayer mit einem obszönen Spruch verunstaltet.

Besagtes Fenster zeugt vom letzten Einbruch am 13. Dezember im vergangenen Jahr. Die Anzeige bei der Polizei blieb erfolglos. „Sehr geehrte Frau Christensen, das Verfahren ist eingestellt worden, weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte“, schrieb die Staatsanwaltschaft wie schon mehrfach zuvor und erklärte, dass weitere Nachforschungen keinen Erfolg versprächen.

Ungebetene Gäste hatte dieser bei einheimischen Familien, Kindern und auch Urlaubern beliebte Platz schon immer angezogen. In den 1970er-Jahren fackelten Brandstifter das dortige Anwesen „Magdalenenhof“ ab. Vor einigen Jahren brannte die reetgedeckte Sitzgelegenheit an der „Kneipp-Ecke“ ab. Zuletzt loderte ein Feuer in der DLRG-Wachstation. All diese Fälle konnten nie aufgeklärt werden.

Behebung der Schäden kostete die Stadt jährlich 1000 Euro

Das einsam gelegene Wehlengebiet ist nachts unbeobachtet. Anke Christensen hatte sich ein Haus in der Nähe gewünscht, in dem sie hätte wohnen können – und eine Beleuchtung der Liegewiese, die mithilfe eines Bewegungsmelders bei Dunkelheit angeht, wenn jemand den Platz betritt. Es blieb bei dem Wunsch. Und damit blieb es auch bei den ständigen Einbrüchen und bei der bitteren Erkenntnis, dass sich Einbrecher unerkannt und nach Belieben bedienen konnten. Die Stadt kosteten Folgen der nächtlichen Besuche seit Inbetriebnahme des Neubaues an der Wehle durchschnittliche 1000 Euro pro Jahr, wie Udo Petersen aus dem Amt Südtondern auf Anfrage mitteilte.

Späte Feten und Gelage an der Wehle seien nicht so schlimm gewesen, sagt Christensen – außer solche, nach denen sie am Morgen danach die Glasscherben aufsammeln musste. Im vergangenen Jahr hatte sie schon mal das Handtuch geworfen, es dann aber wieder aufgefangen, nachdem sie Gespräche geführt hatte. Der Gedanke vom Haus nebenan sei eine Anregung gewesen, die aber schnell vom Tisch war, „weil dort kein Baugebiet ist, obwohl dort einmal der Magdalenenhof gestanden hat“.

Ihre Zeit an der Wehle werde mit vielen Erinnerungen verbunden sein, nicht nur traurigen, sondern auch guten. Während der Saison von Mai bis September hätten ihre Kunden die gute Tasse Kaffee geschätzt, die selbst gemachten Waffeln gelobt und die rote Grütze für lecker befunden. Den Kindern habe sie Eis und Limonade durchs Fenster gereicht. Manch eine Familie habe einen Geburtstag an der Wehle gefeiert. Und die großen Mittelalter-Feste der „Frisia Historica“ seien stets einmalige Höhepunkte gewesen.

Mit Ärger erinnert sich Christensen noch an die Saisoneröffnung 2014. Am Vortag hatte sie eingekauft, um dem ersten Ansturm gewachsen zu sein. Doch in der Nacht davor wurde im Kiosk eingebrochen. Die Täter hätten den Müllbehälter vor der Tür geleert und das Diebesgut darin abtransportiert. „Was in den Müllbehälter nicht reinging, schwamm am nächsten Morgen in der Wehle“, sagt sie noch heute ärgerlich.

Die Holzterrasse sei auch einmal beschädigt worden. Ein ihr bekannter Gast habe die Fußbodenbretter ausgehebelt, um die durch die Ritzen gefallenen Geldstücke einzusammeln. Nur der neben dem Kiosk gelegene Umkleideraum und die Toilette seien weitgehend verschont geblieben.

„Ich hatte Tage, an die ich mich gerne zurück erinnere. Aber an manchen Tagen war es auch schlimm. Dabei denke ich besonders an jene Besucher, von denen ich immer noch nicht verstehen kann, warum sie diesem von vielen Menschen in Niebüll beliebten Platz so was antun konnten.“

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