zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

20. November 2017 | 18:40 Uhr

Hauptaufgabe: Deutsch reden

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Das Amt Südtondern sucht dringend neue Paten für Geflüchtete / Sprache ist nach wie vor der wichtigste Schlüssel zur Integration

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 17:29 Uhr

„Wir brauchen Sie!“ – diesen Aufruf richtet das Amt Südtondern an seine Einwohner. Gesucht werden Paten – weiblich wie männlich, Familien wie Einzelpersonen – für Flüchtlinge. Denn die Aufgabe der Integration der Neubürger besteht nach wie vor. „Nach dem Ansturm Geflüchteter in den Jahren 2015/16 mit allen damit verbundenen Herausforderungen ist die Zuwanderung derzeit wieder zurück gegangen“, heißt es in einer Mitteilung des Amtes Südtondern. Und weiter: „Über mehr als zwei Jahre waren und sind ehrenamtliche Aktive auch im Amt Südtondern weit über das normale Maß hinaus als Patinnen und Paten tätig und haben mit großem Engagement und unter Verzicht auf eigene Bedürfnisse das Willkommen organisiert.“ Die Paten hätten lebenswichtige erste Schritte unternommen, damit erste Schritte der Integration gefördert, Geflüchtete betreut oder sogar aufgenommen.

„Diese Aufgabe ist oft schwer leistbar gewesen und viele Patinnen und Paten spüren, dass sie nun auch am Ende ihrer physischen und psychischen Kräfte sind. Zunächst gilt ihnen ein großer Dank seitens des Amtes Südtondern für das durchaus kräftezehrende Engagement und die intensive Hilfestellung für die Geflüchteten mit ihren ganz unterschiedlichen Schicksalen, Lebensgeschichten und auch Problemlagen“, so Amtsdirektor Otto Wilke in seinem Statement und Aufruf. Das Ankommen sei dank der tatkräftigen Arbeit und durch die gelungene Vernetzung von Haupt- und Ehrenamt gelungen. Eine gelungene Integration bleibe aber , auch bei sinkenden Zahlen, eine große Herausforderung hier im Amtsbereich.

Wie viele Neubürger mit Flüchtlingshintergrund leben derzeit in Südtondern? Absolute Zahlen dafür sind Monika Hahn-Nanninga zufolge schwer festzumachen. Die Leckerin engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit und Patenkoordination – zunächst vorrangig ehrenamtlich, seit April dieses Jahres ist sie als Ehrenamtsbetreuerin beim Amt Südtondern fest eingestellt. Nach Angaben der Sozialzentren seien es nach wie vor rund 500 Geflüchtete, häufig stünden hinter Antragstellern noch Familien. „Es gibt eine hohe Fluktuation in einem Flächenstaat wie Südtondern. Viele zieht es in die Städte.“ Von den 500 hätten nur noch rund 170 den Status Asylbewerber, rund 330 seien mittlerweile Hartz-IV-Empfänger.

„Es geht jetzt langsam los“, sagt Hahn-Nanninga auf die Frage, ob es inzwischen besser gelingt, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. „Deutschlernen dauert eben eine Weile.“ Das sei überhaupt eine Kernaufgabe der Paten – mit ihren Schützlingen Deutsch zu reden. „Zum Amt oder zum Arzt gehen können diejenigen, die länger hier sind, jetzt selbst.“ Essenziell für die berufliche Integration seien gute Sprachkenntnisse. „Ein Geflüchteter hat seine Ausbildung nach dem ersten Lehrjahr geschmissen – er kam in der Berufsschule nicht mit. Sein Chef hat wiederum kritisiert, dass seine Sprachkenntnise noch nicht ausreichten, um ihn alleine zu Kunden zu schicken.“ Hier können Paten wichtige Hilfe leisten – und darüber hinaus Einblicke in Leben, Kultur und Gepflogenheiten in Südtondern geben. „Genau das möchten viele Flüchtlinge: verstehen, was uns wichtig ist.“ Auf der anderen Seite gelte es zu verhindern, dass sich die Neubürger abschotteten. Welche Eigenschaften sollten Paten haben? „Vor allem keine Vorurteile“, sagt Monika Hahn-Nanninga. Bisher werde in Südtondern sehr wenig Negatives gegen Flüchtlinge öffentlich geäußert. „Aber wenn Geflüchtete ihren Müll auf dem Friedhof entsorgen oder es nicht hinbekommen, das Grundstück um ihre Wohnung herum zu pflegen, dann reden die Leute darüber.“ Auch deshalb sei es wichtig, auf Neubürger zuzugehen.

Amtsdirektor Wilke drückt es so aus: „Es gilt, Geflüchtete mit ihren unterschiedlichen Aufenthaltsstatus zu integrieren, ihnen die Werte unserer Gesellschaft und unsere Kultur zu vermitteln.“ So solle ein Gesamtverständnis erzeugt werden, wie hierzulande das Leben und die Anerkennung in unserer Gesellschaft funktionierten – „und dass auch der eigene Beitrag zur Integration und die Akzeptanz unserer Kultur seitens der Geflüchteten erforderlich sind.“

Deshalb werden nun dringend neue Patinnen und Paten gesucht. Schon zwei Stunden pro Woche seien hilfreich, der ehrenamtliche Einsatz berge nicht nur eine Belastung, sondern auch die Chance auf Erfahrungen, die auch das eigene Leben bereicherten. Der Aufruf gehe an alle, „die erkennen, wie wichtig eine gelungene Integration auch für unsere Gesamtgesellschaft ist, und die bereit sind, Menschen aus anderen Ländern und Kulturen zu helfen und dabei neugierig auf andere Sichtweisen, Religionen und Lebensmodelle sind.“



Interessierte werden gebeten, sich beim Amt Südtondern unter Telefon 04661/601431 (Sylke von Kamlah-Emmermann) oder bei Ehrenamtsbetreuerin Monika Hahn-Naninga unter Telefon 0173/8602911 zu melden.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen