zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 04:04 Uhr

Harte Zeiten für Pferdefreunde

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hundehalter zahlen sie schon seit Jahren: die Steuer für ihre Vierbeiner / Klixbülls Bürgermeister prüft nun die Einführung einer neuen Abgabe

von
erstellt am 04.Feb.2014 | 05:30 Uhr

„Wir möchten die rechtlichen Grundlagen prüfen lassen“, sagt Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer (62). „Und das dauert eine Weile, etwa bis zum Sommer. Wir sind als Gemeinde gehalten, die Möglichkeiten in Einnahmen und Ausgaben prüfen zu lassen.“ Da sei es auch legitim, über eine Pferdesteuer nachzudenken. Das er sich mit seiner Idee nicht nur Freunde macht, ist ihm klar. „Im hessischen Kassel hat es seinerzeit richtige Aufstände gegeben“, erklärt er.

Für Werner Schweizer hat die Überlegung auch etwas mit Gerechtigkeit zu tun. „Warum beispielsweise soll eine Rentnerin 100 Euro Hundesteuer zahlen? Pferde richten auf öffentlichen Wegen deutlich mehr an, als Hunde.“ Das gelte für Schäden durch die Hufe, aber auch Verunreinigungen durch den anfallenden Kot. „Grundlage für die Berechnung der Steuerhöhe könnte beispielsweise der Methan-Ausstoß sein, das Stockmaß oder der Wert des jeweiligen Pferdes.“ Es gebe Halter, die sich Tiere im Wert von 50 000 Euro und mehr halten. Die Ausrüstung und das ganze Drum und Dran sei da noch nicht mitgerechnet. „Wir hatten in diesem Land noch nie so viel Privatvermögen und so hohe Staatsschulen.“ Da sei es nur fair, wenn jeder seinen Beitrag zum Gemeinwohl leisten würde.

Erst im vergangenen Jahr wurde die Hundesteuer von 30 auf 60 Euro erhöht. Das sei nahezu widerspruchslos akzeptiert worden. „Die Zeit ist reif für eine Pferdesteuer.“ Die Beiträge sind gut angelegt. Klixbülls ganzer Stolz ist beispielsweise das Freibad. Dieses gelte es, zu erhalten. Und dafür ist eine Renovierung nötig: Mit 468 000 Euro wird das Ganze zu Buche schlagen, Kosten, die die Allgemeinheit tragen muss. Für die Bewohner der 420 Haushalte kein Pappenstiel. „Wenn das Geld nicht mehr da ist, müssen wir das Bad eben schließen.“ Doch bevor es soweit ist, werde es ein Bürgerbegehren geben. Eine weitere mögliche Variante zur Finanzierung ist das Drehen an der Schraube für die Grundsteuer A und B. „Für Lau ist das Ganze nun mal nicht zu haben.“

Aber das Geld wird auch für viele andere wichtige Dinge benötigt. Da ist beispielsweise die Schulsozialarbeit, merkt der Bürgermeister an. „2013 haben wir noch die vollen Zuschüsse vom Land bekommen. Sie wurden für 2014 gestrichen.“ Das aufzufangen, ist ein weiteres Ziel für die Gemeinde. Dafür Schulden machen, das kommt für Werner Schweizer nicht in Frage. „Man nehme, so man hat“ lautet, angelehnt an schwäbische Kochbücher, die Devise des gebürtigen Baden-Würtembergers. „Ich habe es nicht, also muss ich improvisieren.“ Eine Möglichkeit, die Kosten hierfür teilweise abzufangen, ist die Laura-Hansen-Stiftung für unschuldig in Not geratene Menschen. Das sei zu vertreten, so der Bürgermeister. „Viele Kinder sind unschuldig durch ihre Eltern in Not geraten.“ Die schulpädagogische Arbeit sei da sehr wichtig und Gold wert. Ein weiterer wichtiger Ausgabeposten für das Allgemeinwohl ist die Feuerwehr. Um das alles zu finanzieren, gelte es, die Balance zu finden. Den Zorn der Pferdehalter Klixbüll fürchtet Werner Schweizer nicht. Auch mit Stimmentzug bei der Wahl kann man ihm nicht drohen: „Ich werde nicht wieder kandidieren. Das steht für mich fest.“

Pferdefreunde sind nicht zwangsweise gut situiert. Wer nicht gerade mit den Pferden handelt, hält sich die Vierbeiner häufig aus Tierliebe. Wie ist es mit Ausnahmen? Beispiele wären Pferde, die für therapeutisches Reiten eingesetzt werden und mit Menschen mit Behinderungen arbeiten. Und wie ist es mit Gnadenhöfen, die Tiere aus schlechter Haltung bei sich aufnehmen? Kritiker einer Steuer sehen da Bedarf für eine Diskussion.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert