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Kontaminiertes Baggergut : Hafenschlick gehört nicht ins Meer

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Nationalpark-Kuratorium "erlaubt" noch höchstens 4,5 Millionen Kubikmeter zu verklappen. Beschluss: Hamburg muss endlich Alternative finden.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 07:36 Uhr

Nordfriesland | Der Arbeitsauftrag lässt kein Missverständnis zu: Hamburg soll mit mehr Nachdruck nach einer Alternative suchen. Mit großer Mehrheit ist gestern im nordfriesischen Nationalpark-Kuratorium zwar beschlossen worden, der "Hamburg Port Authority" mit zu erlauben, in diesem Jahr 600 000 Kubikmeter Hafenschlick in der Nordsee bei Tonne "E3 " vor Helgoland zu verklappen. Doch mehr als weitere 4,5 Millionen Kubikmeter des angeblich nur gering belasteten Schlicks wollen die Kuratoriums-Mitglieder nicht mehr mittragen und verweisen auf einen entsprechenden Vertrag mit den Hanseaten, in dem für die Jahre 2008 bis 2011 die Menge von 6,5 Millionen Kubikmeter vereinbart worden war. In diesem Zeitraum hatte die Hamburger Hafengesellschaft jedoch nur zwei Millionen Kubikmeter ausgebracht und sich deshalb erlaubt, eine Fristverlängerung bei Umweltminister Dr. Robert Habeck zu beantragen.

Das Ja-Wort der Nordfriesen ist an Bedingungen geknüpft, vor allem an die Vorgabe, dass es "darüber hinaus" keine neue Genehmigung geben soll. Zudem fordern sie, dass "mögliche kumulative (sich steigernde) Auswirkungen" durch die Ausbringung des konterminierten Baggerguts untersucht werden. Gleichzeitig hat das Kuratorium seine Auflagen aus einem Beschluss vom Herbst 2012 erneuert. Die einzelnen Punkte:

Zur Vermeidung der Einschleppung invasiver fremder Arten ist vor einer Genehmigung eine Artenliste für den Hamburger Hafen mit einer für das Gebiet bei Tonne "E3" zu vergleichen.

Die Ausbringung des Baggerguts ist durch elektronische Einrichtungen an Bord ("Black Box") hinsichtlich Schiffsbewegung, Verklappungsort, Pump- und Löschtätigkeit zu dokumentieren.

Von jeder Ladung ist eine Probe zu entnehmen, die von einem unabhängigen Institut zeitnah auf Schwermetalle, wie Cadmium und Blei, Dioxine, Furane, TBT (Tributylzinnhydrid) sowie halogenierte Kohlenwasserstoffe untersucht wird. Bei Überschreitung von Grenzwerten oder fremden invasiven Arten ist der Import von Hafenschlick sofort zu untersagen.

Ein Monitoring zur Sediment-Verdriftung muss ebenfalls sein.

Landrat Dieter Harrsen hatte als Vorsitzender des Gremiums nach längerer Diskussion bei der Sitzung im Kreishaus in Husum den entscheidenden Kompromissvorschlag formuliert. Er betonte am Ende: "Wir wollen darüber unterrichtet werden, an welchen Alternativlösungen Hamburg arbeitet."

Zuvor hatte Dietmar Wienholdt, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Meeres- und Küstenschutz im Kieler Umweltministerium, in einem Vortrag deutlich gemacht, dass Hamburg die Vorgaben aus 2012 erfüllen wolle. Nur: "Es ist nicht praktikabel, die Proben im Laderaum des Hopperbaggers zu ziehen. Dies geschieht vorm Baggern. Sonst müssten wir mindestens 14 Tage auf die Ergebnisse warten."

Peter Ewaldsen, Sprecher der Muschelfischer im Kuratorium, äußerte "erhebliche Bedenken", ob der Schlick "über Jahre" bei Tonne "E3" liegenbleibe. "Es gibt keine strömungsberuhigten Bereiche in der Nordsee. Alles verdriftet - und in diesem Fall Richtung Nationalpark", widersprach Peter Ewaldsen Wienholdt und befürchtet durch die Giftstoffe Gefahren für Flora und Fauna des Weltnaturerbes Wattenmeer. Ewaldsen ärgert sich: "Hamburg hat seine Schularbeiten nicht gemacht. Denn alles andere ist ihnen zu teuer." Dass die Hanseaten gleich Geld in Aussicht gestellt haben, bewertet Peter Ewaldsen als "Hohn" - zwei Euro pro Kubikmeter, damit eine Stiftung Wattenmeer gegründet werden kann, ist für ihn kein angemessener Ausgleich.

Ähnlich sieht es Hans von Wecheln, der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes im Gremium. "Wir hören immer nur, was Hamburg machen will - und dann gibt es als einzige Alternative die Verklappung. . ." Was sei denn mit der Reduzierung der Mengen, der Schaffung von Fluträumen und einer dritten Deponie? Dietmar Wienholdts Ankündigung eines offenen Dialogprozesses zu diesem Thema, der nach den Sommerferien beginnen soll, wurde von Hans von Wecheln als "Riesen-Zeitfaktor" kritisiert. Bisher haben die Hamburger nach Angaben des Fachmanns aus dem Ministerium unter anderem eine Arbeitsgruppe zu Sedimentfragen eingerichtet und ein Konzept für die Öffnung der Neben-Elben entwickeln lassen.Nächsten Montag wird sich in Kiel das Kabinett mit dem Thema befassen.

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