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Kriminalität : Hacker schickt gefälschten Hilferuf an alle Kontakte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Unbekannter knackte das Passwort von Gisela und Manfred Grüter und versandte Bettelbriefe an über 1000 Kontakte. Familie Grüter reagierte sofort.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 09:54 Uhr

Als der Dagebüller Manfred Grüter am Montagmorgen von einem Besuch bei Hans Werner Paulsen nach Hause kam, fand er seine Frau Gisela völlig aufgelöst vor. „Unser Computer ist abgestürzt“, berichtete sie ihm. Diese Nachricht entsetzte auch ihn, zumal im PC über 1000 internationale kulturelle, private und freundschaftliche Kontakte gespeichert waren – kurzum eine wichtige Verbindung des Pädagogen-Ehepaars zur Außenwelt.

Ein Hacker hatte das Passwort geknackt und seinerseits Kontakte mit allen in der Adressenliste der Grüters aufgeführten Partnern, Freunden und Institutionen aufgenommen – und um Überweisung von Geld gebeten. Der Unbekannte ging dabei äußerst dreist vor: Mit der Anrede „Hallo“ schreibt dieser, er sei „nach United Kingdom (York) verreist“ und habe seine Tasche mitsamt Reisepass und Kreditkarte verloren. Die Botschaft sei bereit, ihn ohne Pass fliegen zu lassen. Doch müsse er zuvor noch Hotelrechnung und Ticket bezahlen. Weil er kein Geld habe, bitte er leihweise um Überweisung von 1500 Euro, die er später wieder zurückzahle. Das Geld zur „Western Union“ zu senden, sei die beste Möglichkeit. Die fehlerhaft verfasste Mail endet mit den Worten „Ich warte auf deine Antwort. Liebe Grüße Manfred.“

Bereits kurze Zeit nach Versenden der fingierten Mail erhielt Manfred Grüter besorgte Anrufe aus der Verwandtschaft sowie von Freunden und Bekannten. Darunter auch der Sohn der Grüters, der seinen Eltern riet, sich an den Provider zu wenden, der dann auch in Aktion trat, sich spontan des Problems annahm und es ad hoc löste. Grüters Zugangsberechtigung (Account) wurde mithilfe eines neuen Passworts wiederhergestellt.

Um größeren Schaden zu vermeiden, warnt Manfred Grüter vor: „Bitte nicht auf die Mail reagieren. Da versucht jemand ein krummes Ding.“

Der Berliner Steuerberater Grüters, der auch die Sammel-Mail erhalten hatte, schrieb aus Interesse dem Unbekannten zurück mit der Bitte um Rückruf und Übersendung der Kontodaten. Der Unbekannte dankte für die Antwort und schrieb, er habe keinen Zugang zu einem Telefon und befinde sich mit seinem PC in einer öffentlichen Bibliothek. Er möge doch zur nächsten Poststelle oder Postbank gehen und das Geld an „Manfred Grüter, 4 Rougier St York YO1 6HZ,UK“ schicken.

Inzwischen gehen die Anrufe an das Ehepaar Grüter weiter mit der Frage, was denn los sei. Manfred Grüter beantwortet sie mit Engelsgeduld, lässt aber auch Zeitnot anklingen. Er und seine Frau bereiten sich auf eine Reise in den Iran vor, um Freunde in Teheran zu besuchen. Einer von ihnen ist Professor Sadaghat Jabbari, der vor einem Jahr Schülern der Friedrich-Paulsen-Schule die Kalligraphie (Kunst des schönen Schreibens) demonstrierte. Manfred Grüter arbeitete als Sozialpädagoge an einer Berliner Internatsschule und knüpfte eine Reihe internationaler Kontakte und organisierte Schüleraustausche.

Von wo der Unbekannte sein Unwesen treibt? „Das kann überall sein“, sagt Manfred Grüter, der seine Warnung um den Hinweis ergänzt, man sollte, wenn der Account voll ist, sogleich seinen Provider verständigen und ansonsten öfter mal sein Passwort ändern.

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