Probstei : Gutachten: Grenzwerte unterschritten

Planungsbüro hat Lärmaufkommen auf dem Gelände der alten Propstei prüfen lassen / Umwandlung in ein allgemeines Wohngebiet auf dem Weg

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22. Januar 2015, 05:00 Uhr

Die Nachnutzung des alten Rentamts und der alten Propstei hat in der Vergangenheit viel Raum der Einwohnerfragestunden während mehrerer Sitzungen der Gemeindevertreter in Leck eingenommen. Beim jüngsten öffentlichen Beschluss in dieser Angelegenheit blieben die Mitglieder des Infrastruktur- und Umweltausschusses allerdings weitgehend unter sich. Sie kamen dem Planungsziel, aus der „Fläche für den Gemeinbedarf – Kirche und kirchlichen Zwecken dienende Gebäude und Einrichtungen“ auch baurechtlich in ein „allgemeines Wohngebiet“ zu verwandeln, einen großen Schritt näher.

Zur Erinnerung: Der Kirchenkreis Nordfriesland hat nach dem Wechsel der Propstei von Leck nach Niebüll Grundstück und Gebäude an „Jessen Dachbeschichtung & Dämmsysteme“ verkauft, die dort ihren Betrieb aufgenommen hat. Das stieß Anwohnern der Osterstraße sauer auf. Auf mehreren Sitzungen machten sie ihrem Unmut Luft und fragten sich sowie die Gemeindevertreter, warum in der alten Propstei und im Rentamt seit mehr als einem Jahr ein Handwerksbetrieb geduldet werde, obwohl der Bebauungsplan dagegen spreche. Ferner fühlten sie sich unter anderem durch Lärm und gestiegenes Verkehrsaufkommen belästigt und fürchteten um Beeinträchtigungen der Umwelt, etwa des nahen Biotops.

Entsprechend präsentierte das vom Kirchenkreis beauftragte Architekturbüro Reichardt aus Husum jetzt neue Erkenntnisse zum Thema: Zur Prüfung der Lärmimmissionen durch die Nachnutzung des jetzigen Eigentümers „Jessen Dachbeschichtung & Dämmsysteme“ sei zwischenzeitlich ein Schallgutachten erstellt worden. „Im Ergebnis wird festgestellt, dass die Grenzwerte für ein allgemeines Wohngebiet bei konservativer Abschätzung deutlich unterschritten werden“, so das Fazit.

Weiterhin erläuterte Planer Michael Mäurer: Der Betrieb beschichte Dächer vor Ort am Objekt. Daher würden niemals Tätigkeiten auf dem Gelände erforderlich. Überwiegend in den Sommermonaten seien die Fahrzeuge ohnehin auf Montage, das heiße, sie kehrten am Abend nicht in den Betrieb zurück. Auf dem Gelände sei der Fuhrpark untergebracht; in den Sommermonaten schicke die Firma bis zu 16 ihrer Fahrzeuge los. In den Wintermonaten werde die Dachbeschichtung soweit zurückgefahren, dass man mit vier Fahrzeugen auskomme.

Betriebsaktivität gehe nur tagsüber von 7 bis 17 Uhr vonstatten, erlaubt seien in allgemeinen Wohngebieten tagsüber bis zu 55 Dezibel und 40 Dezibel nachts (22 bis 6 Uhr): „Diese Werte werden bei der Firma Jessen unterschritten“, versicherte der Planer. Alle sechs Wochen erfolge eine Warenanlieferung, aber auch das sei im Rahmen: „Kurzfristige Spitzen von 35 Dezibel über den normalen Werten sind zulässig.“ Bei der Firma Jessen würden bis zu 75 Dezibel in den Spitzen erwartet. Auf Nachfrage durch Ingo Scholz gab Planer Mäurer an, die Lärmschutzwerte seien nicht gemessen, sondern aufgrund der Betriebsbeschreibung und Vergleichswerten etwa von „Schlagen einer Autotür“ errechnet worden.

Ferner sei es dem Eigentümer erlaubt, auf dem Gelände ein weiteres Gebäude zu errichten. Auswirkungen auf das nahegelegene Biotop, die Lecker Au oder Tiere wie Fledermäuse seien durch die Nutzungsänderung nicht zu erwarten, führte Mäurer weiter aus und bestätigte auf Nachfrage von Klaus Schmidt, für den Baumbestand auf dem Grundstück gelte die Baumschutzsatzung der Gemeinde Leck. Vertiefende Fragen zum Schallschutzgutachten lehnte der Ausschussvorsitzende Roland Mader in der Folge ab: „Das ist nicht Sache dieses Ausschusses. Unsere Aufgabe ist es, Baurecht zu schaffen und aus einem Sondergebiet ein allgemeines Wohngebiet zu machen.“

Was dann auch eingeleitet wurde: Mit neun Ja-Stimmen und somit einmütig brachten die Ausschuss-Mitglieder den entsprechenden Entwurfs- und Auslegungsbeschluss für die 5. Änderung des B-Planes Nr. 5 auf den Weg. Jetzt kann der Plan in das Beteiligungsverfahren mit öffentlicher Auslegung und gegeben werden – und die Anwohner haben das Recht und die Gelegenheit, eventuelle Bedenken an dieser Stelle anbringen.

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