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Nordfriesland Tageblatt

20. August 2017 | 06:28 Uhr

Güllepumpe mit Pointe

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Hemmungslos ehrlich zog der Sylter Manfred Degen über die Insulaner und ihre Gäste her

Da mag er den Syltern noch zu sehr auf den Pelz rücken, ihnen ungeschminkte Wahrheiten ins Gesicht schmettern und dabei sicher auch übertreiben – Manfred Degen ist der Insel rettungslos verfallen. Er liebt sie und seine Bewohner. „Sylter dürfen das!“, heißt denn auch sein neues Programm, mit dem er im ausverkauften Leck-Huus glänzte.

Der Ruf, mit spitzer Zunge und scharfer Feder ans Werk zu gehen, eilt Manfred Degen voraus. Im Nu waren auch die 100 Sitzplätze im Bürger- und Kulturhof ausverkauft. Die Verantwortlichen vom Verein Leck-Huus und der Buchhandlung Brendel freute das. Sie hatten den Satiriker und Kabarettisten, Hofnarr und Nervensäge nach Leck gebeten. Er folgte der Einladung gerne, weil ihn eine innige Beziehung zu dem Ort prägt: Degens Mutter stammt aus Leck, ließ sich damals in der Drogerie Richter ausbilden, lernte auf dem Fliegerhorst ihren Mann kennen – und der kleine Manfred wuchs in der Bahnhofstraße auf. Die Sympathien beim Publikum waren ihm sicher.

Nun stand er einfach so da, plauderte über Gott und die Welt und insbesondere die Sylter, die Promis, die Reichen und Schönen. Juli und August, wurde verraten, sind nicht die Lieblingsmonate der Sylter, nein, es ist der März: „Da fahren sie in den Urlaub, kommen gerade wieder oder melden Privat-Insolvenz an“. Auch der Februar ist ein feiner Monat mit seinen Grünkohl-Orgien in der Region. Der Insel-Komiker verteilte Noten an die unterschiedlichen Zubereitungsarten. Getrüffelter Grünkohl und Jahrgangs-Champagner oder Grünkohl an Austern mit gewachtelten Eiern und aufgeschäumten Bratkartoffeln – ja, das hat Stil!

Degen nahm weitere „Monats-Highlights“ aufs Korn und hatte dabei immer ein Blitzen in den Augen. Die Harley-Saison auf dem 98 000 Quadratmeter großen Sandhaufen „rühmte“ er, bezeichnete die schweren Maschinen als „Güllepumpen auf zwei Rädern“ und wusste: „Die Harley-Fahrer sind überaltert. Bei einem Konvoi fährt immer ein Pflegebus hinterher.“

„Ist das nicht toll?“, fragte er häufiger und machte sich lustig, machte lächerlich. Themen gingen der Lästerzunge nicht aus: Er klärte auf über Fischbrötchen, Verzeihung: Friesen-Sushi, die Ferienhaus-Kategorie „Duschbett mit Wohnklo“ oder den Sylter Survival-Koffer mit festen Schuhen, warmer Jacke, vier Dosen Bockbier, Taschenlampe. Damit kann man nachts, wenn kein Zug mehr fährt, über den Damm die Insel per pedes erreichen. Eine Pointe jagte die nächste, es blieb kaum Zeit zum Ausatmen.

Doch nicht nur den Einwohnen der „Goldstaubinsel“ hielt Manfred Degen den Zerrspiegel vors Gesicht. Schwupp, befand man sich selber unter den Opfern. Geschickt verpackt kritisierte der Satiriker beispielsweise die Fernreisen in exotische Gegenden, wo die Menschen Dinge essen, für die in der Heimat Sonderdeponien eingerichtet werden. „Und erst die Fernflüge. Was man da alles auf sich nimmt.“ Das Publikum nahm es gelassen und lachte. Denn Lachen befreit, und das tat gut.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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