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Sauberes Schleswig-Holstein : Großreinemachen in Südtondern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Viele Gemeinden beteiligten sich an der landesweiten Aktion „Sauberes Schleswig-Holstein“ / Freiwillige Helfer sammelten Müll vor Ort

Vorgestern waren sie wieder unterwegs, die Müllsammler aus Stadt und Land. Unter ihnen auch Neubürger und Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und als Asylsuchende in Südtondern leben. Saubere Stadt, sauberes Dorf, sauberes Schleswig-Holstein, hieß es in der Zielsetzung dieser Aktion, die sich gegen jene richtete, die ihre Bierdose, den Flachmann oder nicht mehr gebrauchte Sachen am Straßenrand entsorgten und es den Mitbürgern überließen, ihren Dreck aufzusammeln und zu entsorgen. Die Beispiele Klixbüll und Niebüll allerdings zeigten, dass der Schiet im Straßengraben weniger geworden ist. Viele blauen Müllsäcke blieben leer. Stadt und Dorf zeigten sich recht sauber. In Klixbüll hieß Bürgermeister Werner Schweizer so an die 50 Sammler willkommen, unter ihnen auch Pfadfinder und 17 junge Syrer, von denen einige erst tags zuvor im Friesendorf mit der langen Hauptstraße eine vorläufige Bleibe gefunden hatten. „Die Dankeschön-Suppe kochen wir“, überraschten sie die Klixbüller Gastgeber mit einem Angebot aus nordafrikanischer Esskultur – nämlich mit einer Hühnersuppe, wie man sie in Damaskus oder Aleppo löffelt. Das Geheimnis der exotischen Suppe waren weniger das Huhn oder Gemüse, sondern die nahöstlichen Gewürze, die Chefkoch Moumen mitgebracht hatte und den nordfriesischen Gastgebern ein „echt scharf“ entlockten. „Aber super geschmeckt hat sie“, war von den Klixbüllern zu hören, die von Sven Gehlsen auf Tour geschickt wurden und in sechs Bezirken etwa fünf Kubikmeter Müll sammelten und den meisten Unrat an der B 199 fanden. „Und dabei war vorher noch einiges beim Verlegen des Breibandkabels aufgesammelt worden“, wie der Bürgermeister anmerkte.

Und in Niebüll? „Wir waren schon mal mehr zum Müllsammeln“, blickte Bürgermeister Wilfried Bockholt in die Runde der 60 Unentwegten, die sich in 27 Bezirken eingefunden hatten, Jäger und Langstofter Feuerwehr nicht inbegriffen. Auch für Niebüll gilt, dass die Stadt sauberer geworden ist und die drei Kleinlaster vom Bauhof gerade halbvoll wurden. Stadt, Stadtmarketing und Verschönerungsverein hatten aufgerufen. Bauhof und Stadt halfen und dankten den Sammlern, auf die am Ende ein Imbiss und eine Urkunde warteten. Die originellsten Sammelstücke wurden gefeiert: eine Plastikschildkröte, ein Poolreiniger, eine Tröte und Golfbälle. Sammlerin Brigitte Ullrich gewann 50 Euro für einen Einkauf bei Sönksen. Das Müllsammeln verlief bei bestem Wetter. Als es beendet war, setzte der von den Wetterfröschen vorausgesagte Regen ein.

Auch in Leck bückten sich am Sonnabend mehr als 290 engagierte Bürger unzählige Male, um Straßen und Plätze von dem zu befreien, was andere achtlos weggeworfen hatten. Gut zehn Kubikmeter Müll kamen zusammen. Das ist weniger als im Jahr zuvor. „So viele hatten sich gar nicht angemeldet. Ich habe das Gefühl, jeder hat noch drei andere Bürger mitgenommen“, freute sich Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn über die große Resonanz. Einen Tag zuvor hatten sich bereits rund 90 Schüler der dänischen Schule mit blauen Müllsäcken, Handschuhen und Greifern bewaffnet. Wie gewohnt inspizierten sie das Schulgelände, Straßen und die verwaisten Bahngleise. Seit Jahren klinkt sich diese Schule in diese Aktion ein und leistet ihren Beitrag für die Gemeinde.

Rektor Per Sörensen begründete weiter: „Damit wollen wir nicht zuletzt die Mädchen und Jungen zum umweltbewussten Handeln erziehen“. Zum ersten Mal dabei waren „Müll-Agenten“ von der Bürgerinitiative gegen das „CO2-Endlager“ und Monika Hahn-Naninga vom „Runden Tisch zur Integration von Flüchtlingen und Asylbewerber“ mit ihren Schützlingen. „Dass Migranten sich der Säuberungsaktion angeschlossen haben, zeugt von Gemeinsinn“, zollte der Bürgermeister Anerkennung. Natürlich ging auch er auf die Straßen mit dem Blick auf das, was nicht in die Natur gehört. Zu der größten Gruppe gehörten insgesamt 38 Mitglieder der Jugendwehren Leck und Oster-Schnatebüll/Klintum. Ihnen und ihrer Jagd nach Unrat hatte sich Bürgervorsteher Andreas Deidert angeschlossen. Außer einer Riesen-Kabeltrommel, Nummernschilder und Radkappen von Autos, einem kleinen Teppich und einer in der Lecker Au geparkten Sportkarre ohne Räder wurde nichts Spektakuläres gefunden. Papier und Plastik, Holz und Eisenstangen, Zigarettenschachteln und Unmengen von Glasflaschen, insbesondere „Flachmänner“, wanderten in die Müllsäcke. Während sich die Helfer im DRK-Haus mit leckerer Erbsen- und Gulaschsuppe stärkten, starteten Michael Austrup und Bernd Brodersen ihre Kleinlaster. Etliche Stunden hatten die Mitarbeiter vom Bauhof zu tun, um alles einzusammeln und zusammenzutragen. „Da ist wesentlich weniger zusammengekommen als im vorigen Jahr“, stellte Michael Austrup fest. Das Großreinemachen tat allemal Not und war geschafft, bevor der abendliche Regen alles noch einmal sauber spülte.

Auch beispielsweise in der Gemeinde Neukirchen gab es eine große Müllsammelaktion. Leider war die Resonanz mit nur 17 Teilnehmern sehr gering, bedauerte der für die Aktion verantwortliche stellvertretende Bürgermeister Thomas Dose. Deshalb konnte beim fast dreistündigen Sammeln auf den Gemeindewegen und Straßen auch nicht alles vom Unrat befreit werden, so die Akteure. Immerhin kamen 21 volle Müllsäcke zusammen, hauptsächlich Dosen und Flaschen. Aber auch Kurioses war dabei, wie ein Rasenmäher, Kaffeemaschine, Fernseher, Gartenmöbel, Blumenschalen, eine Steppjacke oder Schuhe, sogar paarweise. Der meiste Müll lag auf den Banketten an unbewohnten Straßen, wie die fleißigen Sammler feststellten. Zum Schluss gab es für alle Helfer als Belohnung einen kräftigen Imbiss und Getränke.

Fotos zur Sammelaktion gibt es auf der Seite 10.

 

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erstellt am 30.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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