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Illegaler Export : Großkäufe: Engpässe bei Milchpulver

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Große Milchpulver-Nachfrage auf dem asiatischen Markt sorgt auch in Niebüll für leere Regale / Einzelhandel klagt über organisierte Hamsterkäufe

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 10:22 Uhr

Schon länger klagt der Einzelhandel über organisierte Hamsterkäufe bei Milchpulver. Der Grund für die enorme Nachfrage, die auch in Niebüll zeitweise für leere Regale sorgt, ist nicht etwa eine explodierende Geburtenrate. Vielmehr sind es wie in Südtondern organisierte Gruppen, die die Säuglingsnahrung über das Internet zu Geld machen. Die Käufer sitzen meist in China. Hier ist der Hunger auf die deutschen Qualitätsprodukte seit Jahren nahezu unstillbar. Der Grund: Mehrere Lebensmittelskandale um chinesische Babynahrung haben die asiatischen Verbraucher das Vertrauen in die heimische Produktion verlieren lassen. So erschütterte im Jahr 2008 die Schreckensmeldung das Land, dass mehrere chinesische Großmolkereien Milchpulver verkauften, in das die Chemikalie Melamin gemischt war. 300  000 Babys mussten wegen Nierenschäden behandelt werden, sechs Kinder starben an dem gepanschten Pulver.

Seither sind nicht nur chinesische Eltern aus der Mittelschicht, die auch aufgrund der Ein-Kind-Politik alle Hebel für den Nachwuchs in Bewegung setzen, bereit, höhere Summen für garantiert reine Säuglingsnahrung zu investieren. 2012 lebten in China rund 108 Millionen Kleinkinder bis drei Jahre.

Besonders beliebt bei den Hamsterkäufern: Die Produkte Aptamil und Milumil. Auch in Niebüll klaffen hier im Bereich Babynahrung regelmäßig Lücken. „Seit etwa zwei Jahren ist das auch bei uns im Markt ein Thema“, bestätigt Edeka-Geschäftsführer Ove Lück. „Es gibt Zeiten, da kommt die Produktion schlicht nicht hinterher.“ Lück und seine Angestellten haben bereits viel Erfahrung mit den Großeinkäufern gesammelt: „Es sind Leute, die ganz offensichtlich für den Export einkaufen.“ Eine echte Handhabe gegen diese Kunden hat man als Einzelhändler nicht – denn der Kauf der Trockenmilch ist für sich genommen nicht illegal. Trotzdem haben Lück und weitere Einzelhändler einen Weg gefunden, um dem unkontrollierten Kauf des Pulvers Grenzen zu setzen. Die Supermärkte und Drogerien reagieren mit einer Beschränkung der Abgabe. „Wir weisen diese Kunden daraufhin, dass wir nur alltagsübliche Mengen verkaufen“, so Lück. In der Praxis heißt das – drei Stück pro Kunde. Und trotzdem beobachten der Niebüller Geschäftsführer und seine Mitarbeiter immer wieder, dass die Großkäufer das Laufband mit Trockenmilch-Packungen vollstellen. „Sie versuchen es immer wieder.“ Um die Verkäuferinnen zu täuschen, würden die Banden regelmäßig neue Einkäufer entsenden. „Es wird in regelmäßigen Abständen durchgewechselt“, sagt Ove Lück. Auch Unternehmen wie die Drogeriemarktkette Rossmann haben reagiert. Die Filialen werden extra mit Schildchen ausgestattet, die die Kunden an den Babynahrungsregalen auf die limitierte Abgabe der Produkte hinweisen sollen. Auch bei Edeka wirbt man so um Verständnis für das Problem.

Derweil bauen deutsche Trockenmilch-Hersteller ihre Produktion stetig aus. Für sie ist die Situation paradiesisch – ihre Produkte sind im In- und Ausland gefragt. Doch solange Hipp und Milupa die internationale Nachfrage nicht vollständig befriedigen können, werden die Gewinnmargen für die illegalen Trockenmilch-Exporte attraktiv bleiben. Bis dahin müssen sich Einzelhändler und Kunden mit dem Problem so gut es geht arrangieren.

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