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Nordfriesland Tageblatt

13. Dezember 2017 | 21:28 Uhr

Flüchtlinge : Großes Interesse an Erstaufnahme

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Während einer Informationsveranstaltung in Klixbüll gab Bürgermeister Schweizer Auskunft über die geplante Erstaufnahme auf dem Flugplatz

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 05:00 Uhr

Die seit geraumer Zeit im Gange befindliche Konversion, wie die Umwandlung von Militärflächen wie der ehemaligen Natobasis in eine zivile Nutzung genannt wird, ist derzeit unterbrochen. Stattdessen soll auf dem 320 Hektar großen Flugplatzgelände zwischen den Gemeinden Leck, Klixbüll und Tinningstedt eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) mit 800 Containern eingerichtet werden. Erwartet werden dem Vernehmen nach 2000 Flüchtlinge. Was im Detail dort passiert, darüber berichtete Klixbülls Bürgermeister Werner Schweizer in einer Info-Veranstaltung in der vollbesetzten Turnhalle der Grundschule Klixbüll.

Noch nie seien weltweit so viele Menschen auf der Flucht gewesen. Man spreche von 60 Millionen, erklärte der Bürgermeister. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis auch der Flugplatz in Betracht kam. „Nun ist es soweit.“ In Klixbüll seien mit jungen Syrern positive Erfahrungen gemacht worden – und zwar dank einer Willkommenskultur und einer gut funktionierenden Willkommensstruktur sowie dank des ehrenamtlich engagierten Sieghard Rathke.

Auf dem Flugplatz waren bis 1994 etwa 2000 Menschen beschäftigt. Im Verteidigungsfall wären es 4500 Personen gewesen. „Also wird jetzt wohl auch Platz für 2000 Flüchtlinge sein.“ Außerdem gehe das auf dem Flugplatz mit 2000 Menschen einfacher als mit 200 im Dorf, verglich Schweizer. Er stellte klar, dass es an diesem Abend nicht um die Politik gehe, sondern darum, die Einrichtung der EAE bestmöglich mitzugestalten. Doch Schweizer mahnte auch Eigeninitiativen an: „Wir wissen, wie schnell Garnisonsgemeinden nach Abzug der Bundeswehr vom Bund vergessen und Konversionszusagen nicht eingehalten wurden. Wie die Bundeswehr abzog, wird eines Tages auch die EAE abziehen. Und danach müssen wir wieder sehen, wie wir alleine zurechtkommen.“ Anliegen der Gemeinde sei daher, dass die Konversionsplanung der letzten zweieinhalb Jahre nicht umsonst war. „Das heißt, dass wir beides realisieren wollen – die EAE und die Konversion.“ Aus diesem Grund haben die drei betroffenen Gemeinden eine eigene Planung für die Aufstellung der Container, für die Zuwegung sowie für Ver- und Entsorgung entwickelt. Das soll nach Abzug der EAE unnötigen Rückbau vermeiden – „und zwar aus volkswirtschaftlicher Verantwortung und um die Planer aus dem Finanzministerium zu unterstützen.“

Bürgermeister Schweizer listete die Termine des Mitte Oktober angelaufenen „Unternehmens EAE“ auf und berichtete über Begehung der Lokalität, Erörterung der Pläne sowie Zuständigkeiten im administrativen Prozedere und nannte weitere Details. Zuständig sei das Finanzministerium. Verträge wurden auf die Dauer von zwei Jahren terminiert. 500 der 800 (möglichen) Container kommen aus der Türkei. Ein Träger der EAE steht noch nicht fest. Die EAE bekommt eine Polizeistation und einen Sicherheitsdienst. Genannt wurden auch eine Kita, medizinische Station, Essensausgabe, Kleiderkammer, sportliche Einrichtung(en) sowie eventuell auch eine DAZ-Schule (Kürzel für Deutsch als Zweitsprache). Und ganz wichtig: die Start- und Landebahn, Alleinstellungsmerkmal des einstigen Natoflughafens, bleibt erhalten und unberührt. Die einstige Airbase ist planerisch noch nicht entwidmet und könnte für eine „luftfahrttechnische Abschiebung“ in nur einem Tag reaktiviert werden. Werner Schweizer sagte, dass im Rahmen der Konversion Landungen möglich bleiben sollen.

Früher Verteidigungs- und heute Flüchtlingsindustrie? Man müsse die Zusammenhänge sehen und in die Zukunft hinein denken, sagte Schweizer. „Es geht letzten Endes auch um Arbeitsplätze.“ Kleider, Schuhzeug, Spiele seien ebenso wollkommen wie Geldspenden. Wer mitmachen und helfen will, sei willkommen.

Der Infoabend in der Klixbüller Turnhalle nahm insgesamt einen guten und harmonischen Verlauf. Vorsorglich waren Polizeibeamte anwesend, weil durchgesickert war, es seien Störenfriede zu erwarten. Von denen freilich war nichts zu sehen. So konnte Bürgermeister Schweizer seine Klixbüller Mitbürger und etliche Nachbarn aus Tinningstedt nach nur 80 Minuten auf den regnerischen Heimweg verabschieden.

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