Geschäftsaufgaben drohen : Große Sorge bei Gastronomen vor zweitem Corona-Lockdown

Der neue Barchef Bennit Adamsdotter muss seine Gäste um 23 Uhr heim schicken.
Der neue Barchef Bennit Adamsdotter muss seine Gäste um 23 Uhr heim schicken.

Sperrstunde trifft Betriebe in Südtondern hart, werden Bars und Hotels erneut ganz geschlossen, wird es Insolvenzen geben.

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28. Oktober 2020, 16:14 Uhr

Südtondern | „Gastgeber in Corona-Zeiten zu sein, macht keinen Spaß. Wir bleiben dennoch optimistisch“, sagt Christoph Brunk, Inhaber und Direktor des Hotels Landhafen in Niebüll. Dort sollte gerade jetzt – zum einjährigen Geburtstag – eine Club-Bar mit Konzerten an den Start gehen.

Doch zum Startschuss erfolgt mit der nun abgeordneten und schon am kommenden Wochenende geltenden Sperrstunde ab 23 Uhr eine Ausbremsung. „In der Woche kommen wir mit 23 Uhr klar, doch am Wochenende fehlen uns dann noch mindestens zwei Stunden Einnahmen“, sagt Christoph Brunk.

Es fehlen Einnahmen

Mit Bennit Adamsdotter, einem gebürtigem Niebüller mit schwedischen Wurzeln, hat der Landhafen für seine auch für externe Gäste geöffnete Clubbar gerade einen Barchef von Sylt an die eigene Theke engagiert. Zu seinen Aufgaben wird nun zählen, seine Gäste um 23 Uhr nach hause zu schicken.

Unter der Woche dürfte nach Auskunft des Wirts die Sperrstunde auch im Café Kö in Niebüll kaum ein Problem sein. Das Lokal in der Hauptstraße hat dann ohnehin nur bis 22 oder 23 Uhr geöffnet, sagt Inhaber Ahmet Urey. „Aber am Wochenende ist bei uns Open End. Da machen wir den meisten Umsatz “, so der Wirt.

Was er jetzt tun will? „Ein Eilantrag bei Gericht?“, überlegt er kurz – und schiebt den Gedanken wieder beiseite. Er wird erst einmal gucken, wie die Gäste die neue Situation aufnehmen und dann weiter überlegen.

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„Die Sperrstunde um 23 Uhr ist für unsere Gäste in jedem Fall ein psychologisches Problem“, sagt Mike Eichhorn von Eichhorn`s Hotel-Restaurant in Risum-Lindholm. Denn die Gäste, die später zum Essen kommen, hätten dann das Gefühl, in Zeitnot und gehetzt zu sein.

Ein harter Schlag ist dagegen die Begrenzung auf zehn Personen für private Feiern ebenfalls für erstmal mindestens drei Wochen. Das werde zur Absage diverser Familien- und Weihnachtsfeiern und damit zu erheblichen weiteren wirtschaftlichen Verlusten führen.

Das bestätigt auch der Landhafen-Inhaber sowie Bernd Jannsen, Inhaber des Strandhotels in Dagebüll. „Auch bei uns werden viele Feiern abgesagt werden müssen“, sagt Jannsen. Mit großer Sorge schaut er als Dagebüller HGV-Chef mit Blick auf die nun geltende Sperrstunde auf die weiteren Kneipen und gastronomischen Betriebe im vom Tourismus geprägten Ort.

Falls es zu einer kompletten Schließung der Gastronomie und Hotellerie für mehrere Wochen kommen sollte, werden das nicht alle Betriebe überleben können. Bernd Jannsen
 

Falls es sogar, wie von der Bundeskanzlerin gewünscht, demnächst zu einer kompletten Schließung der Gastronomie und Hotellerie für mehrere Wochen kommen sollte, fürchtet er, „dass das nicht alle Betriebe wirtschaftlich überleben können.“

Dass Ministerpräsident Daniel Günther einen zweiten Lockdown für Gastronomie und Hotellerie für Schleswig-Holstein bei der Video-Konferenz mit der Kanzlerin und den anderen Länderchefs vermeiden kann, hofft auch Mike Eichhorn, denn er ist sich ebenfalls sicher, „dass ein zweiter Lockdown auch in dieser Region zu Insolvenzen führen wird“.

Investitionen für die Katz

Stark von der Sperrstunde betroffen ist auch die Sportsbar Colle in Leck. Diese wird wie auch die seit Monaten geschlossene Disco Töff von Sven Schulz betrieben. „Ich schaue auf die Situation mit zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven. Privat verstehe ich, dass die Gesundheit vor geht.

 Als Barbetreiber blutet mir natürlich das Herz. Wir haben investiert, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können – das war dann wohl alles für die Katz“, sagt er. Und er gibt zu bedenken: „Wenn wir bei uns die Gäste am Wochenende um 23 Uhr raus schmeißen, holen die sich Getränke an der Tankstelle und feiern privat in kleinen, schlecht belüfteten Räumen weiter – das ist doch mit Blick auf Corona viel riskanter.“

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