Niebüll : Große Gefühle ohne jede Spur von Kitsch

Hat einen Draht zu ihren meist jungen  Fans: Sara Gmuer. Foto: kon
Hat einen Draht zu ihren meist jungen Fans: Sara Gmuer. Foto: kon

Vom Model zur Autorin: Im Rathaus las Sara Gmuer aus ihrem Buch "Karizma"

shz.de von
06. November 2012, 08:34 Uhr

Niebüll | Es ist schon toll, wenn eine junge, attraktive und erfolgreiche Autorin im Plenarsaal des Niebüller Rathauses vor Schülern des Beruflichen Gymnasiums aus ihrem Debütroman liest und anschließend auf Augenhöhe mit ihnen plaudert. Sara Gmuer (32), auch als Schauspielerin und Model in Berlin unterwegs, gelang es, mit "Karizma", einer Handlung aus der Rapper-Szene, ihr Publikum zu begeistern. So viel gelacht wurde wohl noch bei keiner der vom deutschen Literaturfonds finanziell geförderten Veranstaltungen. Sie finden schon seit fast 20 Jahren in Zusammenarbeit mit dem Beruflichen Gymnasium und dem Kieler Literaturhaus im Richard-Haizmann-Museum statt, waren dieses Mal aber ins Rathaus verlegt worden.

Die Zuhörerreihen bildeten Schüler einer Klasse des 11. Jahrgangs vom wirtschaftlichen Zweig des Gymnasiums sowie junge Erwachsene mit Berufsausbildung, die die Fachhochschulreife anstreben. Eingeladen waren auch Schüler, die selbst rappen, sodass in den Stuhlreihen vor der Autorin über 40 Besucher saßen.

Sara Gmuer stellte Abschnitte ihres Romans vor. Sie beschreibt die Geschichte ihrer Romanfigur Victoria rasant in einer lässigen Sprache der heutigen Jugend. Herausgekommen ist eine außergewöhnliche Lovestory, in dem es ohne die Spur von Kitsch um große Gefühle geht. Victoria, Model aus Sizilien, verliebt sich in Deutschland in den Rapper Said. Der verschwindet plötzlich auf dem Höhepunkt seiner Karriere im Meer. Beim Aufräumen seiner Wohnung findet die Protagonistin seine Texte, fängt selbst an zu schreiben und lebt den Traum ihres Freundes weiter.

Betrachtet man die Lebensgeschichte der Autorin, die 1980 in Locarno geboren wurde und im Tessin und Luzern ihre Kindheit verbrachte, so drängen sich autobiografische Übereinstimmungen auf. Sara war mit 13 in der Punk-Szene unterwegs und hat Häuser besetzt. Sie hätte, wie sie sagte, ein normales bürgerliches Leben führen können, hatte aber das Bedürfnis, daraus auszubrechen. "Ich war sehr auf Krawall gebürstet; im Hip-Hop habe ich das Gefühl des Ausbrechens wiedergefunden, damit konnte ich mich identifizieren".

Die Schüler fragten nach den Übereinstimmungen mit der Romanfigur. Dass sie Bekanntschaft mit Drogen gemacht hat, enthielt Sara Gmuer ihnen nicht vor. "Die waren aber nicht mein Ding." Sie werde weiterschreiben, versprach die Autorin. "Aber nicht mehr so krass".

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