Problemviertel : Große Chance für ein ganzes Quartier

Das Wikinger-Viertel in Leck könnte mit Hilfe staatlicher Gelder instand gesetzt werden – doch dann müsste auch die Gemeinde investieren

shz.de von
25. Juni 2014, 08:00 Uhr

Die Gemeinde Leck hat die Chance, die Situation im Quartier um die Wikinger Straße mit Fördermitteln zu verbessern – wenn sie bereit ist, auch selbst Geld zuzuschießen. „Soziale Stadt – Investitionen im Quartier“ heißt das Programm zur Städtebauförderung, das am Montagabend von gleich zwei Gremien diskutiert wurde, nämlich den Ausschüssen für Infrastruktur und Umwelt sowie Soziales, Tourismus und Wirtschaft. Bauamtsleiter Udo Schmäschke legte den Anwesenden mehrfach ans Herz, sich für einen entsprechenden Antrag zu entscheiden – die formalen Kriterien des Programms erfüllt das Quartier.


Weg von Stigmatisierungen


„Ein Wohngebiet, das gegenüber anderen Quartieren abgefallen ist“, „augenscheinlich seit vielen Jahren Stillstand“, „sozialer Brennpunkt“, „Weg von Stigmatisierungen und Kriminalitätsraten“ – diese Begriffe fielen im Zusammenhang mit dem Lecker Wohngebiet, wobei besonders Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn Verbesserungen durch die niedrigschwelligen Hilfsangebote wie Wiki 44 betonte. Der Gemeindechef verdeutlichte jedoch auch, dass er es befürwortet, die Chance zur Verbesserung der baulichen und sozialen Situation in dem Viertel zu verbessern.

Ein Planungsbüro hat mehrere Maßnahmen erarbeitet, die der Förderungsantrag umfassen könnte: Etwa sollen der Platz am Gutenbergring, Spielplätze und Grünflächen aufgewertet werden. Wie eine „Aufwertung“ aussehen könnte, veranschaulichte der Vorsitzende des Sozialausschusses, Holger Karde, an Eindrücken aus Lauenburg. Das dortige Gebiet „Moorring“ hatte ganz ähnliche Voraussetzungen wie das Wikinger-Viertel. Gepflegte Grünflächen und auflockernde Bepflanzungen, neue Spazierwege, einladende Sitzecken und überdachte Eingänge sind sichtbare Zeichen der erfolgreichen Teilnahme am Förderprogramm. Ferner wurde ein Zentrum für interkulturelle und andere Begegnungen errichtet.

In Leck sei der Baustein „Wiki 44“ als Begegnungspunkt bereits vorhanden, verdeutlichte Schmäschke, laut vorläufiger Planung sollten Integration und generationsübergreifende Begegnungen verstärkt und auch das Seniorenheim stärker einbezogen werden. Die Koordination der Veränderungen läge in der Verantwortung eines hauptamtlichen Quartiermanagers, die Maßnahmen wären über mehrere Jahre angelegt – „und auch Gebäudesanierung ist förderungsfähig“, so Schmäschke. Die Gesamtkosten schätzen die Planer auf rund 680 000 Euro, die Gemeinde müsste ein Drittel zusteuern, zwei Drittel würden Land und Bund übernehmen.

Die Gemeinde Leck habe sowieso schon ein Minus in der Kasse und regele fast alles über Nachtragshaushalte, die Unterhaltung gepflegterer Anlagen ziehe Kosten für die Instandhaltung nach sich, für die Sanierung der Häuser seien auch die Eigentümer in der Plicht, nach der Instandsetzung würden die Mietpreise steigen und die Probleme sich verlagern – diese Gegenargumente ergab die Diskussion nach der Vorstellung der Möglichkeiten. „Auch die Eigentümer sollen mit im Boot sein. Es ist wichtig, alle Akteure mitzunehmen und einen Antrag zu stricken, der sinnvoll und nachhaltig wirkt“, appellierte Schmäschke an die Versammlung und betonte, dass eine Zwei-Drittel-Förderung „nicht so häufig“ sei. Allerdings: Wenn der Antrag rechtzeitig auf den Weg gebracht werden solle, müsse man spätestens im September mit einem konkreten Konzept beginnen.

Am Ende sprachen sich die Mitglieder beider Ausschüsse einstimmig dafür aus, eine Teilnahme am Förderprogramm voranzubringen. Nun ist es Aufgabe der Gemeindevertretung, über den Fortschritt zu entscheiden.

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