Ausstellung : Großartige Kunst des Nolde-Freunds

Die Ausstellung ist noch  bis zum 30. August in der Stadtbücherei Niebüll zu besichtigen.
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Die Ausstellung ist noch bis zum 30. August in der Stadtbücherei Niebüll zu besichtigen.

Ein Teil der Arbeiten des Expressionisten Werner Scholz ist in Niebülls Stadtbücherei zu sehen.

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07. Juli 2014, 05:45 Uhr

Niebülls Kunstszene erlebte am Sonnabend den nächsten Höhepunkt der Ausstellungseröffnungen. In der Niebüller Stadtbücherei wird Werner Scholz gezeigt, ein fast vergessener Meister des späten Expressionismus. Es ist dem Kurator Andreas Brandt zu verdanken, dass Scholz auf diese Weise gewürdigt wird. Büchereileiter Ronald Steiner begrüßte neben Kunstfreunden aus Hamburg und Berlin vor allem die Tochter Claudia Grasse, die selbst mit fünf ausdrucksstarken Linolschnitten vertreten ist. „Eine Doppelausstellung“, bemerkte der Gastgeber. Dr. Thomas Gädeke, stellvertretender Direktor des Landesmuseums Schloss Gottorf und Leiter der Kunstabteilung, hielt eine einführende Rede.

Werner Scholz begann 1916 ein Studium der Malerei an der Berliner Hochschule für bildende Künste. Er zog als 18-Jähriger in den Ersten Weltkrieg, verlor seinen linken Arm, studierte von 1919 bis 1920 weiter, bevor er ein Atelier in Berlin einrichtete. Er kannte Emil Nolde – der ihn förderte – sowie Karl Schmidt-Rottluff. „Er gehört zu den Künstlern der verschollenen Generation“, bemerkte Gädeke, „sie waren zu jung, um bis 1933 etwas Großes geschaffen zu haben.“ Dabei war Scholz ein überaus hoffnungsvolles Talent. Hatte er doch 1925 seine erste Ausstellung. National-Galerie und Wallraf-Richartz- Museum erwarben seine Bilder. Paul Sachs (Gründer MoMa New York) sah 1932 seine Arbeiten im Folkwang Museum Essen.

Werner Scholz verarbeitete mit expressionistischen Stilmitteln Not und Elend der Zwischenkriegszeit. Er entwickelte seinen expressiven Realismus, gestaltete das Berliner Großstadtmilieu mit eigenen, oft krassen Ansätzen. Es ist bei diesem Maler die tiefe Trauer der Erschütterung, die den Grundakkord seines Schaffens bildet. Von Trauer geprägt, wirken seine Bildnisse auf den Betrachter, stellte ein Journalist treffend fest. Das konnte den Nationalsozialisten nicht gefallen. 1937 wurden zwei seiner Arbeiten in der berüchtigten Ausstellung „Entartete Kunst“ in München gezeigt, danach wurde der Künstler mit einem Ausstellungsverbot belegt. In der Konsequenz zog der Maler von Berlin nach Alpbach in Tirol, blieb dort bis zu seinem Tode 1982; sein Berliner Atelier mit vielen Bildern wurde im Bombenhagel zerstört.

Nach 1945 widmete Scholz sich biblischen Themen, auch der griechischen Mythologie. Die Anerkennung kam spät und blieb nachhaltig –Scholz’ Kunstwerke hängen heute in vielen bedeutenden Museen. Jedoch verlangte der Zeitgeist und die Kunstkritik ab 1950 eine komplette Neuorientierung – hin zur abstrakten, nicht gegenständlichen Malerei. So galt Scholz als „noch nicht entdeckt beziehungsweise als vergessen“. Das kann sich durchaus ändern.

„Wir sehen hier wunderbar leichte Blätter“, so Gädeke abschließend in seiner Rede. „Man findet Natur, Landschaft, Bergkaten ein aufsteigendes Pegasuspferd ... Das tanzende Paar lässt uns staunen.“ Kraft und Optimismus könne man aus der Betrachtung dieser späten Arbeiten ziehen. Werner Scholz hat ein gewaltiges Werk hinterlassen, das nun in Niebüll in einem kleinen Ausschnitt zusehen ist.

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