zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

18. November 2017 | 04:09 Uhr

Protest : Grabesstimmung in Leck

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Den Weg zur internen Personalversammlung des Finanzamtes dekorierten Mitarbeiter mit Protestschildern

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 07:15 Uhr

Ein schwarzes Kreuz ist aufgemalt, „Südtondern stirbt“ heißt es darüber, und zwei Grabkerzen leuchten vor dem Plakat – was viele Mitarbeiter des Finanzamts Nordfriesland von der Entscheidung der Landesregierung halten, langfristig Husum statt Leck zum Hauptsitz zu machen, ist nicht zu übersehen. Gestern fand in den Räumen der Nordsee-Akademie eine interne Personalversammlung des Finanzamts Nordfriesland statt, zu der auch Staatssekretär Thomas Losse-Müller aus dem Finanzministerium des Landes sowie Marion Bargmann, Vorsteherin des Finanzamts Nordfriesland und Leiterin der Standorte Leck und Husum, kamen. Deren Gang ins Gebäude führte dabei an den aufgestellten Schildern vorbei.

„Natürlich kann ich den Unmut der Mitarbeiter in Leck über die Standortverlagerung verstehen“, sagte Finanzamtsleiterin Marion Bargmann auf Nachfrage. „Da die Vollkonzentration des Finanzamtes Nordfriesland am Standort Husum jedoch in einem langfristig angelegten Prozess erfolgen wird, gehe ich davon aus, dass nur wenige Mitarbeiter in Leck von der Standortentscheidung persönlich betroffen sein werden“, fügte sie hinzu.

Wann für das Finanzamt in Leck die Lichter ausgehen könnten, steht laut Marion Bargmann noch nicht fest. Zur Zeit gebe es keine diesbezügliche Planung, so die Leiterin. „Erst wenn in Husum für alle Beschäftigten des Finanzamtes Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sind, erfolgt eine Vollkonzentration in Husum. “

Auch Thomas Losse-Müller argumentiert mit einem schonenden Abzug, um den Unmut der Lecker Protestler zu mindern. „Wir reden hier über sehr lange Zeitabläufe. Bis nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaus in Husum frühestens 2019 ändert sich am Status von Leck als Finanzamtsstandort im Wesentlichen nichts.“ Dies bedeute folglich, dass der Standort Leck noch auf viele Jahre Arbeitsplatz für sehr viele Finanzbeamte sein werde. Wer als fertig ausgebildeter Finanzbeamter am Standort Leck beschäftigt sei, brauche auf viele Jahre nicht gegen den eigenen Wunsch den Standort zu wechseln. Dies werde nicht nur bis zur Fertigstellung eines Erweiterungsbaus in Husum gelten, sondern möglichst lange darüber hinaus. Thomas Losse-Müller: „Die sehr hohen pensionsbedingten Personalabgänge in den kommenden Jahren werden das vereinfachen.“

Die Kritik der Bürger, dass die Standortentscheidung im Vornherein bereits feststand, ließ Losse-Müller nicht gelten. „Die Arbeitsgruppe unter Leitung von Landrat Dieter Harssen hat mit enger Einbindung der Bewerbergemeinden alle Optionen sehr gründlich und fair geprüft. Am Ende hat uns die Gruppe mehrere Unterbringungsvarianten vorgelegt, die sie als gleichwertig ansah. Auf dieser Grundlage haben wir dann die Entscheidung getroffen.“

Für Lecks Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn sowie Bürgervorsteher Andreas Deidert weiterhin eine Fehlentscheidung. „Durch die Entscheidung wird die Landflucht noch gefördert“, so Deidert. Im Zeitalter der elektronischen Datenübermittlung sei das vorgebrachte Argument der Nähe zu anderen Behörden in Husum doch nichtig. Und auch die Anzahl der Betriebe, die von den Finanzamtmitarbeitern vor Ort geprüft werden müssten, sei in Südtondern höher als im Husumer Bereich. „Es stimmt sicher, dass später vermutlich viele Mitarbeiter pendeln werden und in Leck wohnen bleiben. Aber ist das Finanzamt erst in Husum, zieht hier niemand mehr her.“

Deidert zeigte sich erfreut über die Proteste bei der Personalversammlung. „Jeder sollte für seinen Arbeitsplatz einstehen und dies auch dürfen“, sagte er. „Ich rechne es den Mitarbeitern des Finanzamts hoch an, dass sie sich für den Standort Leck stark machen“, hieß es von Lecks Bürgermeister Langbehn. Gerade, weil derartige Aktionen für Arbeitnehmer auch Konfliktpotenzial bergen können, weshalb sich die meisten Mitarbeiter selbst auch nicht äußern wollen.

„Wortbruch ist umkehrbar“ war auf einem Plakat als Appell zu lesen. Thomas Losse-Müller aber machte deutlich: „Am Ende einer gründlichen Abwägung muss eine Entscheidung stehen, damit alle Beteiligten auch Planungssicherheit bekommen. Ich denke, unsere Entscheidung ist abgewogen und vernünftig“ – was die Protestler jedoch auch nach der Personalversammlung ganz anders sahen.

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert