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Nordfriesland Tageblatt

11. Dezember 2017 | 09:03 Uhr

Götterdämmerung in der Stadthalle

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Komödiantin Jutta Wübbe alias Frau Jaschke unterhielt in der Niebüller Stadthalle 460 Gäste mit ihrer Interpretation von Richard Wagners Werk

von
erstellt am 28.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Richard Wagner brauchte für Noten und Text seines Opernepos‘ 26 Jahre - und „Der Ring des Nibelungen“ für seine Aufführung auf der Bühne zwischen erstem und letztem Vorhang geschlagene 16 Stunden und 32 Minuten. Das aber schien der Kabarettistin und waschechten Hamburger Deern Marlene Jaschke unverschämt lang. „Ich habe Herrn Wagner einen Brief geschrieben – und bis heute keine Antwort erhalten.“ Dennoch war sie nicht entmutigt und erzählte und spielte die Story von Wotan, Siegfried und den Walküren statt in 16 in nur zwei Stunden. Und das an einem eisigen Sonntagabend auf der Bühne der restlos ausverkauften Stadthalle, musikalisch unterstützt von Herrn Griepenstroh. Der Mann am Klavier heißt Volker und begleitet die Komödiantin seit Jahren auf ihren Tourneen.

Nicht nur die Hamburger scheinen ihre Marlene zu lieben, sondern auch die sonst so coolen Nordfriesen. Und Indiz dafür mag sein, dass im Vorverkauf 460 Tickets über den Tresen gingen. Als um 19.05 Uhr die Scheinwerfer angingen, eine tiefe Männerstimme darum bat, Kameras und Handys aus zu lassen und sich die Ulknudel in den „Ring“ stellte, war sofort Atmosphäre da. Bevor sie auf den Punkt brachte, was auch dorthin sollte, verriet sie, wie intensiv sie sich mit Wagner beschäftigt hatte. „Wenn ich nicht weiß, was da vorne passiert, ist deine Oper langweilig.“ Und das klang auch wie ein Versprechen, denn Frau Jaschkes Kurzfassung der Wagneroper war alle andere als langweilig – und allem keine nervigen 16 Stunden lang.

Frau Jaschke ließ auch wissen, dass sie Musiker hasst und diese eigentlich in den (Konzert-) Graben gehören. Doch mit Herrn Griepenstroh, mit dem sie ein „merkwürdiges“ Verhältnis verbindet, macht sie eine Ausnahme. Ihm und den Niebüllern schildert sie Details aus dem vierteiligen Wagnerschen Opus Magnum, das die Deutschen zum Nationalopus erhoben, erzählt von Wotan, dem Schlimmen, von Siegfried, dem Helden, und Hagen, dem Hinterlistigen. Zwischendurch vergisst sie ihre Freundin Hannelore nicht und bittet darum, den Siegfried aus dem „Ring“ nicht mit ihrem Kollegen Siegfried aus der Schraubenfabrik zu verwechseln.

Nach der Pause kommt Marlene Jaschke zurück in den Ring – mit Brustpanzer, Speer und Flügeln an ihrer roten Filzkappe – auf der Jagd nach dem Ring, angetörnt vom „Rheingold“, das sie auf den Gedanken bringt, dass Gold eine gute Anlage wäre wie bei Hannelores Zahngold. Wo sie gerade bei ihrer Freundin war: Hannelore, flunkert sie, suche seit langem auf dem Datingportal „50 plus“ vergeblich einen Mann. Auch Suchmeldungen wie „Alter Braten sucht junges Gemüse“ bleiben erfolglos. Ein toller Erfolg jedoch wird Marlene Jaschke Wagner-Jux und eine gelungene Persiflage auf das Werk des Komponisten, die die Nordfriesen „üt Naibel än trinambai“ auf höchst amüsante Art aus dem Alltagstrott holt.



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