zur Navigation springen
Nordfriesland Tageblatt

17. Dezember 2017 | 17:19 Uhr

Alternativ : Go!müse: Mehr als nur gärtnern

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im Verein „Go!müse“ bauen Menschen aus Südtondern gemeinsam nachhaltig Gemüse und Früchte an – und freuen sich über neue Mitglieder

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Selbst Gemüse und Früchte anbauen – das ist für die Mitglieder des Vereins „Go!müse?“ mehr als ein Hobby. Und die Ziele gehen über das gemeinschaftliche Gärtnern hinaus: Auch Regionalität, Solidarische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit sind den Mitgliedern wichtig. „Wir fanden es traurig, dass wir auf dem Land leben und unser Essen aus dem Kühlschrank oder dem Supermarkt kommt“, ist die Ansicht von Melina Burmeister, die Vorsitzende des noch jungen Vereins ist. „Ich habe Kohl gegessen und nicht gewusst, wie er wächst, welches Klima er braucht und wann er geerntet wird“, ergänzt Marie Carstensen, 2. Vorsitzende des Vereins, den es offiziell seit Mai 2015 gibt, die Vorbereitungen für die Initiative liefen bereits seit November 2014.

Der Name des Vereins setzt sich aus dem englischen „Go!“ (was mit Los! oder auch sich entwickeln übersetzt werden kann) und Gemüse zusammen. Das Projekt vereint Menschen aus Südtondern, die seit Februar 2015 für sich und ihre Familien in Gemeinschaftsgärten Gemüse und Früchte anbauen. Wirtschaftliche Interessen spielen keine Rolle, im Gegenteil: Im Vordergrund stehen Gemeinschaftsgefühl und Unabhängigkeit von Lobbys und Industrie.

Zurück zu den Wurzeln – das trifft gleich mehrfach auf die jungen Gärtnerinnen zu. Aufgewachsen in Nordfriesland, verbrachten beide einige Jahre im Ausland, um im vergangenen Jahr nach Südtondern zurückzukehren. Inspiration für ihr Projekt gab unter anderem „Die Strategie der krummen Gurken“. Dieser Film zeigt, wie die GartenCoop Freiburg ein erfolgreiches Modell solidarischer Landwirtschaft umsetzt. Rund 260 Mitglieder teilen sich die Verantwortung für einen landwirtschaftlichen Betrieb in Stadtnähe und tragen gemeinsam die Kosten und Risiken. Ganz so viele Mitglieder wie das Vorbild in Freiburg hat „Go!müse“ noch nicht, zwölf Mitglieder bilden den „harten Kern“ der Gemeinschaft, insgesamt sind es rund 30 Interessierte, die sich regelmäßig über den Verein informieren lassen. Und die Initiative möchte weiterwachsen.

Die erste Saison hat die Südtonderaner Initiative in zwei Testgärten in Leck und Niebüll gestaltet, die Mitglieder zur Verfügung stellten. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Gärtnern“, gibt Melina Burmeister zu. Das hat sich grundlegend geändert, denn von einander zu lernen, sich auszutauschen über das Aussäen, Vorziehen, Pflanzen, Pflegen und natürlich Ernten des Gemüses ist ein wichtiges Vereinsziel. Weitere sind konsequenter ökologischer Anbau, Saisonalität, samenfeste Sorten und kurze Wege, um Ressourcen zu sparen. „Wir verzichten auf Hybrid-Pflanzen und Pestizide. Das leckere Biogemüse teilen wir untereinander auf“, sagt Melina Burmeister. Jeder bringe sich so ein, wie seine Zeit es zulasse. Tomaten, Kartoffeln, Möhren, Rote Beete, Erbsen und mehr haben die Mitglieder gesät, gehegt und geerntet, sich gärtnerisches Wissen in Theorie und Praxis angeeignet oder weitergegeben.

Das können die Gemeinschaftsgärtner im kommenden Jahr wieder anwenden und sogar ausweiten: Für die nächste Saison hat ein Vereinsmitglied „Go!müse“ ein größeres Gartenstück in Risum-Lindholm zur Verfügung gestellt. 30 mal 30 Meter misst die ehemalige Weidefläche, die bereits gepflügt wurde und ab dem Frühjahr neuer Wirkungsort des Vereins werden soll. „Jetzt kann auch die Gemeinschaft weiterwachsen und neue Mitglieder aufnehmen“, sagt Melina Burmeister und freut sich über tatkräftige, wissende oder lernende Mitgärtner. „Man schafft etwas gemeinsam, ist an der frischen Luft, bewegt sich – und es macht einfach unglaublich viel Spaß.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen