Weihnachts-Spezial : Gnadenlose Spielexperten

Was wünschen sich die Jüngsten vom Weihnachtsmann? Was auf keinen Fall? 100 Schüler einer Lecker Grundschule wurden befragt

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24. Dezember 2014, 05:00 Uhr

Alle Jahre wieder die gleiche Sorge: Was wünschen sich die Kleinen? Bei den Erwachsenen siegt die Höflichkeit, wenn das Präsent eine Enttäuschung ist. Die Jüngsten sind hingegen gnadenlos. Alle Jahre wieder fließen Tränen, wenn Barbie statt Karate-Ken unterm Tannengrün liegt oder das Laserschwert keinen Kompass im Griff hat. Dann ist es aus mit dem „Oh du fröhliche“.

Das Nordfriesland Tageblatt befragte Kinder der Lecker Grundschule an der Linde, was bei ihnen ganz oben auf der Wunschliste steht. 100 kleine Spielexperten erhielten von ihrem Schulleiter Jan Lietzau einen Fragebogen: „Was wünschst du dir zu Weihnachten?“ und „Was war das blödeste Geschenk, das du bisher bekommen hast?“ In der Redaktion begann anschließend das große Rätselraten: „Zedeplea“ ist ein CD-Player, „Plemapil“ heißt Playmobil, „das Ding woh mahn duch schbrechen kan“ ist vermutlich ein Funksprechgerät und in einem „Akwarejum“ schwimmen Fische.

Nach dem Dechiffrieren wurden die Angaben ausgewertet: Grundschülerinnen hoffen auf „Top Model“ oder „Violetta“-Merchandising-Produkte, CDs (Bravo Hits 2014 und Helene Fischer) sowie Artikel von Lego Friends. Jungen spielen weiterhin lieber mit Lego Technik, Star Wars, Nintendo und der PlayStation.

Generell machten die Befragten sehr konkrete Angaben. Nicht etwa ein Handy, sondern speziell das „Samsung Galaxy S5“ soll es sein. Und auch nicht irgendeine Spielkonsole, sondern die „PSP3“ ist Pflicht. Und wenn eine Plastikpistole, dann nur die „Nerf N-Strike Elite Rapidstrike“ mit Schaumstoffmunition (Herstellerinfo: „Während deine Freunde noch nachladen, bist du schon längst Einsatzbereit und lässt die Gegner im Munitions-Regen stehen.“ )

Mit keinem Wort erwähnt wurden Mini-Dampfmaschinen, Eisenbahnen oder Zinnsoldaten – Pech für die Väter. Genauso wenig nominierten die Kleinen Brettspiele oder Teddybären, dafür aber Videospiele und die „Glubschis“ (Kuscheltiere mit Glubschaugen).

Drei Kinder von 100 wünschen sich Einkaufsgutscheine, ein Mädchen zehn Euro. Immerhin: Sieben kleine Südtonderaner hoffen auf ein Buch (Top-Titel: „Gregs Tagebuch 9“). Zwei Grundschüler hätten heute Abend gern etwas mehr Leben im Wohnzimmer – und zwar mit einem „Pferd (echt)“ oder „Husky als Welpen“. Auch nichts falsch machen Eltern, wenn sie Tablets oder Fahrräder verschenken und dem Nachwuchs eine „Stille Nacht“ mit E-Gitarre oder Schlagzeug ermöglichen.

Die Herzen der Redakteure rührten die Wünsche „Weltfrieden“ und „Papa soll auch Weihnachten da sein“. Sonderbar dagegen: „Ich wünsche mir ein großes Handtuch weil wenn wir Baden und dann uns abtrocknen dann ist das Handtuch immer nass und meine Mutter grigt die nie trocken.“ Oder „Ich hätt gern ein größeren Hamsterkäfig für unsere Katze.“

Und was hatte den Kleinen in den Jahren zuvor gar nicht gefallen? Tränen gab es beim Auspacken eher praktischer Geschenke und von Selbstgemachtem: Unterhosen, Wollsocken, Kekse und ein „Mülleimer, den ich mir mit meiner Schwester teilen musste“ sowie „eine Petzza aus blastig“ (vermutlich für eine Kinder-Küche). Ein Grundschüler beklagte: „Ich habe 1 sück Schokolade bekomen“ – was ein Hinweis darauf sein könnte, dass dieser junge Südtonderaner wohl doch nicht immer lieb und artig war.

Generell gilt: Je größer das Geschenk, desto besser, und viel Einpackpapier muss ein. Dann kann heute Abend eigentlich nichts mehr schief gehen.

Doch Vorsicht! Einige unbeliebte Präsente konnte die Redaktion, trotz Bemühen, einfach nicht entziffern. Was, bitte schön, verbirgt sich hinter „lalaupsi pupe“ oder „Superschmaschbraders“? Und was uns der Satz „Arsi heht apt und landet“ sagen soll, ist weiterhin unklar. Bleibt zu hoffen, dass der elterliche Weihnachtsmann die Handschrift der eigenen Brut zu deuten weiß und ahnt, was besser nicht unterm Tannengrün liegen sollte. Sonst kullern doch wieder die Tränen.

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