Globalisierung – Chance oder Risiko?

Universitätsgesellschaft lud zum Vortrag in der VR Bank mit Prof. Dr. Rolf Langhammer

shz.de von
10. Januar 2018, 15:18 Uhr

Ein gut besuchter Veranstaltungssaal in der VR Bank bot das Forum für einen spannenden Vortrag der Niebüller Universitätsgesellschaft. Professor Dr. Rolf Langhammer, angesehener Berater diverser Institutionen und Regierungen, berichtete detailliert und anschaulich über „Droht der Welt wie 1914 eine neue Phase des Protektionismus und des Nationalismus?“ Dabei verglich der Kieler Wissenschaftler des Weltwirtschaftsinstituts jeweils die Zeitläufe bzw. Globaliserungsphasen von 1870 bis 1914 sowie 1960 bis heute.

Gab es seinerzeit noch wenig Widerstand gegen die Globalsierung – abgesehen von der britischen Agragrlobby, die sich gegen Importe wehrte - so sei heute eine wachsende Skepsis zu verzeichnen. „Wir freuen uns über sinkende Preise“, so Rolf Langhammer, „fürchten gleichzeitig um unsere Arbeitsplätze.“ Der technologische Wandel sei jedoch „gefährlicher“ als der Handel mit China. Eine extreme Krise, wie sie sich bis 1914 mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs entwickelte, sah der Professor aktuell nicht heraufziehen. „Nordkorea ist nicht Serbien!“ Die Drohungen des Machthabers seien dessen Lebensversicherung. „Nur, wenn er mit dem Atomprogramm ernst genommen wird, kann er überleben. Daher wird er nicht als Erster auf den Knopf drücken.“ Auch die Rhetorik von Donald Trump schätzte Kieler Fachmann als Wortgeklingel ein. Bislang habe dieser vieles angekündigt und nicht umgesetzt. „Bis jetzt hat er noch keine Zölle erhöht!“ Es werde zudem keine nationalen militärischen Alleingänge geben. Die Globalisierung werde sich seiner Meinung nach verlangsamen. „Es wird sich regional differenzieren“, so seine Meinung.

Künftig gebe es mehr bilaterale Verträge zwischen zwei Partnern, weniger multilaterale Verträge. Abkommen wie TTIP könnten auch später abgeschlossen werden. „2020 ist Trump möglicherweise schon wieder Geschichte!“ Rolf Langhammer lobte die Bundesrepublik als „Stabilitätsinsel“ - auch gegen den Protektionismus. In der anschließenden Debatte legte er dar, wie China die Welt dominieren werde. „In Asien aber auch in Indien spielt künftig die Musik.“ Die Chinesen machten alles, was technologisch möglich ist: künstliche Intelligenz, Roboter in der Altenpflege, totale Vernetzung.

„In Afrika sind Millionen von Chinesen. Sie bauen nicht nur Bodenschätze ab, sondern sorgen für die Infrastruktur für eigene Industrien.“ Der Westen schaue mehr oder weniger nur zu. „Wir werden uns nach den Chinesen richten müssen“, so der Blick in die Zukunft. Gleichzeitig warnte Professor Langhammer vor den Wanderungsbewegungen. „Sie ahnen nicht, was da noch auf uns zukommt!“ Von 1970 bis 2000 sei der Anteil der Migranten in Europa bereits von vier auf acht Prozent gestiegen. Während die Japaner sich komplett abschotten würden und kein „frisches Blut“ hereinließen, mithin eine extreme Überalterung zu erwarten sei, böten sich in Europa durch die kontrollierte Zuwanderung neue Chancen.

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten sei nach Ansicht des Weltökonomen die größte Gefahr für den Frieden. „Hier zeigen die Konflikte, dass sich die Auseinandersetzung noch wesentlich weiter ausbreiten kann.“


zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen