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Nordfriesland Tageblatt

20. November 2017 | 20:08 Uhr

Giftköder: Hundehalter in Sorge

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Mehrere Vergiftungsfälle bei Hunden in und um Niebüll / Tierärzte und Polizei haben bisher keine Hinweise für ausgelegte Giftköder in der Stadt

Niebülls Hundefreunde sind in Aufregung. Der Grund: Im sozialen Netzwerk Facebook kursiert die Nachricht, dass mehrere Hunde erst Giftköder gefressen haben und danach eingeschläfert werden mussten. Bis gestern wurde die Nachricht bei Facebook fast 100 Mal geteilt und erreichte damit mutmaßlich mehr als tausend Leser. Die Verfasser sind alarmiert und vermuten das Werk von militanten Hundehassern. Doch bisher lässt sich die Giftködertheorie nicht beweisen. Polizei und Tierärzte empfehlen stattdessen, das Fressverhalten der eigenen Tiere besser zu kontrollieren.

Erste Gerüchte über die vergifteten Hundefallen verbreiteten sich Anfang der Woche, nachdem zwei junge Hunde in die Praxis der Niebüller Tierärztin Sabine Nissen eingeliefert wurden. Als die Veterinärin die Tiere untersuchte, waren sie bereits in einem schlechten Zustand: „Die Hunde litten an schweren Vergiftungserscheinungen, und einer hatte eine massive Leberschwellung“, erinnert sich Nissen. Schließlich blieb der Tierärztin nichts anderes übrig, als die Hunde von ihrem Leiden zu erlösen und einzuschläfern. Auch wenn die Laborergebnisse noch nicht vorliegen, so hält Sabine Nissen die Variante eines Giftanschlag für unwahrscheinlich. „Die Symptome haben nicht dazu gepasst.“ Wahrscheinlicher sei, dass die Tiere sich mit Substanzen aus dem Gartenbereich vergiftet hätten. Auch der Polizei liegen für Niebüll keine Hinweise auf Aktionen von Hundehassern vor.

Dass die Gefahr dennoch nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein aktueller Fall aus Flensburg: Hier fand ein aufmerksamer 51-jähriger Hundehalter Sonntagmittag mehrere Fleischbällchen, nachdem seine Hündin erst einen gefressen und sich danach auffällig gezeigt hatte. „Die Lhasa Apso Hündin schrie wenig später kurz auf und wollte plötzlich nicht mehr weiterlaufen“, heißt es in der Pressemitteilung. Beim Tierarzt wurde anschließend Brechmittel verabreicht. Spitze scharfkantige Gegenstände, Fremdkörper oder auffällige Verfärbungen konnte man in dem Köder nicht feststellen. Die Ermittlungen zu diesem Fall dauern an.

Um den eigenen Vierbeiner vor solch schädlicher Kost zu schützen, haben Experten einige Tipps parat: „Um Vergiftungen beim Hund zu vermeiden, zu erkennen und in einem Vergiftungsfall korrekt zu handeln, sollte man als Halter über ein gewisses Grundwissen verfügen“, rät Sylvia Schramm, Leiterin des Hundetrainingszentrums Nordfriesland. Dabei gehe es nicht nur zwingend um Giftköder, die vorsätzlich ausgelegt werden. Es gebe auch genug Haushaltsgifte, die für Hunde tödlich sein können. „Es reicht manchmal schon, wenn ein Hund bestimmte, für ihn gefährliche Lebensmittel frisst. Da reicht eine Tafel Zartbitterschokolade auf dem Couchtisch aus, die man versehentlich liegen lässt“, so Schramm. Um auf Nummer sicher zu gehen, bleibt den Haltern noch eine Möglichkeit: Die Hunde können in unbekannten Umgebungen Maulkörbe tragen.

Auch wenn sich der Verdacht, in Niebüll sei ein Hundehasser am Werk, nicht bestätigen sollte – dass es Menschen gibt, denen Hunde und besonders ihre Halter auf die Nerven gehen, kann Eva Schmitt-Sonntag im Kern nachvollziehen. „Natürlich gibt es auch unter den Haltern schwarze Schafe, die die Hinterlassenschaften ihres Tieres nicht wegsammeln oder ihre Hunde freilaufen lassen“, merkt die engagierte Hundebesitzerin aus Niebüll an. Auch auf ihrer Facebookseite warnt sie davor, dass solches Verhalten den Hundehass nur anheize.

Die aktuelle Verunsicherung in Hundehalterkreisen nimmt Eva Schmitt-Sonntag nun zum Anlass, um am Mittwoch, 10. Juni, um 19 Uhr im Friesencenter einen Infoabend zum Thema „Gift/Giftköder“ zu veranstalten. Neben allgemeinen Informationen zum Thema werden zwei Hundetrainerinnen Tipps geben, wie Hunde im Notfall versorgt werden müssen und wie man ihr Verhalten für mehr Sicherheit trainiert.  




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