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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 22:00 Uhr

Galmsbüll : Gestalten und Fabelwesen aus Holz

vom

Landwirt Christian Sibbern Melfsen entdeckte durch Zufall sein Talent in der Holzschnitzerei und schaffte bis heute an die 800 Kunstwerke.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 08:54 Uhr

Galmsbüll | Als ein kleiner Käfer aus der Familie der Borkenkäfer damit vor gut 15 Jahren begann, den Ulmen den Garaus zu machen, war guter Rat teuer. Doch es half alles nichts: Damit sich die seuchenartige vom Ulmensplintkäfer (Scolytus) übertragene Pilzkrankheit nicht weiter ausbreitete, wurden kranke und gesunde Ulmen gefällt. Die Einschnitte ins Landschaftsbild schmerzten. Übrig blieben Unmengen von Holz, das teils in den Ofen wanderte, teils aber auch so liegen blieb, wie es Mutter Natur hat wachsen lassen: rank und gerade, in wundervollen Formen und Strukturen, aber auch skurril verästelt und so gewachsen, dass man sich sowohl gegenständliche als auch abstrakte Figuren hineindenken konnte.

So mag es auch dem Landwirt Christian Sibbern Melfsen (75) gegangen sein, der seinen Betrieb Gottesgabe gerade seinem Sohn übergeben hatte und das Domizil für seine alten Tage am Mittelweg 2 im Alten Christian-Albrechts-Koog bezogen. "Aus dem Holz muss sich doch was machen lassen", sagte er sich und nahm Kettensäge, Winkelschleifer und Feinwerkzeug zur Hand, zog sich in den Schuppen am Haus zurück und begann, Figuren aus dem Holz zu formen. Es traf sich gut, dass er dabei auch an sich ein gewisses Talent entdeckte, "von dem ich keine Ahnung hatte".

Sein erstes Kunstwerk, das dieses Attribut noch nicht verdiente, war ein Schweinchen, dick, rund und drollig. Weil ihm der hölzerne Erstling gut gefiel, kurbelte er eine Art didaktischer Motorik an, die ihn bald in den Status eines Holzkünstlers anhob. Der Amateur Melfsen entwickelte die Fähigkeit, in den von der Natur vorgegebenen Formen Tiere, Menschen, Figuren und Dinge des Alltags zu entdecken und ihnen mithilfe einfachen Werkzeugs eine nahezu formvollendete Gestalt zu geben.

Christian Sibern Melfsen begann zu sägen, zu schleifen, schnitzen. Es mögen mittlerweile an die 800 Kunstwerke geworden sein - sowohl gegenständlich als auch abstrakt, teils zierlich und fein und oft auch derart witzig, dass der Holzkünstler beim Anfertigen selbst lauthals lachen muss, sodass seine beiden Kater dann die Kurve kratzen.

Christian Melfsen ist seit zwei Jahren Witwer, die beiden Stubentiger, die ihm um die Hosenbeine wuseln, sind die einzigen Lebewesen auf dem einsamen Anwesen im Koog, wo er sich über jeden Besucher freut.

Dem Briefträger hat er einen Postkasten geschnitzt, den Besucher heißt er mit einem geschnitzten Gruß willkommen. "Gesichter", klagt er "bekomme ich nie so hin wie ich sie will." Doch die Frisur von der Bundeskanzlerin hat er prima hinbekommen. Ihre Büste steht auf einem Regal in der Garage mit einigen hundert anderen Exemplaren wie Vögeln, Kleintieren und Märchenfiguren. An der Garagendecke hängt ein hölzernes Windspiel an einer Angelschnur unter der Decke, draußen hält ein Hirte mit Hund Wache.

Jede der Figuren aus der Sammlung des Galmsbüller Holzkünstlers hat ihre Geschichte. Es bedarf nur geringer Fantasie, diese Geschichte - ob aus dem Märchenbuch erzählt oder vom Vogel gezwitschert - auch zu hören. Dank der Kunst des Galmsbüllers leben viele der vor Jahren gefällten Ulmen weiter, wenngleich auch in Gestalt eines Fabelwesens, knorrigen Schrats oder eines Liebespärchen gleich an der Ecke vor dem Haus im Mittelweg.

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