Grenzgeschichte : Geschichtsverein hat viel vor

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Zu Gast in Niebüll: Anders Korsgaard Jessen, im Hintergund Horst Muesfeldt.
Zu Gast in Niebüll: Anders Korsgaard Jessen, im Hintergund Horst Muesfeldt.

Die Engagierten planen eine große Ausstellung rund um die Volksabstimmung im Jahr 1920 in Niebüll.

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09. Oktober 2018, 14:48 Uhr

Der Niebüller Geschichtsverein knüpft internationale Beziehungen, besonders ins Nachbarland Dänemark. Der Austausch nach Tondern zum „Lokalhistorischen Verein und Archiv Alt-Tondern und Kommune“ läuft schon seit längerer Zeit hervorragend. Zuletzt waren die Dänen vor vier Jahren in der Begegnungsstätte zu Gast; nun sahen sie zum ersten Mal die neuen Räume über der Stadtbücherei. Herzlich begrüßt von der ersten Vorsitzenden des Niebüller Geschichtsvereins, Beate Jandt, erschien zunächst Anders Korsgaard Jessen, der erste Vorsitzende des Vereins.

Die Leiterin des Tönder Archivs, Brigitte Thomsen, Ahnenforscherin Else Harck, weitere frühere Mitarbeiter und Fachleute wie Britta Bargfeld, Lisbet Skov und Knud Madsen saßen mit ihren Niebüller Kollegen zunächst bei Kaffee und Kuchen zusammen. „Wir haben eine Menge vor“, sagte Beate Jandt und verwies gleich auf die gemeinsame Geschichte. Wie auf den historischen Rathaustisch aus dem Jahr 1928.

Niebüll war nach der 1920-Volksabstimmung und folgender Grenzziehung 1923 neue Kreisstadt geworden, das Rathaus wurde wenig später im Heimatschutzstil errichtet. „Sie haben sicher viele Dokumente über die Volksabstimmung 1920“, vermutete die Vorsitzende. „Wir könnten gut eine Karte vom alten Amtsbereich um Tondern gebrauchen“, sagte Wolfgang Raloff. Der frühere FPS-Direktor sitzt bereits seit Monaten an einem weiteren Buch über die Zeit rund um die Volksabstimmung. Anhand von Zeitungsausschnitten dokumentiert der Pädagoge die aufregende Zeit um 1920. „Es wurde heftig gestritten“, sagt Wolfgang Raloff. „Es wurde mit harten Bandagen um jede Stimme gekämpft.“

Heute ist die Auseinandersetzung auf dem „Misthaufen der Geschichte“ gelandet. Deutsche und Dänen gehen respektvoll miteinander um. „Das ist erst seit zehn Jahren ganz entspannt“, meinte Horst Muesfeldt, der aus Leck zu Gast in Niebüll war. Anders Korsgaard Jessen, Redakteur bei Tønder Reminders, sah einen früheren Zeitpunkt als realistisch an. „Ich glaube, es ist schon länger so.“ Für ihn ist die Grenze die „friedlichste Grenze der Welt“. Seine Erfahrungen sind positiv: „Wir haben ein gutes Miteinander.“ Beate Jandt berichtete von wöchendlichen Besuchen in der Nachbarstadt; sie habe sogar selbst einmal dort gewohnt und verspüre gelegentlich Sehnsucht.

Am Ende war man sich einig, dass es zwischen Deutschen und Dänen viele Gemeinsamkeiten geben würde. Die Zusammenarbeit für die Ausstellung im Richard Haizmann Museum sei dafür das ideale Beispiel. „Wir haben schon einen Termin“, sagte Beate Jandt, „Am 14. März wird dort die historische Schau eröffnet.“ Mit der letzten Ausstellung über die NS-Zeit in Niebüll hatte der Geschichtsverein 2015 viel Erfolg gehabt. 2600 Besucher wurden gezählt.

„Es kamen auch viele Interessierte aus Dänemark“, sagt Beate Jandt. Das Tonderaner Archiv plant für November 2018 eine Ausstellung über das Kriegsende 1918. „Sie sind herzlich eingeladen“, betonte Brigitte Thomsen. Die Aktiven aus Niebüll wie Guido Tödt, Wolfgang Jandt und Rolf Sievers klönten noch lange mit dem gut gelaunten Besuch, auch der Vorsitzende des Lecker Geschichtsvereins Horst Muesfeldt vertellte eine Menge.


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