Aktionstag : Geschichte neu entdecken

Auf der Gabrielswarft wurde das Geburtshaus des Universalgelehrten Hans Momsen errichtet.
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Auf der Gabrielswarft wurde das Geburtshaus des Universalgelehrten Hans Momsen errichtet.

Zum bundesweiten 25. Tag des offenen Denkmals öffnen in Südtondern vier Schmuckstücke der Baukultur ihre Türen.

shz.de von
04. September 2018, 16:40 Uhr

Denkmalschutz – das klingt für viele verstaubt und altmodisch. Wie lebendig und spannend es sein kann, hinter die Türen von Gebäuden mit einer besonderen Historie zu schauen, soll am kommenden Sonntag zum 25. Mal der Tag des offenen Denkmals zeigen, der bundesweit gefeiert wird. Südtondern ist mit drei offiziellen Beiträgen im Jubiläumsjahr gut vertreten, und zwar mit dem Momsen-Haus in Dagebüll, der Rimberti-Kirche der Gemeinde Emmelsbüll-Neugalmsbüll und erstmals mit dem ehemaligen Küsterhaus in Aventoft. Geöffnet für mehrere Aktionen sind zudem die Türen der Karlumer St. Laurentius Kirche.

„Entdecken, was und verbindet“ lautet das Motto des diesjährigen Aktionstages. Auf das Geburtshaus des Universalgelehrten Hans Momsen (1735 bis 1811) im Dagebüller Stadtteil Fahretoft trifft das ganz sicher zu. Denn das ehemalige Reet gedeckte im Jahr 1680 erbaute Wohnhaus auf der Gabrielswarft ist mehr als ein begehbares Schmuckstück nordfriesischer Heimatgeschichte, es ist auch ein Ort der Begegnung, der Menschen mit besonderen Interessen miteinander verbinden soll. Vor allem durch das vor drei Jahren eröffnete Café mit Terrasse. „Dieser Ort der Gastlichkeit hat das Momsen-Haus überregional bekannt gemacht“, sagt Gerd Vahder, stellvertretender Vorsitzender der Hans-Momsen-Gesellschaft. Die Pächter Conny und Lars Batze laden nicht nur zu Buchweizentorte und Quarkkuchen, sondern auch zum Klütern – zu Handarbeitsgruppen – und plattdeutschen Gesprächsrunden ein. Das Momsen-Haus ist am Sonntag von 14 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet, in diesem Zeitraum werden je nach Nachfrage auch Führungen angeboten.

Ganz besonders fiebert in diesem Jahr die Kirchengemeinde Emmelsbüll-Horsbüll dem Tag des offenen Denkmals entgegen, denn dort wird am Sonntag gleichzeitig der 250. Geburtstag der barocken Rimberti-Kirche gefeiert. Ein Holz-Tonnengewölbe mit Malerei sowie der Emporenfries des 1768 errichteten Gotteshauses sind erhalten geblieben.

„Seit Monaten bereiten wir diesen Tag vor“, sagt Rolf Wiegand, Vorsitzender der Kirchengemeinde. Eröffnet wird der Geburtstag um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, in dem auch die zum Jubiläum verfasste Chronik vorgestellt wird, die die Gottesdienstbesucher kostenlos erhalten. Es singt dazu der Gospel- und Popchor Joyful Voices. Mittag wird in der Kirche Suppe serviert, im Vorraum gibt es Getränke und für Kinder eine Spielfläche. Bis 17 Uhr stehen mehrere Führungen mit Turmbesteigung auf dem Programm. Abgeschlossen wird der Festtag um 19 Uhr mit einem Konzert, gestaltet von Karl-Friedrich Feddersen an der Orgel und dem Blockflöten-Ensemble Emmelsbüll-Neugalmsbüll unter der Leitung von Birgit Deussing.

Mit einem besonderen Ereignis geht der Tag des offenen Denkmals auch in der Grenzgemeinde Aventoft einher. Denn am Sonntag wird dort um 15.30 Uhr der offizielle Startschuss für die Restaurierung und notwendigen Instandsetzung des ehemaligen Küsterhauses erfolgen. Der lang gestreckte Rotsteinbau unter Reet wurde um 1676 erbaut, später um einen Klassenraum erweitert und steht seit 2009 unter Denkmalschutz. Bis 1953 war die Kate im Fischerweg das Wohnhaus der Küsterfamilie, 1973 wurde sie von dem Berliner Ehepaar Ruth und Rolf Dietrich Schmidt erworben und restauriert. Im Dachgeschoss richtete der Künstler und Architekt Rolf Dietrich-Schmidt, ein Meisterschüler Karl Schmidt-Rottluffs, sein Atelier ein. Dieses ist bis heute weitgehend erhalten. 1989 starb der Künstler, seit 2010 gehört die Kate der Rolf-Dietrich-Schmidt-Stiftung. Sonntag ist das Gebäude von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Jeweils um 15, 16 und 17 Uhr erfolgen kleine Führungen durch das Haus mit Birgit Jacobs. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen.

Auch die Verantwortlichen der St. Laurentius Kirche in Karlum hoffen am Sonntag auf viele Besucher. „Ich habe mich vor 13 Jahren auf den ersten Blick in diese Kirche verliebt“, sagt Karin Tuxhorn, Vorsitzende des regen Freundeskreis, der den spätromantischen Backsteinbau mit viel Kreativität und Engagement Stück für Stück saniert und restauriert. Von 11 bis 16 Uhr wird es dort stündliche Führungen geben. Dabei werden sicher auch vielen die Sagen rund um das Gotteshaus Thema sein. Zum Beispiel die über den Bauplatz. Danach trieben die Dörfer Karlum und Tinningstedt je einen Ochsen auf das andere Dorf zu. Dort, wo sich die Tiere trafen, wurde die Kirche errichtet. Zum Abschluss gibt es um 17 Uhr ein Konzert mit dem Männerchor vom Heiligen Wladimir aus Moskau – mit sakralen Chorsätzen, Lobgesängen und Volksweisen, kräftigen Stimmen ganz ohne Instrumente.

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