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Flüchtlinge in Leck : Geplante Erstaufnahme: 14 Fragen, 14 Antworten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Welche Auswirkungen wird die Ankunft der 2000 Flüchtlinge für die Region haben? Laut Expertenmeinung werden die Ankömmlinge das Dorfleben der Gemeinde deutlich prägen.

von
erstellt am 07.Nov.2015 | 07:15 Uhr

Können schon Angaben zu den erwarteten Schutzbedürftigen gemacht werden ?
„Bei der geplanten Unterkunft in Leck handelt es sich um eine sogenannte Landesunterkunft, in der Asylsuchende aus anderen Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden. Religionszugehörigkeit oder Flüchtlingsrouten spielen keine Rolle für die Verteilung oder Registrierung als Asylsuchender.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Bundesweit gab es Brandanschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte. Steht das ehemalige Flugplatzgelände in Leck ab sofort unter Beobachtung?
„Wie auch in den anderen Unterkünften übernimmt die Polizei die Sicherheitsaufgaben. Zu diesem Zweck wird eine Polizeistation eingerichtet. Ein privater Sicherheitsdienst unterstützt diese Aufgabe.“ Sönke Hinrichs, Landespolizeiamt

Kommen die 2000 Flüchtlinge etappenweise?
„Alle Unterkünfte werden schrittweise belegt, so dass die Plätze je nach Situation in den zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen sowie je nach Überleitungen aus den Verteilzentren in Bayern oder Niedersachsen belegt werden. “ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Wo werden die Flüchtlinge auf der Fläche untergebracht? Nur in Containern?„Shelter werden auf keinen Fall zu Unterkünften umfunktioniert.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Wer zahlt für die Unterbringung der Flüchtlinge? Bekommt die Gemeinde Geld?
„Wann und wo Geld für diese Aufgabe in die betroffenen Kommunen fließen und bereit gestellt wird, ist mir heute zwar nicht egal, aber im Moment erst nachrangig zu klären. Gestern haben sich Vertreter unserer Gemeinde mit mir die Einrichtung in Seeth angesehen. Heute werde ich mir die Containerstadt in Lübeck verinnerlichen. Hintergrund ist, sich zu informieren, soweit möglich rasch zu handeln und so gut wie möglich vorzubereiten, so wenig Fehler wie möglich zu machen, um den Hilfesuchenden ein Dach und Nahrung zu geben.“ Rüdiger Skule Langbehn, Bürgermeister in Leck

Werden einige Ankömmlinge dauerhaft in Südtondern bleiben?
„Asylsuchende werden in Schleswig-Holstein nach einem Schlüssel verteilt, der sowohl die Wirtschaftskraft als auch die Einwohnerzahl berücksichtigt. Wie viele Asylsuchende in welchen Kreis gehen, wird jeweils vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten ausgerechnet. Die Bestimmung über die Gemeinde, in der den Asylsuchenden ein Wohnort zugewiesen wird, obliegt den Kreisen.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Was steht den Flüchtlingen künftig zur Verfügung?
„Alle Landesunterkünfte sind mit sanitären Räumen ausgestattet, die sich gegebenenfalls in Containern befinden, sowie Räumen, in denen Verpflegung erfolgt. Die können im Einzelnen Zelte, Hallen oder feste Gebäude sein, je nach Ausstattung der Unterkunft. Ebenso ist es Standard, dass es einen medizinischen Notdienst auf dem Gelände gibt, der sich um Akutfälle kümmert. Zusätzlich bietet der vertraglich zuständige Betreuungsverband Sozial- und Verfahrensberatung an, unterstützt in den alltäglichen Fragen und ist als Ansprechpartner für die Bewohner vor Ort.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Wer wird die Betreuung leisten?
„Die logistischen Herausforderungen werden von den Mitarbeitern des Landesamtes, der Polizei und dem Betreuungsverband gelöst. Für konkrete Fälle vor Ort gibt es in allen Unterkünften mindestens einen Ansprechpartner des Landesamtes, der gegebenenfalls auf bestehende Strukturen zurückgreifen kann.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Vom „Lagerkoller“ ist die Rede, wenn Flüchtlingen Beschäftigung fehlt – was mancherorts zu Gewaltausbrüchen führt. Was kann helfen?
„In Schleswig-Holsteins Landesunterkünften haben wir bisher keine Kenntnis von solchen Vorfällen. Je nach räumlichen Gegebenheiten, nach Konzept des Betreuungsverbandes und nach regionalem Engagement der Kommune gibt es unterschiedliche Angebote für Asylsuchende – in Boostedt beispielsweise eine Fahrradwerkstatt, in Seeth gibt es einen religionsübergreifenden Gebetsraum und ein Nachmittagsangebot für Jugendliche, es gibt Kirchencafés, Sprachkurse sowie Tanzveranstaltungen.“ Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Inwieweit werden die Flüchtlinge das Dorfleben prägen?
„Die Unterkunft ist kein Gefängnis, die Asylsuchenden dürfen sich frei bewegen und die regionalen Gegebenheiten erkunden. Die Sorge um die Angehörigen nimmt einen großen Teil der Zeit der Asylsuchenden ein, die versuchen, mit ihren Handys Kontakt zur Familie zu halten. Daher ist es notwendig, häufig Telefonkarten zu kaufen. Auch die Besorgung der Hygieneartikel obliegt (nach Übergabe eines Begrüßungspakets durch die Mitarbeiter des DRK) den Asylsuchenden selbst. In allen Gemeinden können die Anwohner davon ausgehen, dass die Asylsuchenden die lokalen Supermärkte nutzen werden.“  Jürgen Börner, Landespolizeiamt

Müssen die Bürger Angst vor mehr Straftaten haben?
„Erfahrungen aus Neumünster, in der die Erstaufnahmeeinrichtung schon seit Jahren besteht, zeigen: Es kommt mit dem Zuzug von Menschen auch zu mehr Straftaten. Grundsätzlich gilt, dass Kriminalität Teil jeder Gesellschaft ist. Das Landeskriminalamt registrierte vom 1. September 2015 bis 29. Oktober insgesamt 888 Straftaten mit Flüchtlingsbezug – bei 32.000 Flüchtlingen in Schleswig-Holstein. Eine signifikante Steigerung von Kriminalität ist nicht zu verzeichnen. Bei mehr als der Hälfte der registrierten Straftaten handelt es sich um Eigentumskriminalität: meist Diebstähle geringwertiger Sachen.“ Sönke Hinrichs, Landespolizeiamt

In Deutschland treten immer mehr Bürger aus der Kirche aus. Anderseits kommen mit den Flüchtlingen neue Gläubige anderer Religionen ins Land. Eine Gefahr fürs Christentum?
„Dass immer mehr Bürger in unserem Land aus der Kirche austreten, ist sehr bedauerlich, haben sie doch bisher die vielfältigen Aufgaben von Kirche in Stadt und Land mitgetragen. Und dass so viele Menschen in diesen Tagen in unserem Land Zuflucht suchen vor Krieg, Terror und existenzieller Not, ist eine Tragödie für diese Menschen und eine Herausforderung, der wir uns als Christen stellen müssen. Dabei spielt die Religion der Asylsuchenden zunächst einmal keine Rolle. Eine Gefahr für das Christentum in unserem Land sehe ich nur dann, wenn wir unser Christsein nicht leben in Wort und Tat." Holger Asmussen, Pastor

In einigen Herkunftsländern der Flüchtlinge ist der Stellenwert der Frau geringer als hierzulande. Ein Problem für uns?
„Alle müssen mit der neuen Situation umgehen lernen. Gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Kulturen ist wichtig. Die ankommenden Menschen/Männer sollen/müssen durch gezielten Kulturunterricht auf all das hingewiesen werden, was hier für Frauen selbstverständlich und lang erkämpftes, im Grundgesetz verankertes Recht ist: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Da gibt es keinen Verhandlungsspielraum, auch nicht für die ankommenden Flüchtlinge. Nichtsdestotrotz sind gegenseitiger Respekt, Vorsicht und ein Vermeiden von Konfrontation sicherlich angebracht.“ Sylke von Kamlah-Emmermann, Gleichstellungsbeauftragte

Wie können Bürger helfen?
„Im Moment möge ein jeder einmal gucken, welche gebrauchsfähige saubere Kleidung, vor allem Winterkleidung, für alle und welches Spielzeug für die Kinder ein jeder demnächst spenden möchte. Mein Wunsch in dieser herausfordernden Zeit ist, dass sich alle Bürger im Amtsbereich Südtondern miteinbringen, um diese Aufgabe zu schultern. Neben den Sachspenden werden wir auch ein Spendenkonto einrichten, auf dem jeder Cent herzlich willkommen ist. Gemeinsam werden wir das schaffen.“  Rüdiger Skule Langbehn, Bürgermeister in Leck

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