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Flüchtlinge in Privatwohnungen : Genug Wohnraum für Asylsuchende

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Derzeit sind in Südtondern 26 Asylsuchende in angemieteten Privatwohnungen untergebracht / Momentan wird kein weiterer Wohnraum benötigt

Im Badezimmer glänzt ein vergoldeter Wasserhahn, die Küchenzeile hat keine Gebrauchsspuren und die Räume sind hell und sauber. Das in drei Wohnungen aufgeteilte Haus von Günther Müller ist bestens in Schuss. Wenn es nach dem 65-Jährigen geht, dann werden auf dem rund 300 Quadratmeter großen Anwesen im Herzen von Fahretoft bald Asylsuchende wohnen. Erst vor zwei Wochen hat der Rentner dem Amt Südtondern die Immobilie als Wohnraum angeboten. Die Räume seien schon besichtigt worden, der erste Eindruck sei gut gewesen, sagt Müller. Jetzt hofft der Hausbesitzer, dass das Amt die geräumige Immobile als Dauerwohnraum anmietet.

Der Pensionär ist nicht der Einzige, der Wohnraum für Asylsuchende bereitstellen will. In den letzten Monaten haben sich zahlreiche Südtonderaner für diesen Schritt entschieden und das Amt kontaktiert. „Es sind derzeit 26 Personen, die in von Privatleuten angemieteten Wohnungen untergebracht sind“, rechnet Amtssprecherin Judith Horn vor. Mittlerweile kann das Amt unter vielen Wohnalternativen wählen: „Das Angebot an privatem Wohnraum ist höher als der Bedarf, sodass bei einer Änderung der Situation auch kurzfristig eine Anmietung erfolgen kann.“ Zudem habe das Amt Südtondern die Aufnahmequote, die sich nach der Einwohnerzahl richte, derzeit erfüllt. „Insofern besteht zur Zeit keine Erfordernis zur sofortigen Anmietung von weiterem Wohnraum“, so Horn.

Fakt ist, dass die zahlreiche Krisen wie der Bürgerkrieg in Syrien und dem Nordirak auch weiterhin entwurzelte Menschen nach Europa, Norddeutschland und am Ende auch nach Südtondern führen wird. So sind dem Amt im Jahr 2014 bisher 39 Personen zugewiesen worden. Im Jahr 2013 waren dies 44 und im Jahr davor 25 Personen. Die öffentlichen Stellen sind daran interessiert, die Asylsuchenden vorrangig in den zentralen Orten Leck, Niebüll und Süderlügum unterzubringen. Daneben kommen auch Orte mit einer entsprechenden Infrastruktur wie zum Beispiel Risum-Lindholm, Ladelund oder einer guten Anbindung an den ÖPNV wie Klixbüll in Frage. Anforderungen hierbei sind eine gute Erreichbarkeit von Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Kindergärten sowie Ärzten.

Ist es Menschenliebe oder Gewinnstreben, dass sich private Vermieter gerade für Asylsuchende entscheiden? Für Günther Müller ist es eine Mischung aus beidem. Nachdem er zuvor vergeblich versuchte, sein Haus zu verkaufen, lag für den pensionierten LKW-Fahrer diese Möglichkeit nahe. Auch macht Müller keinen Hehl daraus, dass ihm das Amt als verlässlicher Mieter natürlich lieb sei. „Wenn sie kommen, dann möchte ich auch, dass sich die Menschen hier sehr wohl fühlen.“ Aus diesem Grund wird er die Wohnungen teilweise möbliert und damit bezugsfertig zur Verfügung stellen.

Dass es einen Trend gebe, dem Amt ehemalige Ferienwohnungen als Asylunterkünfte anzubieten, kann Sprecherin Judith Horn nicht bestätigen. Die Zahl der Angebote von Ferienwohnungen belaufe sich auf unter zehn Prozent. „Wichtig ist der Hinweis, dass bei Anmietung von (ehemaligen) Ferienwohnungen, diese Nutzung dann vom Vermieter aufgegeben wird. Die Wohnungen werden vom Amt ausschließlich als Dauerwohnraum angemietet.“ Natürlich werden dem Amt nicht nur Wohnungen wie jetzt in Fahretoft angeboten. Aus dem Amt heißt es dazu diplomatisch: „Der Wohnraum muss den üblichen Wohnansprüchen und Standards genügen, das schaffen nicht alle Angebote.“

Günther Müller zieht es zurück nach Süddeutschland – er wird Südtondern bald verlassen. Ob er sich vorstellen könne, dass es in seiner alten Nachbarschaft wie anderorts Widerstand gegen Asylsuchende als Mieter geben könnte: „Ich vermiete an Menschen – das ist meine Entscheidung.“

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erstellt am 04.Nov.2014 | 05:00 Uhr

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