Interview : „Gemeinsam war vieles möglich“

Pastorin Philine Pawlas hat gemeinsam mit Ehemann Pastor Tim Ströver den Pfadfinderstamm des Ortes aufgebaut.
Pastorin Philine Pawlas hat gemeinsam mit Ehemann Pastor Tim Ströver den Pfadfinderstamm des Ortes aufgebaut.

Nach über zwölf Jahren verlässt Pastor Tim Ströver gemeinsam mit seiner Familie die Kirchengemeinde Risum-Lindholm.

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16. März 2018, 09:55 Uhr

Risum-Lindholm | Am Sonntag, 18. März, wird Tim Ströver, Pastor der Kirchengemeinde Risum-Lindholm, mit einem Gottesdienst offiziell von seinem Amt verabschiedet. Der Geistliche zieht mit seiner Familie nach Bargteheide und wird Pastor in der dortigen Kirchengemeinde.

Herr Ströver, wie lange waren Sie Pastor in Risum-Lindholm?

Das sind nun tatsächlich schon etwas mehr als zwölf Jahre – seit dem 1. Dezember 2005. Erst als Pastor der Kirchengemeinde Risum und dann, nach der Fusion der Kirchengemeinden Risum und Lindholm, seit August 2013 als Pastor der Kirchengemeinde Risum-Lindholm.

Wenn Sie einmal zurückblicken: Wann und warum sind Sie Pastor geworden und wie hat sich die Kirche in der Zeit verändert?

Risum war tatsächlich meine erste Pfarrstelle. Nach dem Studium in Göttingen, Kiel und Münster und dem Vikariat in Kiel kam ich am 1. Dezember 2005 nach Risum-Lindholm. Dazu gebracht haben mich damals der Oberstufenleiter meiner Schule und die zwei Pastoren in meinem Heimatort. Ich hätte damals fast Biologie studiert – Zoologie war mein großes Steckenpferd – aber das praktische Berufsfeld war schließlich entscheidend und mein Glaube gehört seit meiner Kindheit zu mir. Ob „Kirche“ sich verändert hat? Die Anforderungen an uns Pastorinnen und Pastoren und auch das Verhältnis und Verhalten der Menschen zur Kirche, das hat sich gewandelt und tut es noch.

Was nehmen Sie von Ihrer Zeit hier mit?

Erfahrungen, Erinnerungen und Begegnungen.

Welche Projekte waren für Sie am wichtigsten?

Die Fusion der beiden Kirchengemeinden war sicherlich „das größte Projekt“ der letzten Jahre, in das viel Zeit und Nerven geflossen sind, das aber schließlich wirklich gelungen ist. Dann natürlich die Innensanierung der Risumer Kirche, die ich maßgeblich mitgestalten durfte, und an der ich mich immer wieder erfreue. Und auch die jährlichen Kunstausstellungen in Vorbereitung und Durchführung.

Was war Ihr schönstes Erlebnis hier?

Das zehnjährige Jubiläum unseres Pfadfinderstammes, den meine Frau Philine Pawlas und ich im Februar 2006 gegründet haben. Zu sehen, wie dieser Stamm, wie diese Arbeit gewachsen ist, was nach zehn Jahren daraus geworden ist; zu sehen, wie viele Menschen am Jubiläumstag da waren und Anteil genommen haben und was für eine Außenwirkung diese Arbeit hat, das war unglaublich gut und wohltuend. Und viele Menschen wieder zu sehen, die Wegbegleiter dieser Arbeit waren, „alte“ Mitarbeiter und befreundete „Pfadis“ aus ganz Schleswig-Holstein, das war einfach nur schön.

Gibt es auch etwas, an das sie nicht so gerne zurückdenken?

An traurige Ereignisse. Natürlich ist es ein wichtiger Teil unseres Berufes, in solchen Situationen da zu sein und zu begleiten, aber in den Jahren sind wir den Menschen im Dorf ja immer näher gekommen, sind selbst ein Teil von diesem geworden – und umso näher man den Menschen ist, desto näher kommen auch die Gefühle. Es gab schon viele traurige Momente, die ich erlebt habe, die mich selbst traurig gemacht haben.

Was werden Sie von hier vermissen?

Bewusst vermissen kann man ja eigentlich erst, wenn es nicht mehr da ist, von daher ist das jetzt noch schwierig zu sagen. Aber sicher werde ich Menschen vermissen, die mir lieb und wertvoll geworden sind in all den Jahren. Ja, und Lieblingsorte wie die Bäckerpost oder die Friesische Buchhandlung bis vor einigen Monaten.

Was würden Sie als typisch für Risum-Lindholm bezeichnen?

Zunächst Heimatverbundenheit – die starke Identifikation mit dem eigenen Dorf, den Traditionen, der Sprache. Und dann die Nachbarschaft – das Aufeinander achten und im Blick haben, das Umeinander kümmern und wissen.

Gibt es auch etwas, dass Ihnen in Ihrer Zeit hier Schwierigkeiten verursacht hat?

Hier und da manchmal der fehlende Mut, neuen Herausforderungen selbstbewusster entgegenzutreten.

Sind die Risum-Lindholmer eigentlich gute Kirchgänger?

Sagen wir mal so, die relativ hohe Kirchenmitgliedschaft lässt sich nicht unbedingt am sonntäglichen Gottesdienstbesuch ablesen. Zu den Gottesdiensten an wichtigen Lebensschwellen – zur Taufe und Trauung, zu den Ehejubiläen und Trauerfeiern – und bei besonderen Familiengottesdiensten ist die Gemeinde aber groß.

Zum Abschluss:Wofür sind Sie dankbar?

Für so viele gute Momente in den letzten zwölf Jahren, die mal groß und mal ganz klein daherkamen und allen Menschen, die mich in den Jahren durch wertschätzende, herzliche, kritische, ärgerliche, aufmunternde und aufbauende Worte und Gesten begleitet haben. Gemeinsam mit ihnen war hier vieles möglich und hat sogar Spuren hinterlassen.
 

Am Sonntag, 18. März, findet ein Gottesdienst zur Verabschiedung von Pastor Tim Ströver und seiner Familie statt. Beginn ist um 14 Uhr in der St. Sebast Kirche zu Risum, Steege 4. Im Anschluss an den Gottesdienst ist im „Eichhorns“ Zeit für Gespräche und Grußworte.

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