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Projekt gegen Essucht : Gemeinsam gegen Esstörungen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

„NoBody is perfect“: Mit Aktionswochen wollen das Diakonische Werk Südtondern sowie Unterstützer informieren und sensibilisieren

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 10:00 Uhr

Sie sind auf dem Vormarsch: Essstörungen. Ob nun Magersucht oder Essucht – die Betroffenen sind verstärkt im Kinder- und Jugendalter. „Insbesondere die Jüngeren werden immer krasser krank“, warnt Gertrud Wiedenmann, Diplom-Sozialpädagogin beim Beratung- und Behandlungszentrum für Suchtkranke in Husum. Sie arbeitet seit 27 Jahren fast ausschließlich mit essgestörten Menschen. Gemeinsam mit Mareike Borchardt, B. A. Sozialpädagogik/soziale Arbeit, und Geschäftsführerin Nicole Saballus (beide Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll, Diakonisches Werk Südtondern gGmbH), dem Gesundheitsamt des Kreises Nordfriesland und weiteren Niebüller Partnern, wie der FPS, dem Stadtmarketing, dem Kulturbüro, Ecks Kino und der Stadtbücherei, haben sie für Jugendliche Aktionswochen gegen Ess-Störungen initiiert. Unter dem Titel „NoBody is perfect“ bieten sie, teilweise parallel, teilweise ergänzend mit Husum, eine Reihe von Veranstaltungen.

Das Fatale: Essstörungen finden im Verborgenen statt. „Die Essgestörten sind mehr eine stille Gruppe von Patienten“, sagt Gertrud Wiedenmann: leistungsorientiert, erfolgreich, ehrgeizig. Der Perfektionsanspruch sei die Ursache für ihre Probleme. „Viele junge Menschen haben Terminkalender wie Topmanager.“ Auffällig: Zu dünn sei ein Problem der bildungsbürgerlichen, zu dick ein Problem der bildungsfernen Schicht. Gertrud Wiedenmann: „Ich hasse diese Formulierung, aber es ist leider so.“ Sie stellt aber auch klar: „Nicht jeder dicke Mensch leidet auch unter Essstörungen.“ Essstörungen seien unkontrolliert, ein Suchtproblem. „Betroffene erleben sich auch als süchtig.“

Zum Programm der Aktionswochen: Kernstück bildet das interaktive Ausstellungprojekt zur Prävention von Ess-Störungen „Der Klang meines Körpers“, gemeinsam erstellt von der Werkstatt „Lebenshunger“ in Nordrhein-Westfalen mit betroffenen, essgestörten Jugendlichen. Sie berichten über ihre Erfahrungen. Eine Veranstaltung, die, begleitet von Bilder und Musik, starke Emotionen weckt. Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen können sie vom 17. bis 21. November in der Friedrich-Paulsen-Schule besuchen. Dieser Teil ist nicht öffentlich.

Eine öffentliche Führung für Interessierte und Neugierige ist für Donnerstag, 20. November, ab 18 Uhr, vorgesehen. Der Eintritt ist frei, Anmeldungen werden erbeten unter der Telefonnummer 04661/96590 (Diakonisches Werk Südtondern). Zusätzlich wird es am Donnerstag, 6. November, für alle eine multimediale Lesung unter dem Titel „Nimmersatt und Hungermatt“ von der Autorin und Filmemacherin Marina Jenkner geben. Die Uhrzeiten: 8.30 und 11.30 Uhr in der Friedrich-Paulsen-Schule Niebüll. Auch hierfür wird um Anmeldung unter der zuvor genannten Telefonnummer gebeten. Das Kinocenter Niebüll zeigt, ebenfalls am Donnerstag, 20. November, zu den üblichen Eintrittspreisen den Film „Die dünnen Mädchen“ von Maria Theresa Camoglio. Das BBZ wird zusätzlich mit einem Infostand vor Ort präsent sein.

Eine Idee sei, ein bis zwei Mal im Jahr einen Runden Tisch zu organisieren, sagt Gertrud Wiedenmann. Es gehe darum, die ambulante Hilfe auszubauen, einen Weg zu suchen, das Problem in den Fokus des Interesses zu rücken, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Und das schnell. „Unser Ansinnen ist es, die Kinder und Jugendlichen möglichst früh zu erreichen. Sind sie erst einmal drei oder vier Jahre lang betroffen, ist es nur sehr schwer, sie da wieder heraus zu holen.“

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