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Bürgerversammlung : Gemeinde schiebt Windpark-Bau auf

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Auf einer Bürgerversammlung in Emmelsbüll-Horsbüll stimmte die Mehrheit der Anwesenden für die Errichtung des Windparks Diedersbüll

In der Gemeinde bietet sich die Möglichkeit, nach dem Bürgerwindpark Wrewelsbüll, einen weiteren Windpark mit hundertprozentiger Beteiligung von Bürgern aus der Gemeinde und den benachbarten Nordgemeinden zu errichten. Diese Chance ergibt sich aus einer Teilfortschreibung des Regionalplans V aus dem Jahre 2012, die die Windeignungsfläche Diedersbüll ausweist, ein landwirtschaftlich genutztes Areal nördlich der Emmelsbüller Ortslage.

Ob es zu einem neuen Windpark kommt, ist noch ungewiss. Doch wollten Bürgermeister Walter Sieger und seine Gemeindevertretung vorab schon mal ausloten, wie die Meinung „im Dorf“ ist und hatten zu einer Einwohnerversammlung in den Gasthof Südwesthörn eingeladen. 60 Bürger kamen – und lieferten sich lebhafte Wortgefechte.

Vorab informierten Windkraftexperten über die über Details und politische Rahmenbedingungen. Hans-Detlef Feddersen, Mitgeschäftsführer der „ee-Nord GmbH“ (Lübke-Koog) empfahl, die in Kürze bevorstehende Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) abzuwarten und mögliche gravierende Neuerungen ins planerische Kalkül einzubeziehen. Eine der Neuerungen sei die Liberalisierung der Ausschreibung ab 2017, nach der große Konzerne europaweit in ausgewiesenen Windeignungsräumen aktiv werden könnten – und zwar dann auch in einem Gebiet wie Diedersbüll und ohne Bürgerbeteiligung.

Diese „Bedrohung“ allein würde bereits ausreichen, die Windmüller vor Ort zum Handeln zu veranlassen, meinte Wolfgang Stapelfeldt, Geschäftsführer des Bürgerwindparks Emmelsbüll-Horsbüll. Diesem Argument fügte er die Chance zu Wertschöpfung und einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation für die Bürger und die Gemeinde hinzu. Nach den Worten Stapelfeldts böte ein „Bürgerwindpark Diedersbüll“ auf der 21 Hektar großen Fläche Platz für drei Windkraftanlagen der Drei-MW-Klasse mit einer Gesamthöhe von 150 Metern. Stapelfeldt stellte klar, dass es bisher keine Planung gibt. Diese würde nur dann in Gang gebracht, wenn es auch der Wille der Gemeinde und ihrer Bürger sei. „Es geht uns heute in der Tat auch nur um ein Meinungsbild“, bestätigte Bürgermeister Sieger. Mit diesem Windpark bliebe „alles im Dorf“, womit Stapelfeldt auf die „gleichen Rechte für alle“, Beteiligungsmöglichkeiten auch für Neubürger, das Einhalten notwendiger Parameter und staatlicher Auflagen und auch auf die Berücksichtigung der Sorgen Betroffener antippte. „Wir würden den Windpark so bauen, dass alle im Dorf ‚gut von‘ haben.“

Danach hieß es Feuer frei für Wortbeiträge aus der Gemeinde. Hier einige Beispiele: Gemeindevertreterin Ute Adanou wies auf eine Anti-Unterschriftenliste mit 130 Namen hin, die ihre Kollegin Helga Christiansen als „nicht mehr aktuell“ anzweifelte. Bernd Böge meldete mit den Worten, er sei 1993 noch Gegner der Windkraft gewesen – doch heute Windmüller. Günter Zachariasen: „Ich bin gegen jede Windmühle.“ Carl-Martin Matzen übte Kritik an denen, die sagen: „Ich bin für die Nutzung der Windenergie – aber bitte nicht vor meiner Haustür.“ Bemängelt und bedauert wurde die visuelle Veränderung des Landschaftsbildes, als notwendig bezeichnet das Opfer, das der Energiewende gebracht werden müsse – und willkommen schließlich, die Gelegenheit, Geld zu verdienen – Geld aus der Gewerbesteuer, die auch eine nicht gerade gut betuchte Gemeinde gut gebrauchen kann. „Lasst uns den Windpark bauen“, skandierte eine Stimme aus dem Hintergrund.

Bürgermeister Sieger lud zu einer Probeabstimmung ein, die dieses Meinungsbild ergab. Von den 60 Besuchen votierten 52 (oder 87 Prozent) für einen Windpark Diedersbüll und drei dagegen. Fünf Bürger enthielten sich der Stimme. Nach den Worten des Bürgermeisters soll vorerst noch nichts passieren sondern abgewartet werden, was die Novellierung des EEG von 2012 bringt. „Dann werden wir weiter sehen.“


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