Erfolgreich : Geldgier, Geiz und Schürzenjäger

In Aktion: Don Juan (gespielt von Jan Pörksen).
In Aktion: Don Juan (gespielt von Jan Pörksen).

Bühne frei für die Oberstufen-Theater AG der Friedrich-Paulsen-Schule: Stücke von Jean-Baptiste Molière bescherten einen turbulenten Abend

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11. Juni 2014, 13:00 Uhr

Als das sonnige Pfingsten bereits in den letzten Zügen lag, kam es noch einmal heiter „von oben“ herunter. Dieses Mal von der Bühne der FPS-Mensa – und zwar prickelnd, herzerfrischend, amüsant, unterhaltsam und bisweilen frech. Schüler der Oberstufen-Theater-AG hatten mit ihren Lehrerinnen Anja Kretschmann, Doreen Frank und Ulrike Ackermann Jean-Baptiste Molière auf ihr Programm gesetzt und vier seiner 32 Stücke in Szene gesetzt. Und das auch noch anders als auf den Bühnen der Welt üblich, jedoch originell unter dem Titel „Don Juan andere Phänomene“. Die drei anderen Titel aus Molieres klassischer Komödienkiste handelten vom „eingebildeten Kranken“, einem (ausnahmsweise weiblichen) Geizkragen und einem trotteligen Bourgois mit Namen Erwin Lindemann, der es gerne „etwas adeliger“ hätte, jedoch nichts mit Loriots gleichnamigen Lottogewinner zu tun hatte.

Vier waschechte Knüller wurden es, wie sich im Laufe eines turbulenten Abends zeigen sollte. Und es wurde eine Art Szenenhopping mit immer wieder unterbrochenen Handlungssträngen. Zunächst ein wenig verwirrend, dann jedoch schnell wieder auf dem Weg zum jeweiligen Schauplatz, wie ihn Prof. Dr. Dr. Dyke Johannsen (Freie Uni NF) in seiner anthropologischen Vorlesung erläutert und angemerkt hatte, es gehe hier um Menschen im Wandel der Zeit. Doch wie sich aus Wort und Spiel und intellektueller Schärfe des Herrn Professor ergab, haben sich Eigenheiten und Schrullen der Menschen nur wenig verändert.

Den eingebildeten Kranken namens Argan erlebte das Publikum in Moliéres Originalsprache – und als einen Hypochonder, der seine Krankheit geradezu liebt und sich absurde und teure Therapien leistet. Um ihn herum wartet seine „mitleidende“ Familie auf seinen Tod, um endlich an sein Geld zu kommen.

Die anderen drei Geschichten nähern sich in der Sprache stark der Gegenwart und nehmen menschliche Eigenschaften auf die Schippe, denen auch heute tagein tagaus zu begegnen ist: Geldgier und Geiz, Schürzenjägerei und die Sehnsucht nach Prominenz.

Da ist zunächst Professor Johannsen, der auch in die Rolle des Don Juan schlüpft, um ein Mädchenherz nach dem anderen zu brechen und am Ende für seine Arroganz („Die Frauen haben ein Recht darauf, mich zu begehren“) nach „Weiber-Art“ bestraft wird. Herr Lindemann indes tut alles, um ein Edelmann zu werden. Doch an der Sprache, wie sie der Adel auf der Zunge hat, hapert es bei ihm. Da versagen bei ihm auch die Künste teuer bezahlter Sprachlehrer. Die stimmgewaltige Babix ist in die Rolle des Geizkragens geschlüpft, liebt ihr Geld über alles in der (Steinzeit-) Welt und versucht sogar, aus den Heiratsabsichten ihrer Kinder „Kohle“ zu machen. Fast bricht für sie die Welt zusammen, als ihre Geldschatulle gestohlen scheint. Dieselbe ist sogleich wieder heil und in Ordnung, als ihre Schatulle wieder auftaucht.

Ganz in Ordnung und hochverdient war auch der Applaus, der die vortreffliche Leistung der jungen Gymnasiasten belohnte.


In den Hauptrollen Jan Pörksen (als Professor Dr. Johannsen und als Don Juan), André Petersen (in „Der Bürger als Edelman“ als Erwin Lindemann), Antje Tieze (als die geizige „Babix“) und Julian von Possel (als „eingebildeter Kranker). Insgesamt spielten 29 Schüler und Schülerinen mit. Dramaturgie und Regie Anja Kretschmann, Doreen Frank, Ulrike Ackermann. Technik Momme Ritthoff und Pia Zumholz.

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