Top-Regional : Gekommen, um zu sparen

Süßigkeiten sind beliebt bei den Dänen, sagt Heinz Drewniok Geschäftsführer des Zentral-Marktes in Süderlügum.

Süßigkeiten sind beliebt bei den Dänen, sagt Heinz Drewniok Geschäftsführer des Zentral-Marktes in Süderlügum.

Der Grenzhandel mit Dänemark sorgt für volle Gemeindekassen in Süderlügum. Hälfte der Kunden in Supermärkten sind Dänen.

shz.de von
07. Juni 2018, 03:00 Uhr

Süderlügum | Wer sonntags spontan Eier für einen Kuchen besorgen möchte oder an einem warmen Abend kurzfristig Würstchen und Bier für eine Grillparty braucht, der kann das in Süderlügum ohne lange geplante Einkaufs-Orgien tun. An sieben Tagen in der Woche haben einige Supermärkte hier geöffnet – das ganze Jahr über. Möglich macht das ein Gesetz für die Ladenöffnungszeiten des Landes Schleswig-Holstein: Im Gebiet das „unmittelbar an die Grenze zum Königreich Dänemark anschließt“ dürfen die Läden das ganze Jahr auch an Sonn- und Feiertagen öffnen, damit Reisende einkaufen können.

Rund die Hälfte der Autos, die auf dem Parkplatz vor dem Zentral-Markt (Edeka) in der Westerstraße, rund drei Kilometer von der Grenze entfernt, parken sind dänisch. Die Kunden aus dem Nachbarland sind hier, um Geld zu sparen. Rund 90 Kilometer sind Anders (50) und Glarbo Rikke (42) für ihren Einkauf gefahren. Palettenweise Cola und Bier sowie viele Beutel tiefgekühlte Pommes laden sie in ihren Wagen. Für das Paar aus Esbjerg lohnt sich der wöchentliche Ausflug nach Süderlügum, denn sie zahlen dabei rund ein Drittel weniger als zu Hause, sagen sie. „Wir schauen online nach den besten Angeboten und fahren dann die Supermärkte ab“, sagt Anders, während er die Klappe über dem prall gefüllten Kofferraum schließt.

Martin Bielfeldt (66)
Martin Bielfeldt (66)
 

In Dänemark werden Lebensmittel drei Mal so hoch besteuert wie bei uns. Diesen Steuer-Vorteil nutzt auch Martin Bielfeldt (Foto rechts) aus Ballum, der seine Vorräte für die Woche stets in Süderlügum besorgt, bezahlen kann er bequem mit Dänischen Kronen. „Besonders Fleisch ist hier viel billiger“, sagt der 66-Jährige.

Das bestätigt auch Heinz Drewniok, Geschäftsführer des Zentral-Marktes. „Der Schwerpunkt liegt heute auf den sogenannten Nährmitteln zu denen auch Fleisch gehört.“ Doch besonders Süßigkeiten seien bei den Kunden, zu denen neben deutschen und dänischen Stammeinkäufern auch Urlauber zählen, beliebt. „Im Sommer gehen eher Weingummi-Waren, im Herbst dann Schokolade“, sagt Drewniok.

Das war früher anders: Als der Supermarkt 1977 eröffnete, kamen die Dänen in Bussen nur für Bier, Schnaps und Tabak nach Süderlügum. Inzwischen werden alle Lebensmittel gekauft, die meisten Kunden fahren mit dem eigenen Auto über die Grenze. „So hat sich das Geschäft brutal verändert – der Markt ist explodiert“, sagt der Einzelhandelskaufmann. Die Zahl seiner Mitarbeiter konnte der Inhaber in den letzten zehn Jahren verdoppeln.

Auch ist die Zahl der Supermärkte im Ort ist rasant gestiegen – hinzu kommen Apotheken, Werkstätten, Restaurants, Friseure, Bäcker sowie Ärzte, die ebenfalls vom Geschäft mit den Dänen profitieren. Rund eine Million Euro spült der Grenzhandel jährlich in die Gemeindekasse, vermutet Bürgermeister Christian Magnus Petersen.

Dieser Boom wirkt sich auf die Lebensqualität in dem nordfriesischen Dorf aus, das früher von der Landwirtschaft geprägt war und in dem jetzt der Grenzhandel in den Vordergrund gerückt ist. Von den Angeboten, die für die dänischen (Tages-)Gäste eröffnet werden, profitieren die Süderlügumer und die Menschen aus den angrenzenden Gemeinden. Die gute Infrastruktur und die damit verbundenen Arbeitsplätze sorgen dafür, dass viele in den Ort ziehen wollen. Der Vorsitzende des HGV Süderlügum-Humptrup, Hauke Hinrichsen, ist begeistert: „Das ist ein Schlaraffenland mit all den Angeboten und langen Öffnungszeiten.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen