Klassische Musik : Geistige Musik: Con Spirito in Niebüll

Das Bläserensemble spielte unter der Leitung von Hans-Werner Jürgensen in der Niebüller Christuskirche und erntete viel Applaus

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17. Juni 2014, 10:02 Uhr

Mit einer fröhlichen „Fanfare für Orgel“ von Jacques Lemmens (1823 - 1881) eröffnete Hans-Werner Jürgensen in der Niebüller Christuskirche das jüngste Konzert des von ihm geleiteten Bläserensembles „Con Spirito“. Dabei imitierte die Orgel mit vollem Werk die Klänge einer doppelchorigen Blechbläsergruppe der Art, wie sie anschließend im Altarraum musizierte. Kirsten Mielke, Wolfgang Lodwig und Christian Jürgensen spielten Trompeten, letzterer zuweilen auch Flügel oder (wie Ulrike Jürgensen) Tenorhorn, während Hans-Werner Jürgensen für den Bass verantwortlich zeichnete. Dabei setzte er im Wechsel seine Zugposaune oder Tuba ein. Der Zusammenstellung des abwechslungsreichen Programms war anzumerken, dass die Mitglieder des wohltuend sauber intonierenden Ensembles in der Arbeit der Evangelischen Posaunenmission eng verwurzelt sind, wenngleich ihre künstlerischen Ansprüche über die eines normalen Posaunenchores deutlich hinausgehen.

Der von Hans-Werner Jürgensen bei seiner Begrüßung des Publikums geäußerte Wunsch, es möge „eine schöne Stunde“ erleben, sollte vollauf in Erfüllung gehen. Als erster Chorbeitrag erklang eine frühbarocke „Sonata“ von Giovanni B. Buonamente, bei der sich zwei Klangregister ständig einander ablösten: die schlanke, von den Trompeten und der Posaune geprägte „Trombabesetzung“ und der weiche Sound der von der Tuba unterstützten Hörner. Die nachfolgende „Fuga in d“ von Gottfried Reiche stellte ein Hörbeispiel für die Musik dar, wie sie einst von den in Zünften organisierten „Stadtpfeifern“ gepflegt wurde. Der triumphal ertönenden, als Kontrast durch ein „Air“ ergänzten „Trumpet Tune“ von Henra Purcel folgte ein „Rondo“ aus dem Drama „Abdelazar“ vom selben Komponisten. Das spannungsreiche Thema der Komposition ist allgemein besser bekannt aus einer Verarbeitung durch Benjamin Britten in seinem „Young person´s guide to the orchestra“.

Hochromantisch und entsprechend gefühlvoll ging es zu beim „Ave verum corpus“ von Edward Elgar und der „Londonderry Air“ von Dieter Wendel. Die Canzone Nr. 2 und 3 von Giovanni Gabrieli begeisterten durch die klare Führung der kunstvoll miteinander verwobenen Stimmen. Für Abwechslung im Klang sorgte die „Sonata in G“ für Altflöte und Orgel, von Andrew Parcham, bei der Ulrike Jürgensen als virtuose Altblockflötistin Werbung für ihr klangschönes Instrument betrieb und Hans-Werner Jürgensen sie sehr dezent begleitete. Umso mehr legte er sich als Orgelsolist bei der hinreichend bekannten „Toccata und Fuge d-moll“ (BWV 565) von J.S. Bach, einem Paradestück vieler Konzertorganisten, ins Zeug. Ihm gelang eine sehr überzeugende Interpretation des anspruchsvollen Werkes. Die weichen Klänge eines „Adagietto“ von Jacob der Haan (1959) standen in scharfem Kontrast zu dem an den Jazz angelehnten Titel „Today, tomorrow“ und dem mitreißend arrangierten Gospel „When Israel was in Egypt`s land“. Nach dem einfühlsam bearbeiteten Lied „Bist du bei mir“ aus J.S. Bachs „Notenbuch für Anna Magdalena Bach“ und dem schlichten Choralsatz „Es ist genug“ wurde abschließend auch das Publikum aktiv in das musikalische Geschehen einbezogen. Es durfte zu der von Traugott Fünfgeld verfassten, gottesdiensttauglichen Bearbeitung des Abendliedes „Mein schönste Zier“ den gesungenen Text der Strophen beisteuern und tat dies mit erstaunlicher Stimmgewalt. Aufgrund des lange anhaltenden Schlussapplauses wartete der Bläserchor noch mit einer Zugabe auf.

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