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Langenberger Forst Leck : Geheimnisvolle Zeichen im Wald

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Bei Arbeiten im Langenberger Forst wurden Steinmännchen und -pyramiden entdeckt – wer die Künstler sind, ist für Förster Jörn Frank ein Rätsel.

Wer im Langenberger Forst spazieren geht, sollte seine Augen offen halten: Auf Baumstümpfen, Grenzsteinen, Holzpoltern, auf alten Zaunpfählen oder einfach auf dem Boden türmen sich kleine Steine. Eine Laune der Natur sind die Steingebilde nicht, Menschenhand ist im Spiel bei diesen Steinmännchen und Steinpyramiden. Die Fragen nach dem „Warum“ und „Wieso“ werden wohl unbeantwortet bleiben.

Erst nach dem Wegebau im September vorigen Jahres hat das „Spiel mit den Steinen“ im Langenberger Forst angefangen. Bei dieser Maßnahme wurden die Seitenstreifen der Wege aufgeräumt, humoses Material entfernt und mit Naturmaterial wieder aufgefüllt. Steine wurden sichtbar. Das scheint die „Erbauer“ motiviert zu haben. Vielleicht erst einen, der später mehr Nachahmer inspiriert hat. Jedenfalls hat Förster Jörn Frank die Steingebilde erst nach dem Wegebau entdeckt. Manches Mal ragen die aufeinander geschichteten Steine nur wenige Zentimeter über den Boden, an anderen Stellen strecken sich die Steintürme über einen halben Meter in die Höhe. Bei der einfachen Variante sitzt nur ein Stein auf dem anderen, dann wiederum balancieren bis zu sieben, acht Steine übereinander. „Ich finde solche Sachen schön“, überlegt der Förster und: „Derjenige, der das macht, arbeitet konzentriert, schafft Gleichgewicht und hält Balance. Konzentration, Geduld, Ruhe und Zeit muss man schon aufbringen beim Aufstellen – vielleicht hilft auch ein wenig dabei der Wald.“

Ob auf dem Mittelweg, dem Rantzauhöhenweg, Godbersenweg oder Ochsenweg – überall sind die Männchen oder Stapel aus Stein zu finden. Viele neue Gebilde gesellen sich hinzu, andere verschwinden wieder. Wer die Künstler sind, bleibt für Jörn Frank ein Rätsel: „Ich habe niemanden bei der ,Tat‘ gesehen.“

Der Förster vermutet, dass die kleinen Kunstwerke für einige Spaziergänger Spielerei sein mögen in Anlehnung oder Kopie der Steintürmchen auf dem Jakobsweg. Dort sollen die gestapelten Steine Glücksbringer auf dem schweren, langen Weg darstellen. „Das passt auch zum vom Orkan ,Christian‘ gebeutelten Langenberg“, sagt der Förster, denn: „Die Sturmflächen des Waldes können auf dem schweren und längeren Weg zu einem wieder standsicheren Wald Glücksbringer gebrauchen.“

Nun ist das Stapeln von Steinen nichts Neues. Laut „Wikipedia“ wurde das als archaische Form des Wegzeichens benutzt, um in unwegsamem und unübersichtlichem Gelände die Orientierung zu erleichtern. Im schottischen Hochland beispielsweise messen diese Steintürme teilweise weit über einen Meter und sind eine gute Hilfe insbesondere in der winterlichen Schneelandschaft. Die Steinstapel sind oder waren in allen besiedelten Gebieten der Erde verbreitet. In verschiedenen Kulturen haben diese steinigen Gebilde auch eine religiöse Bedeutung. Zum Beispiel in Tibet: Durch mit weißer Farbe bestrichenen „Steinmännchen“ bitten Gläubige gute Geister zum Verweilen. Rot angestrichene sollen zornige Geister anziehen.

Wie dem auch sei, im Naherholungsgebiet Langenberg versprechen die Balance-Kunstwerke sicher nur Erfreuliches. Es sei denn, die Steintürmchen befinden sich auf gestapeltem Holz. Dort können sie gar Unheil anrichten, wie Jörn Frank erklärt: „Die Greifer eines Lkw packen immer eine Handvoll Holzstücke gleichzeitig. Steine werden so mitverladen und können bei der Fahrt herunterfallen. Das ist eine gefährliche Unfallquelle.“ Deshalb bittet er die „Steinerbauer“, die Holzpolter nicht als Unterlage zu benutzen.


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erstellt am 04.Apr.2016 | 05:00 Uhr

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