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Nordfriesland Tageblatt

18. August 2017 | 19:09 Uhr

Bundeswehr : Gefechtspause mit Bürgermeister

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jung-Soldaten des Bataillons Elektronische Kampfführung 911 trainieren erstmals im Feldlager und bekommen Besuch von Andreas Deidert.

Ihre Gesichter sind kaum zu erkennen. Die grüne und schwarze Farbe verwischt die Konturen. Sie tragen Flecktarn, und ihr Sturmgewehr ist immer am Mann. Die Rekruten des Bataillons elektronische Kampfführung 911 haben Anfang Januar freiwillig ihren Dienst bei der Bundeswehr angetreten. Jetzt, bei ihrem ersten Biwak und wenige Tage vor ihrem Gelöbnis, wirkt es so, als seien sie nicht erst Wochen, sondern bereits Jahre dabei.

Die 29 Soldaten sind mit ihren Ausbildern in den zwölf Kilometer entfernten Wald in Lütjenholm marschiert. Geführt werden sie von Zugführer Oberleutnant Rainer P.. Sein Nachname darf zum Schutz seiner Person nicht genannt werden. Die Rekruten haben den Auftrag, über drei Tage ihr Lager zu schützen und werden die gelernten Grundlagen ihres Berufs in der Gefechtssituation erproben.

Sie sind als UN-Friedenstruppe im fiktiven Einsatz: Südland hat die Vereinigten Nationen um Hilfe gebeten, da es einen Angriff von Nordland befürchtet. Südland ist ein demokratischer Staat mit vielen Bodenschätzen. Sein Nachbarland dagegen wird autokratisch regiert. Dort herrschten viele Bürgerkriege, die Armee ist entsprechend kampferfahren. Jetzt will Nordland an die Ressourcen des Südlandes gelangen. Die UN-Friedenstruppe hat zunächst den Auftrag, das Hinterland zu sichern und Spionageakte der Nordländer zu verhindern. Das ist das Szenario, in dem sie ihr Feldlager, das sogenannte Biwak, aufgeschlagen haben

Geschlafen wird dabei im Zweimann-Zelt, obwohl der Begriff Zelt hier eine Übertreibung ist. Der Unterstand besteht aus einem einfachen Holzgestell und zwei „Zeltbahnen“, die zusammengeknöpft werden. Jeder Rekrut trägt eine Bahn bei sich. Die Planen sind wasserdicht und haben die Form eines Rechtecks mit dreieckigen Flügeln. Zum Zeltboden werden Stroh und Isomatte. „Darin lässt es sich mit dem Schlafsack gut schlafen, gerade jetzt, wo der Waldboden nicht gefroren und damit weicher ist“, weiß Oberleutnant Rainer P. aus eigener Erfahrung.

Doch ein klein wenig Luxus bietet das Biwak im Wald: Das Essen wird ihnen geliefert. „Heute habe ich etwas von Lasagne gehört.“ Und es gibt Dixi-Klos. Der Platz wird häufig für diese Übungen genutzt, da ist das praktisch und hygienischer. „Wir wollen sorglos eine Schützengrube ausheben können – ohne auf Hinterlassenschaften zu stoßen“, schildert der Zugführer.

Um sich bei winterlichen Temperaturen warmzuhalten, machen die Soldaten ein Lagerfeuer in einem Loch, so ist das Feuer nicht aus weiter Ferne zu sehen. Auch ihre Ausrüstung schützt gegen die Kälte. „Die Kleidung folgt dem Zwiebelprinzip.“ Für Minusgrade haben sie den Kälteschutz im Gepäck. Das ist eine Kombination aus einem langärmligen Oberteil und einer Hose mit dickem Steppfutter zum Unterziehen.

„Und das hier ist der beste Weg, sich warmzuhalten“, sagt der Oberleutnant verschmitzt lächelnd und zeigt auf drei Rekruten, die mit kleinen Klappspaten einen Graben ins Erdreich schaufeln, so breit, dass zwei Personen bequem nebeneinander stehen können. „Das muss am Ende so tief sein, dass es ihnen bis zur Brust geht. Zusammen mit den Sandsäcken bietet das guten Schutz vor Angreifern“, erklärt der Zugführer. Die jungen Soldaten bauen den Alarmposten. Dort sind rund um die Uhr Soldaten und überwachen die nähere Umgebung.

Wenige Meter weiter liegt ein Rekrut mit der Waffe im Anschlag auf dem feuchten Waldboden. Neben ihm sein Gruppenführer, hinter ihm stehen sechs Kameraden. „Achten Sie darauf, dass das Magazin nicht auf den Boden kommt“, sagt der Oberfeldwebel. „Jawohl“, antwortet der junge Mann. Auch das hat er in der Grundausbildung gelernt. Der Rekrut ist dabei, den richtigen Platz für die Schützenmulde zu finden. Er muss den gesamten Bereich, teils Feld und teils Wald, vor sich im Blick haben und im Notfall mit einem Geschoss treffen.

Plötzlich passt etwas nicht ins Bild. Ein Mann in schwarzer Jacke nähert sich von Süden ihrem Lager. Ist es ein befreundeter Südländer? Fast. Es ist Lecks Bürgermeister Andreas Deidert. Er besucht das Biwak, um sich ein Bild von der Ausbildung der Soldaten zu machen. Der Kommandeur des Bataillons, Fregattenkapitän Kassian Meesenburg, begleitet ihn. Die Gruppenführer geben den Rekruten den Befehl anzutreten.

„Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie sich entschieden haben zu dienen“, beginnt Deidert seine Ansprache. Der Bürgermeister weiß, wie sich das Soldat-Sein anfühlt. „Formaljuristisch bin ich Soldat. Ich erinnere mich noch gut, wie das Biwak war.“ Er habe sehr positive Erinnerungen an das Lager im Wald. Es habe ihn sehr geprägt und gerade der wachsende Teamgeist sei großartig. Der Oberleutnant P. führt seinen Kommandeur und Deidert durch das Biwak. „Wir verlegen am besten zu Gruppe zwei“, sagt er und greift unbewusst zum Bundeswehr-Vokabular. Doch das ist kein Problem, Lecks Bürgermeister Andreas Deidert versteht diese Ausdrucksweise.


800 Rekruten aus ganz Norddeutschland sprechen ihr Gelöbnis am Donnerstag, 16. Februar, um 16.30 Uhr im Nordfrieslandstadion in Leck.

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erstellt am 08.Feb.2017 | 05:20 Uhr

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