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Wildunfälle in Südtondern : Gefährlicher Wildwechsel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Jochen Muxfeldt, Vorsitzender der Kreisjägerschaft in Nordfriesland, warnt Autofahrer vor Ausweichmanövern

Mit Herbstbeginn müssen Autofahrer wieder verstärkt mit Wildwechsel rechnen – vor allem, aber nicht nur zu Zeiten der Dämmerung. „Wenn die Felder abgeerntet werden, fehlt den Tieren die Deckung und sie ziehen nervös umher“, ist die Erfahrung von Jochen Muxfeldt, Hegeringsleiter Stadum und Vorsitzender der Kreisjägerschaft in Nordfriesland. Am gefährlichsten sind dabei natürlich Straßen, die bereits mit Wildwechselschildern gekennzeichnet wurden. „Wenn ein Tier die Straße überkreuzt, sind andere meist nicht weit“, so Muxfeldt. Da heißt es, besonders vorsichtig weiter zu fahren. Die Tiere haben zwar Angst vor Menschen, jedoch nicht vor Autos, erklärt der Fachmann. Deswegen bleiben beispielsweise Rehe aus Neugier oft auf der Straße stehen und schauen in die Autoscheinwerfer. In solch einem Fall ist es am ratsamsten, Fernlicht auszuschalten und zu hupen, damit das Tier die Fahrbahn wieder verlässt. Eine Chance, Unfälle zu vermeiden, ist natürlich die Herabsetzung der Fahrgeschwindigkeit in den gekennzeichneten Bereichen.

Im letzten Jahr kam es zu 772 Unfällen mit Beteiligung von Wild im Kreis Nordfriesland, darunter fünf in Südtondern mit leicht verletzten Personen, meldet die Polizeidirektion Flensburg. Das kann auch anders enden, weiß Jochen Muxfeldt. „Autofahrer unterschätzen oft die Gefahr, die bei einer Kollision mit einem Tier ausgeht. Schon ein Reh mit rund 20 Kilo hat bei Tempo 60 des Kraftfahrzeuges eine Aufprallwucht von knapp einer Tonne. Bei einem Wildschwein sind es dreieinhalb Tonnen und bei einem Rothirsch sogar fünf Tonnen.“ Je größer das Tier ist, desto höher liegt der Schwerpunkt des Tieres und umso größer ist somit die Gefährdung der Fahrzeuginsassen.

Für den 7300 Hektar großen Hegering Stadum, zu dem die Gemeinden Enge-Sande, Stadum, Achtrup, Sprakebüll und Lütjenhorn gehören, registrierte Muxfeldt im vergangenen Jahr alleine 54 Unfälle mit Rehwild, das den größten Tierbestand unter den Wildtieren hat. Deutschlandweit kommen über 220 000 Rehe, Hirsche und Wildschweine pro Jahr unter die Räder. Die Anbringung der sogenannten Wildreflektoren – kleiner blauer Lichtreflektoren – an den Leitplanken, zeigt zwar präventive Wirkung, hilft aber nicht überall. „Die Landesstraße von Sande nach Leck ist ein sehr gutes Beispiel“, sagt Jochen Muxfeldt. „Nach Auskunft des Pächters ereigneten sich auf dieser Straße 15 bis 17 Unfälle jährlich, bevor die blauen Spiegel angebaut wurden, im letzten Jagdjahr waren es acht Unfälle.“ Der Unfallschwerpunkt sei das Teilstück nach dem Ortsausgang Sande bis Klintum. Von Sande aus gesehen liegt links eine Grünfläche, hier wirken die Spiegel, auf der rechten Seite, wo der Wald liegt, wirken die Spiegel nicht, da hier das gespiegelte Licht nicht weit genug in das Revier abgeleitet wird.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Kreisstraße zwischen Enge und Stadum, bei der sich ähnliche Verhältnisse darstellen.

Im Oktober wird das sonst eher unauffällige Damwild aktiv, denn dann beginnt seine Brunftzeit und die Tiere ziehen in Südtondern vermehrt auch über die Straßen. Was ist also vorbeugend zu tun? „Man sollte die Kontrolle über ein Kraftfahrzeug auch bei Wildunfällen nicht verlieren, nicht ausweichen, besser eine Vollbremsung vornehmen. Ein Sicherheitsgewinn ist auf jeden Fall die rechtzeitig reduzierte Geschwindigkeit, wodurch es möglicherweise nicht zum Aufprall kommt beziehungsweise die Aufprallschäden wenigstens minimiert und das Fahrzeug vergleichsweise stabil hält“, rät die Polizei. Ist es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Unfall gekommen, ist immer die Polizei zu verständigen. Wer dies nicht tut, macht sich strafbar, unter anderem gegen das Naturschutz- oder Tierschutzgesetzt. „Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort kann als Tatbestand einschlägig sein, abhängig vom Schaden, vom Unfallhergang, vom verletzten Wild. Auch für die weiteren versicherungsrechtlichen Belange ist je nach Delikt polizeiliche Bearbeitung erforderlich“, erklärt Matthias Glamann, Pressesprecher der Polizeidirektion Flensburg. Also Unfallstelle absichern und über den Notruf die Polizei verständigen.

„Über die Polizei wird auch der zuständige Jäger informiert“, erklärt der Hegeringsleiter Stadum, „denn die Tötung eines verletzten Tieres darf nur durch eine berechtigte oder fachkundige Person durchgeführt werden. Zudem bitten wir dringend darum, sich möglichst weit von dem verletzten Tier aufzuhalten, denn mit zunehmender Nähe erhöht sich die Stresssituation der Wildtiere.

 

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