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Nordfriesland Tageblatt

18. Dezember 2017 | 08:16 Uhr

Geduldige Zuhörer am Krankenbett

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Mitglieder der ehrenamtlichen Patientenhilfe widmen sich im Klinikum Niebüll älteren, alleinstehenden und ortsfremden Patienten

von
erstellt am 28.Feb.2017 | 13:36 Uhr

Andernorts heißen sie „Pink Ladys“, „Grüne Damen“ oder „Blaue Engel“ – je nachdem, welchen Kittel sie anhaben. Im Klinikum Niebüll sind sie an ihren Fischerhemden zu erkennen – die Männer und Frauen der ehrenamtlichen Patientenhilfe. „Uns gibt es seit Mai 2004“, sagt der Leiter der Patientenhilfe Niebüll und frühere Lehrer Werner Preuß aus Bosbüll, der in dieser Aufgabe von Anne Bünger unterstützt wird. Der Mannschaft am Klinikum Niebüll gehören 15 Helfer an. In der Bundesrepublik gibt es die ehrenamtliche Patientenhilfe an 600 Krankenhäusern mit insgesamt 11  000 Engagierten, die unentgeltlich tätig sind.

Seit ihrer Gründung hat die Helfergruppe annähernd 4000 Stunden ehrenamtlichen Dienst verrichtet, davon über 3500 Stunden am Krankenbett auf den Stationen 1 bis 4, 155 Info-Treffen und Fahrten mit dem privaten Pkw mitgerechnet. Die Patienten werden jeweils am Mittwoch besucht. Die Besuche dauern zwischen 45 Minuten und drei Stunden. Das Klinikum stellt den ehrenamtlichen Helfern einen Parkplatz zur Verfügung. Außerdem sind die Damen und Herren versichert. Die Patientenhilfe ist zwar eine eigenständige Gruppe, wird aber bei Bedarf vom Klinikum-Förderverein unterstützt.

Medizinische Behandlung und Pflege im Klinikum ist Sache der hauptamtlichen Profis. Doch für ältere, alleinstehende und ortsfremde Patienten fehlen oft ein Gesprächspartner und die persönliche Zuwendung. Ihnen wollen die Helfer den Aufenthalt im Klinikum Niebüll erleichtern. „Wir bieten ihnen organisatorische Hilfen an, wir haben Zeit und hören ihnen vor allem zu“, sagt Werner Preuß. Er fügt allerdings hinzu, dass die Ehrenamtler grundsätzlich keine pflegerischen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten übernehmen. „Wir stehen keinesfalls in Konkurrenz zu pflegerischen und anderen Berufen und sehen uns lediglich als Ergänzung und zusätzliche Hilfe für die Patienten.“

Im Laufe der Zeit sammeln sich Erfahrungen an, weiß Werner Preuß. Er und seine Mannschaft gehen ihren Dienst zwar aktiv an, sind aber im Gespräch am Krankenbett weitgehend passiv. „Der Patient soll der aktive Partner sein, soll reden, während wir uns zurück- und den Mund halten und nur aktiv zuhören“, sagt Preuß. Zuweilen kommen dabei wundersame Geschichten heraus, wenn ein Patient seine Story erzählt, Erinnerungen lebendig werden lässt und auflebt und froh ist, jemanden auf der Bettkannte sitzen zu haben, der ihm zuhört.

Doch die Kontakte, Begegnungen und Situationen wechseln. Dementsprechend erfolgt auch von Zeit zu Zeit eine Aus- und Fortbildung der Helfer. In Langenhorn geht es um demente Patienten, bei denen viel Geduld erforderlich ist. Im Hospiz erhalten die Helfer Tipps für Gespräche mit Schwerstkranken und Sterbenden. Zwischendurch wird auch die Erfahrung gemacht, dass die Nachbarschaftshilfe an Grenzen stößt – und weniger wird. Wenn der Patient von weither kommt, die Anfahrt zum Krankenhaus lang und der Kontakt zu Angehörigen auf ein Minimum reduziert ist, dann ist der Kontakt zum Helfer umso willkommener – egal ob rational oder emotional. Mit den Ärzten muss sich die Kommunikation am Krankenbett meist auf das medizinisch Notwendigste beschränken. Mit den ehrenamtlichen Helfern können die Patienten auch mal auf Friesisch oder Platt schnacken, tröstende Zuwendungen und aufmunternde Sprüche inklusive.

Werner Preuß hat auch eine Bitte. Wer möchte, darf sich dem Helferkreis der ehrenamtlichen Patientenhilfe gerne anschließen. Allerdings gibt es für diese Spende an Freizeit keine finanzielle Gegenleistung. „Es wäre schön, wenn sich uns auch junge Leute anschließen würden“, sagt Werner Preuß, der den ehrenamtlichen Dienst am Krankenbett anderer als eine Bereicherung empfindet und jedes Mal, wenn er vom Niebüller Krankenhaus nach Hause kommt, um schnell noch einen Runde mit seinem Hund zu drehen, ein gutes Gefühl hat.  





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