„Geduldig waren wir lange genug“

Gwyn Nissen, Otto Wilke, Stefan Sievers und Peter Michael Stein bei der Unterzeichnung der Dagebüller Erklärung.
Gwyn Nissen, Otto Wilke, Stefan Sievers und Peter Michael Stein bei der Unterzeichnung der Dagebüller Erklärung.

Deutsche und dänische Kreise, Kommunen und Wirtschaftsverbände fordern bessere Verkehrsverbindungen für die Westküste

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07. Mai 2015, 14:47 Uhr

Druck machen ist das, was sich die Teilnehmer des zweiten „Westdialogs“ vorgenommen haben. Mehr Druck, damit die Notwendigkeit einer verbesserten Infrastruktur in der Politik ausreichend Gehör findet. Und Druck, der letztlich dafür sorgen soll, dass sich die Westküstenregion wettbewerbsfähig zeigen kann. In Dagebüll waren sich gestern die rund 140 Anwesenden auf dem Fährschiff „Schleswig-Holstein“ im Hafen einig, dass noch mehr Aufmerksamkeit auf die weiterhin unzureichende Mobilität der Region gelenkt werden muss.

Anders als beim ersten deutsch-dänischen Westdialog, zu dem man sich im April 2012 in Tondern traf, stand diesmal der Ausbau der Verkehrswege mit Einbeziehung der Wirtschaft der Westküste Jütlands sowie Schleswig-Holsteins im Fokus. Wirtschaft, Verbände und Kommunen hatten eingeladen, um Verkehrsexperten über den aktuellen Stand der Planung berichten zu lassen und um das Thema unter der Leitung von Gwyn Nissen, Chefredakteur „Der Nordschleswiger“, in einer Podiumsdiskussion aufzugreifen.

„Geduldig waren wir lange genug“, formulierte es Laurids Rudebeck, Bürgermeister der Kommune Tondern, in Hinblick auf den schon Jahrzehnte lang dauernden Wunsch nach schnelleren Verbindungen. Er betonte, dass die Westküste zur besseren Positionierung geschlossen auftreten müsse und war sich mit Axel Meynköhn, Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum GmbH, einig: „Unser Hauptthema endet schließlich nicht an nationalen Grenzen.“

Eine verbesserte Infrastruktur sei von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung diesseits und jenseits der Grenze, hieß es unisono. Von ihr würden die 207  000 Einwohner der dänischen Kommunen Südwestjütlands genauso profitieren wie die 737  000 Einwohner der vier deutschen Kreise Nordfriesland, Dithmarschen, Pinneberg und Steinburg. Eine gute Verkehrsanbindung werde dem demografischen Wandel gerecht, schaffe Arbeitsplätze, sorge für mehr Wohlstand und schließe die Region an das europäische Umfeld an.

Der dänische Verkehrsexperte Jens Egdal stellte sich die Frage, wo entlang eine Jütlandroute verlaufen könnte und gab den Hinweis, dass der Neubau einer Autobahn genauso viel kosten würde wie der Ausbau einer bereits bestehenden. „Es gibt ein chinesisches Sprichwort“, so der Experte. „Wenn du ein reicher Mann sein willst, dann baue eine Straße.“ Als Fortschritt sehen die Dänen, dass inzwischen Trassen-Varianten im Gespräch sind. „Lange diskutierte man, ob überhaupt eine zusätzliche Verbindung entstehen soll“, so Dänemarks ehemaliger Verkehrsminister Hans Christian Schmidt. „Nun diskutiert man, wo sie langlaufen soll.“

Es dürfe nicht passieren, forderte Peter Michael Stein, Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg, dass sich durch ein In-Frage-stellen einzelner Trassen ein Gesamtprojekt verzögere. „Und den Worten sollen Taten folgen, damit wir nicht irgendwann doch müde werden.“

Dass eine Umsetzung aber länger dauern könnte, davon geht Dr. Frank Nägele aus. „Warum hört unsere Forderungen niemand?“, fragte ihn Chefredakteur Gwyn Nissen in der Diskussionsrunde. Gehört werde sie wohl, entgegnete der Staatssekretär. Es hapere jedoch an der Umsetzung. „Die Landesregierung unterstützt die Bemühungen. Es gilt, mit klugen Aktionen energisch darauf hinzuweisen, dass ein hoher Bedarf an einer besseren Infrastruktur besteht“, riet Nägele. Schleswig-Holstein gelte als Drehscheibe im europäischen Güterverkehr. Die Westküste sei jedoch eine Randregion und nicht Teil der großen Transit-Korridore. Sobald aber die A  20 umgesetzt sein, werde sich der Verkehr mehr an der Westküste orientieren und so die Region stärken. Kritisch sahen daher die Teilnehmer des Westdialogs den Vorstoß einiger Planer, eine Elbquerung östlich von Hamburg vorzuziehen. Peter Michael Stein: „Sollten sich die Befürworter der A  21 durchsetzen, dann wird von uns hier niemand die Umsetzung der Westküsten-Anbindung noch erleben.“

Um den Worten Nachdruck zu verleihen, unterschrieben am Ende der Veranstaltung 14 Vertreter (unter anderem der Kreise, Kommunen und Wirtschaftsverbände) die sogenannte Dagebüller Erklärung. Sie fordert deutsche und dänische Politiker zur zügigen Umsetzung des Verkehrsinfrastruktur-Vorhabens auf. Zur „Schaffung eines zusammenhängenden, leistungsfähigen, parallelen Verkehrsweges an der Westküste vom Norden bis zum Süden über die deutsch-dänische Grenze. Für den dänischen Teil bedeutet dies den Bau einer neuen parallelen Heerweg-Verbindung bis zur deutsch-dänischen Grenze und für den deutschen Teil den mehrstreifigen, kreuzungsfreien Ausbau der Bundesstraße 5“, heißt es in der Erklärung. Der Ausbau könne in Etappen erfolgen. Das Ziel sei eine starke, parallel zur A  7/E  45 verlaufende Verkehrsanbindung von Nordjütland an die Elbe und die weitere Anknüpfung an Europa über die A  23, A  20 bis zur Elbquerung westlich von Hamburg.

„Wir haben diese Herausforderung gemeinsam“, so Laurids Rudebeck. „Und dafür braucht es Beharrlichkeit und Einigkeit.“

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