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Nach mehr als 70 Jahren : Gedenkstein für Vermissten

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Im zweiten Weltkrieg galten viele Soldaten als verschollen – einige von ihnen stammten aus Süderlügum.

von
erstellt am 03.Mär.2016 | 00:00 Uhr

In fast allen Gemeinden erinnern Gedenksteine oder -tafeln an die gefallenen Soldaten aus den Weltkriegen. So sind auch beim Ehrenmal neben der Süderlügumer Marien-Kirche Steine für die aus dem Grenzdorf im Krieg zurückgebliebenen jungen Männer aufgestellt. Die meisten von ihnen waren gefallen, aber einige gelten auch als vermisst, da die Angehörigen nach Kriegsende kein Lebenszeichen mehr von ihnen gehört hatten. Diese wurden dann Jahre später auf Antrag der nächsten Angehörigen über das Standesamt Berlin für Tod erklärt.

Auch der 1919 geborene Ernst Truelsen galt seit 1944 in Russland als vermisst. Er soll ein begeisterter Soldat gewesen sein, denn obwohl erst von einer schweren Verwundung genesen, ging er nach einem Urlaub gleich wieder in den Nordabschnitt nach Russland an die Front. Seit den sogenannten Rückzugskämpfen dort, hatte man kein Lebenszeichen mehr von ihm gehört. Aber dessen Eltern, der Bauhandwerker Claas Truelsen und seine Ehefrau Maria, hatten die Hoffnung nie aufgegeben, dass ihr Sohn eines Tages doch zurückkehren wird. Deshalb wollten sie ihn nie für Tod erklären lassen und so wurde für Ernst Truelsen seinerzeit auch kein Gedenkstein gesetzt. Auch nach dem Tod des Vaters wollte die Mutter, die dann mit ihrer Tochter, die auch Kriegerwitwe war, zusammen wohnte, die Hoffnung nicht aufgeben. Dieses geschah dann erst 1967 nach dem Tod der Mutter durch die drei Geschwister von Ernst Truelsen. Das Elternhaus wurde anschließend an die Gemeinde Süderlügum verkauft, die dort das jetzige Gemeindehaus errichten ließ.

Carsten Hansen, guter Nachbar der Truelsens, erhielt von Bekannten nach einiger Zeit den Hinweis, dass noch kein Gedenkstein für Ernst Truelsen beim Ehrenmal gesetzt ist. Das hatte er sich auf einem Zettel notiert, den er aber erst einige Jahre später in seinem Schreibtisch wieder entdeckte. Sofort schrieb Carsten Hansen einen Brief an die Gemeinde Süderlügum, mit der Bitte, sich um die Aufstellung eines Gedenksteins zu kümmern. Dieses war einige Jahre zuvor bereits für die ebenfalls erst sehr spät für Tod erklärten Vermissten Hans R. Volquardsen und Werner Lund geschehen. Von der Vertretung kam die einhellige Zustimmung, verbunden mit einer Kostenübernahme durch die Gemeinde. Beauftragter hierfür wurde der Gemeindevertreter Wilfried Hansen, der als Soldat nach zwölfjähriger Bundeswehrdienstzeit jetzt Mitglied der Reservistenkameradschaft (RK) Südtondern ist. Diese übernimmt auch die Grabpflege und Restaurierung der Ehrenmäler in der Region. „Ich hatte das Glück, in Friedenszeiten dienen zu dürfen und fühle mich dazu berufen die Ehrenmäler für die jung gefallenen Soldaten zu erhalten“, sagt Wilfried Hansen. So konnte nach mehr als 70 Jahren jetzt auch endlich ein Stein für Ernst Truelsen beim Süderlügumer Ehrenmal gesetzt werden.



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