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Klinikum Nordfriesland : Geburtshilfe droht erneut das Aus

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der Hebammen-Mangel in Niebüll könnte zur Schließung der Kreißsäle führen. Das Klinikum Nordfriesland ruft um Hilfe.

Es wurden Anzeigen geschaltet, Hebammen-Schulen kontaktiert. Viel wurde versucht, selbst in der Schweiz, Österreich und Dänemark. Genutzt hat es bislang aber zu wenig. Auch mit der Anstellung einer Geburtshelferin zum 1. Juli leidet die Klinik Niebüll an einem Hebammen-Mangel, sodass eine Schließung der Kreissäle droht. Das Klinikum Nordfriesland reagiert darauf nun mit einer ungewöhnlichen Maßnahme: Mit einem medialen Hilferuf werden Hebammen deutschlandweit gesucht.

In der Klinik Niebüll, einem Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung mit 124 Betten, kommen jedes Jahr rund 230 Kinder zur Welt. Die Geburtshilfe ist als Belegabteilung organisiert. Das bedeutet, dass in der Klinik selbständige Ärzte und Hebammen die Betreuung der werdenden Eltern und der Neugeborenen in Absprache mit dem Krankenhaus übernehmen. Fünf Hebammen als ein Team sollten eigentlich in der Abteilung tätig sein, um eine qualifizierte Versorgung Tag und Nacht zu gewährleisten. Aktuell sind es nur drei.

Der akute Fachkräftemangel ist teils eine Folge der über Wochen geführten Debatte um eine Gesundschrumpfung des unter Millionenverlusten leidenden Klinikums Nordfriesland (wir berichteten). Im Rahmen dessen war auch eine Schließung der Geburtenstation im Gespräch.

„Zwei Hebammen haben gekündigt, weil ihr Zukunft in der Klinik Niebüll lange ungewiss war. Sie haben sich in größeren Städten eine andere Stelle gesucht“, bedauert Dr. Assem Hossein, der die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe in der Klinik Niebüll als Belegarzt leitet. Mittlerweile sei die Lage des Krankenhauses zwar stabiler, „die zwei Hebammen können wir trotzdem nicht zurückgewinnen“.

Um eine Schließung der Kreissäle zu verhindern, müsse schnellstmöglich Verstärkung her. Und wie prekär die Lage ist, macht Frank Pietrowski, Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, deutlich: „Schon im Monat Juli können wir aufgrund der Urlaubszeit momentan 25 Dienste nicht besetzen.“

Eine Situation, die auch die Frauen auf den nordfriesischen Inseln beunruhigen dürfte, denn die Klinik Niebüll ist nach Umstrukturierungen mittlerweile auch für die geburtshilfliche Versorgung der Sylter, Amrumer und Föhrer zuständig.

Und so geht das Klinikum Nordfriesland nun ungewöhnlich stark in die Offensive. „Wir versuchen unser Glück mit dem Hilferuf“, erklärt Michael Mittendorf, Pressesprecher des Klinikums Nordfriesland. Massiv soll in den Medien auch über Schleswig-Holsteins Grenzen hinweg auf den Hebammen-Mangel aufmerksam gemacht werden.

Dabei ist der Mangel kein hiesiges Phänomen. „Auch aus anderen Teilen Deutschlands werden entsprechende Probleme berichtet – bis hin zu Großstädten“, sagt Mittendorf. Er glaubt die Ursache dafür zu kennen: „Über Jahre sind zu wenig Hebammen ausgebildet worden. In Schleswig-Holstein beispielsweise gibt es nur eine Schule, an der 15 Ausbildungsplätze bestehen. Wenn in den nächsten Jahren viele Hebammen in Rente gehen, wer soll dann nachrücken?“, fragt der Pressesprecher. Dennoch hofft er auf eine positive Wendung für die Klinik Niebüll und damit für die werdenden Mütter in der Region. Hebammen, die die Frauen vor und nach der Geburt und während der eigentlichen Geburtsphase im Kreißsaal begleiten können, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 04661/152233 oder per Email (niebuell@klinikum-nf.de) an das Krankenhaus zu wenden. Die Lage der Klinik weit oben im Norden im ländlichen Raum sieht der Pressesprecher bei der Suche nach Personal nicht als Nachteil. „Ob die Region für Hebammen attraktiv genug ist, das muss jede für sich selbst entscheiden. Die eine mag das Leben in der Großstadt, die andere bevorzugt vielleicht das Land.“

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erstellt am 17.Jun.2016 | 10:17 Uhr

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