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Niebüller Stadtbild : Gebäude in der Hauptstraße 83 abgerissen

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Stil-Vielfalt in Niebüll: Einige historische Häuser werden abgerissen, während andere aufwendig saniert werden.

Die Zahl der historischen Bauwerke, die in Niebüll abgerissen werden, scheint zu steigen. Erst vor rund zwei Wochen war das so genannte Küsterhaus an der Christuskirche dem Erdboden gleich gemacht worden, aber auch in der Hauptstraße 83 ist jetzt ein markantes Gebäude im „Schmicker-Stil“ – benannt nach dem Architekten Heinrich Schmicker – plötzlich nicht mehr da.

Gebaut wurde in Niebüll aber schon immer, die alten Friesenhäuser an der Hauptstraße sind längst Geschichte. Die ältesten Bauten Niebüll-Deezbülls sind die Kirchen, die Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden sind. Ab 1875 baute der Niebüller Architekt und Bauunternehmer Heinrich Schmicker etliche Häuser, die heute noch stehen. „Er baute einen in ganz Norddeutschland verbreiteten Haustyp“, schreibt Christoph Möller im „blauen“ Niebüll-Buch „Junge Stadt mit Tradition“. „Es besteht aus einem gedrungenem Langhaus, das mit der Traufe zur Straße steht.

n der Mitte der Straßenfront befindet sich ein Zwechgiebel, in dem sich die Haustür befindet. Typisch ist die verhältnismäßig flache Dachneigung und die Schiefereindeckung. Außerdem ist der Dachstuhl in der Regel als Pfettendach ausgebildet. Dieses ist eine der traditionellen Dachkonstruktionen zur Herstellung eines geneigten Daches – sein namensgebendes Hauptmerkmal sind die waagerechten Pfetten, auf denen die geneigten Dachsparren aufliegen.

Beispiele für diese Bauweise sieht man heute in der Hauptstraße direkt neben dem früheren Kirchenbüro. Gründerzeitliche Häuser sieht man hingegen an der Ecke Böhmestraße oder aber an der Kreuzung Gather Landstraße/Uhlebüller Straße (Foto rechts), beide Gebäude wurden vorbildlich restauriert. Gleiches gilt für das Geschäftshaus von Jule B. Markante Bauten des Jugendstils um die Jahrhundertwende sind die Stadtbücherei (ehemals Bökingharder Hof) und Villa Lene im Westersteig.

Nachdem Niebüll 1920 Kreisstadt geworden war, wurden große Bauten wie die Friedrich-Paulsen-Schule, das Katasteramt, das Postamt, das Kreiskrankenhaus und das Rathaus errichtet. Christoph Möller sieht sie zu Recht als „gut gestaltete Beispiele norddeutscher Backsteinarchitektur“. Die ab 1900 beliebte Heimatschutzarchitektur sieht man heute am alten Niebüller Rathaus, das von Friedrich Ströh und Johannes Lorenzen 1928 erbaut wurde. Ein wahrer Leckerbissen: Am Turmhaus in Deezbüll ist die Gründerzeitarchitektur samt gotischen Fenstern erkennbar.

Der Maler Carl Ludwig Jessen erwarb es 1894. Ein weiteres gut erhaltenes Gebäude im klassizistischen Stil ist die Friesenburg in der Koogsreihe. Hier stehen wie im Westersteig weitere „Hingucker“ für Architekturfans. Sie sind, wie es schon Reiseschriftsteller J. A. Petersen 1844 über Niebülls Gebäude beschrieb „Recht ordentlich gehalten“.

Näheres zu älteren Gebäuden Niebülls weiß der Kennerkreis des Geschichtsvereins, der sich immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr in der Begegnungsstätte, Friedrch-Paulsen-Straße, trifft.

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