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Alternative : Fußgänger-Überführung statt Tunnel

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Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die SPD-Fraktion Niebülls beantragt in der heutigen Stadtvertretersitzung, die Verwaltung um Prüfung der Möglichkeiten zu bitten

shz.de von
erstellt am 17.Sep.2015 | 08:15 Uhr

Mit einem Antrag an die Stadtvertretersitzung nimmt die Niebüller SPD-Fraktion während der Sitzung (heute, 19 Uhr, Rathaus) einen erneuten Versuch, eine Bahnüberquerung „Gather Landstraße“ zu realisieren. Fußgänger, Radfahrer und andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer sollen künftig die Möglichkeit haben, Alternativ zu den ständig geschlossenen Bahnschranken (pro Stunde sind es derzeit durchschnittlich 32 Minuten – Tendenz steigend) anderweitig die zahlreichen Gleise sicher zu überqueren (mit direktem Zugang zu den Bahnsteigen). Dabei steht die Barrierefreiheit im Vordergrund. Die Verwaltung wird gebeten, vorgesetzt SSW und CDU stimmen zu, die Planung aufzunehmen sowie eine Finanzierung aus dem Eisenbahnkreuzungsgesetz (die Kosten werden zu jeweils einem Drittel auf Land, Kommune und Deutsche Bahn verteilt) sicherzustellen.

„Seit dem Ausbau der Marschbahn im Jahre 1887 stellt der Bahnübergang Gather Landstraße eine wesentliche Verbindungsmöglichkeit zwischen den beiden Teilen Niebülls dar“, heißt es in dem Antrag. Das Schienenaufkommen stieg mit der Eröffnung des Hindenburgdammes, hinzu kamen die Verbindungen nach Dänemark und Dagebüll sowie erheblicher Rangierbetrieb. Die Folge: lange Wartezeiten an dem Bahnübergang, die weiter zunehmen werden. Bereits im Jahre 2000 hatte die SPD-Fraktion einen Versuch unternommen, an dem Missstand etwas zu ändern und sich für eine „nicht höhengleiche Überführung“ eingesetzt. Die Folge war ein Ideenwettbewerb der Stadt Niebüll in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Braunschweig unter dem Titel „Bahnbrechend“. Eingereicht wurde zahlreiche phantasievolle und aufwendige Ideen für Brücken und Überführungen. Der 1. Preis ging seinerzeit an Doris Helmis. Preisgelder in Höhe von 2800 DM wurden ausgelobt, umgesetzt wurde keiner der Entwürfe. Geblieben ist allerdings die Problematik.

Pkw-Brücken und -Tunnel seien nicht realisierbar, räumt Holger Jessen, Fraktionsmitglied und Vorsitzender des Bauausschusses, ein. Es fehle in der Gather Landstraße an Fläche. Zu viele Landankäufe wären nötig. „Tunnel sind out – auch aus Sicherheitsgründen“, ergänzt Stadtvertreter Sieghard Schmanteck. Holger Jessen: „Es geht uns darum, jetzt für Radfahrer und Fußgänger eine zusätzliche, wirtschaftliche und funktionierende Lösung zu finden.“ Eine Möglichkeit für eine Brückenlösung sei beispielsweise eine einfache Stahlkonstruktion in der Nähe des Wasserturms – eine Kombination aus Treppen dies- und jenseits der Gleise für die Fußgänger und zwei Fahrstühlen für Radfahrer, Rollstuhl- und Rollator-Nutzer sowie andere Hilfsbedürftige.

Niebüll sei auf den Weg zur barrierefreien und radfahrerfreundlichen Stadt. Beides gelte es zu fördern. Wie, dazu müsse man Planer hören. Preiswert werde es auf keinen Fall, räumt Hendrik Schwind-Hansen, stellvertretender Fraktions-Vorsitzender, ein. Doch es gehe um die Sicherheit der Niebüller. „Zu ihnen gehören auch die vielen Schüler, die täglich diese Strecke nutzen.“

Könnte die DB-Netz sich die Sache nicht einfach machen und den Bahnübergang an der Gather Landstraße – beispielsweise aus wirtschaftlichen Gründen – einfach dicht machen? Damit wäre das Problem beseitigt, und die Kritiker würden verstummen. „Diese Möglichkeit besteht natürlich, und das hat die DB-Netz natürlich auch schon durchblicken lassen“, sagt Holger Jessen. Aber das sei nicht so einfach. „Zum einen muss die Bahn nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz eine Alternative anbieten.“ Und: Weder die Niebüller noch die Politiker würden sich ein solches Vorgehen, das Niebüll, so unlängst Fraktionsvorsitzender Thomas Uerschels, zu der in Deutschland einzigen geteilten Stadt machen würde, gefallen lassen. „Da sind wir ganz sicher.“

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