Hilfsaktion : Fundsachen gehen an die Flüchtlinge

Die ursprünglich für die alljährliche Versteigerung vorm Lecker Rathaus gedachten Fahrräder sollen repariert und an Bedürftige vergeben werden

shz.de von
12. Mai 2015, 05:00 Uhr

Im Keller des Rathauses hängen Fahrräder in Reih’ und Glied: Rund 20 bis 30 Drahtesel werden jedes Jahr aufgefunden und warten auf neue Besitzer. Ab sofort landen sie nicht mehr auf Versteigerungen, sondern sollen für Mobilität bei Bedürftigen und Flüchtlingen sorgen.

Maike Detlefsen vom Bürgerbüro nimmt die Fundsachen an, verstaut sie im Rathauskeller und wartet auf die rechtmäßigen Eigentümer. Doch nur wenige holen ihr Hab und Gut ab. Nach einem halben Jahr der Verwahrung können die Sachen versteigert werden. Das stand traditionell am Jahrmarktsmontag im Frühjahr auf dem Plan. Gerade die Fahrräder bildeten auf diesen Auktionen das Highlight. Doch gestern wurde die Versteigerung abgesagt, und auch künftig werden Schnäppchenjäger nicht mehr auf günstige Räder hoffen können. „Viele dieser Räder wurden zu einem Spottpreis verscherbelt“, meint Bürgermeister Rüdiger Skule Langbehn. Ihm kam kurzfristig die Idee, die herrenlosen Fahrräder an Bedürftige und Flüchtlinge zu verschenken.

Das Land gab grünes Licht: Die Zuständigkeit dieses Vorhabens liegt beim Amt Südtondern. Auf Nachfrage segnete auch Amtsdirektor Otto Wilke die Aktion ab. Um Hilfe bei der Verteilung der Räder bat Rüdiger Skule Langbehn das Diakonische Werk Südtondern und stieß bei Geschäftsführerin Nicole Saballus auf offene Ohren. „Es eine tolle Sache, dass die fahrbaren Untersatze nicht versteigert werden, sondern dort landen, wo tatsächlicher Bedarf vorhanden ist“, sagt Nicole Saballus. Je zur Hälfte sollen die Räder an Bedürftige und an Flüchtlinge im Sozialraum Südtondern verteilt werden, also nicht nur in Leck. Und weil nicht alle Fundstücke verkehrstüchtig sind, werden sich die Mitarbeiter der Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt „Ratsfatz“ in der diakonischen Einrichtung „Nachbarschaftstreff Wiki 44“ die Drahtesel anschauen und wenn nötig instand setzen.

Das Diakonische Werk trägt die Kosten für erforderliches Material und liefert auch neue Fahrradschlösser. „Es hat ja keinen Zweck, wenn diese Räder gleich wieder gestohlen werden“, begründet Nicole Saballus dies. Sie regt außerdem an, jedes verschenkte Fahrrad mit einem Aufkleber zu kennzeichnen, das die neuen Eigentumsverhältnisse klärt: „Wenn der ehemalige Besitzer sein Rad wiedererkennt, darf er es nicht zurückfordern.“

Um Bedürftige wie auch Flüchtlinge bei Fahrrad-Reparaturen mit einzubinden, plant die Geschäftsführerin, auch in Niebüll ein Selbsthilfe-Projekt anzubieten.

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