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Extremsport : Für Dirk Hansen ist der Weg das Ziel

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Der 51-jährige Freizeitläufer und -Wanderer ist beim Goldsteig-Rennen als 15. durch das Ziel gelaufen – und hat eine Menge erlebt

von
erstellt am 16.Okt.2015 | 05:00 Uhr

Dirk Hansen (51) ist gerade aus dem Bayerischen Wald zurück. Dort hat der Hobby-Läufer und Wanderer  am Goldsteig Ultrarace teilgenommen. „Acht Tage hatten wir für die 661 Kilometer Zeit“, berichtet er. Nach 190 Stunden und 37 Minuten ging er durch das Ziel – als 15. Gemeldet waren 70 Läufer aus aller Welt, gestartet waren insgesamt 42, nicht einmal die Hälfte, nämlich genau 17,   schaffte es bis zum Ende.

„Ich mache es für mich“, sagt Dirk Hansen, doch ohne den entsprechenden Ehrgeiz und das notwendige Quäntchen Glück packt man es nicht. Gemeinsam gestartet war er mit seinem guten  Freund Uwe Schinz. Die beiden hatten 2010 schon zusammen den Marathon de Sables durch die Sahara-Wüste geschafft. Nun trennten sich ihre Wege nach 84 Kilometern. „Das hatten wir so abgemacht“, sagt Dirk Hansen. Ausgerüstet war er nur mit dem Nötigsten. Dazu gehörten  eine Bauchtasche, ein leichter Rucksack, Flüssigkeit, und jede Menge Eisspray. Vorsichtshalber sprühte er damit sein Bein ein, dass ihm noch im vergangenen Jahr – drei Jahre nach einem Bruch – Probleme bereitete.  Dieses Mal aber war alles gut, er konnte nach kurzer Zeit sogar auf das Spray verzichten. „Ich habe nichts mehr davon gespürt. Es lief alles so erstaunlich gut, dass ich manchmal richtig erschrocken war.“ Der Streckenverlauf führte durch den Bayerischen Wald – mit all seinen Bergen und sonstigen, reizvollen Landschaften.  Insgesamt überwand Dirk Hansen mit allen Auf- und Abstiegen  19420 Höhenmeter. Natürlich gab es gute und schlechte Tage. „An guten Tagen bin ich viel  gejoggt, an schlechten Tagen gewandert.“

 Zeitweise ging es auch über tschechisches und österreichisches Gebiet. Das war nicht immer unproblematisch. „Ich hatte zwar ein GPS dabei, aber keine Karte von Österreich.“ So war der Lauf häufig ein Stochern im Nebel, sprich im Dunkeln. Denn auch nachts war der Läufer aus Leck unterwegs. Für Licht sorgte eine Kopflampe. „Es war dennoch nicht ganz ungefährlich. Einmal bin ich im Dunkeln richtig gestürzt, als ich besonders schnell sein wollte.“ Von ernsten Verletzungen blieb er verschont. Auch andere Laufgenossen teilten sein Schicksal. So verlief sich ein Japaner 27 Kilometer vor dem Ziel nachts  derart, dass er auf ein fremdes, mit einem stillen Alarm gesichertes Gelände geriet und  von der Polizei mitgenommen wurde. Für ihn war der Lauf zu Ende.

In den acht Tagen registrierte  Dirk Hansens GPS-Gerät für ihn ganze 35 einhalb Stunden Standpausen. Darin enthalten sind Ruhephasen,  das Suchen nach dem Weg und Toilettengänge. „Meine längste Pause habe ich in Passau eingelegt.“ Gerade einmal dreieinhalb Stunden waren das. Für Schlaf blieb da nur sehr wenig Zeit – in den acht Tagen insgesamt  zehn Stunden. „Ich habe mich häufig mit dem Rucksack nur kurz auf eine Bank gesetzt, bin dann weggenickt und – das ist das seltsame – jedes Mal nach spätestens einer halben Stunde wieder aufgewacht. Das reichte aus, um wieder fit zu sein und den Weg fortzusetzen.“ Manchmal sei er mit einem Tunnelblick gelaufen, dann wiederum habe er sehr wohl die herbstliche Umgebung genossen. „Wir hatten richtig gutes Wetter, in  vier Nächten sogar Vollmond. Dann die Sterne und die Berge zu sehen – das sind die schönsten Erlebnisse für mich.“

70 Kilometer vor dem Ziel traf Dirk Hansen  auf einen Argentinier und einen Dänen. „Wir sind ein Stück zusammen gelaufen.“ Der Argentinier musst kurze Zeit später aufgeben. Eineinhalb Stunden vor Ablauf der vorgegebenen Zeit lief Dirk Hansen gemeinsam mit dem dänischen Kollegen  durch das Ziel. Zuvor hatte er sich die Zeit genommen, um den Sonnenaufgang anzusehen.  „Ich habe einfach Lust am Laufen und Wandern“, sagt Dirk Hansen, der hauptberuflich als Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn in Morsum/Sylt arbeitet. Und: „Ich habe mich mit jedem Lauf ein Stück weiterentwickelt. Das ist für mich ganz wichtig.“

Im kommenden Jahr will Dirk Hansen zum ersten Mal an dem Trans-Pyrenäen-Ultra in Frankreich teilnehmen. „Es war immer ein Traum von mir, einmal die Pyrenäen zu durchqueren.“ Gemeldet sind für die 895 Kilometer lange Strecke mit zu überwindenden 55000 Höhenmetern bisher 700 Teilnehmer.

 

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