Feuer in Sprakebüll : Fünf-Meter-Fall ins Freie

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Mit zwei Matratzen und einem beherzten Sprung aus dem Fenster rettete sich gestern der Sprakebüller Boy Hansen (24) aus den Flammen

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13. Januar 2015, 05:00 Uhr

Ob Brüche, Quetschungen, bis hin zur Querschnittslähmung – wer aus einer Höhe von fünf Metern auf den Boden springt, kann mit etlichen Verletzungen rechnen. Dass ein 24-jähriger Sprakebüller bei so einem Sprung gestern dennoch völlig unversehrt blieb, ist etwas Glück und 25 Zentimeter dickem Schaumstoff zu verdanken.

Boy Hansen ist Biologie-Student in Århus und in den Semesterferien bei seiner Familie in Freienwill zu Besuch. Er sucht in der Abgeschiedenheit Ruhe, um sich für eine anstehende Klausur vorzubereiten.

Am Sonntag geht er erst spät ins Bett. Im ersten Stock des Hofes ist sein Zimmer. Warum er gegen 3.30 Uhr erneut aufwacht, kann er sich nicht erklären. Vielleicht sei ihm die anstehende Prüfung noch durch den Kopf gegangen, vielleicht habe er unbewusst Geräusche gehört oder den Rauch bemerkt. Dass aber etwas nicht stimmen kann, ist ihm sofort klar, als er die Augen öffnet. Das Schlafzimmer ist verqualmt. Boy Hansen macht das Licht an, kann nur noch Umrisse erkennen. Er öffnet die Tür zum Flur, schließt sie aber unverzüglich wieder, denn dort ist der Qualm dichter. Ein Fluchtweg durch das Treppenhaus ist unmöglich. „Mir war sofort klar, dass ich nur über das Fenster raus kann“, erklärt der 24-Jährige derart gefasst, wie es nur ein Nordfriese tun kann. Er geht zum Fenster, schnappt nach Luft, läuft wieder zum Doppelbett und zieht sich seine Jeans über. Dann schmeißt er die erste Matratze aus dem Gebäude. Wieder holt er Luft, und schon landet die nächste Schlafunterlage im Garten mit samt Bettzeug. Boy Hansen nimmt seine Schuhe, wirft sie ebenfalls hinaus. „Alles ging so schnell, ich kann gar nicht sagen, wann und warum ich was gemacht habe. Ich bin einfach gesprungen.“ Und weich gelandet – trotz der Höhe. „Wenn es im Zimmer schon angefangen hätte zu kokeln, dann wäre ich auch gesprungen, wenn es noch viel höher gewesen wäre.“

Boy Hansen schlüpft ohne Socken in die Schuhe und läuft einmal über die Straße zum Haus gegenüber. Im Erdgeschoss klopft er an das Schlafzimmerfenster, wo sein Vater schläft. Was genau er zu ihm sagt, weiß er nicht mehr. Irgendetwas, was in die Richtung „Papa, es brennt“ geht. Bonke Hansen (61) alarmiert sofort die Feuerwehr.

Als die Einsatzkräfte eintreffen, steht der Dachstuhl bereits komplett in Flammen. Die Feuerwehr hat Schwierigkeiten, den Brand zu kontrollieren, denn durch den starken Wind werden die Flammen immer wieder entfacht. Die Freiwillige Feuerwehr Niebüll wird zu Hilfe gerufen. Nun versuchen insgesamt vier Feuerwehren mit 120 Einsatzkräften vor Ort, den Brand in den Griff zu bekommen. Erst Dank des Einsatzes einer Drehleiter kann das Feuer schließlich von oben bekämpft und gelöscht werden.

Zu der Zeit wird Boy Hansen schon im Krankenhaus mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung untersucht. Festgestellt wird jedoch nichts, lediglich „gerötete Augen“ als Befund in den Bericht geschrieben. „Boy hat sehr viel Glück gehabt. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er nicht aufgewacht wäre“, sagt Vater Bonke Hansen.

Die Brandursache ist noch unklar, die Ermittler schließen einen technischen Defekt nicht aus. Der Sachschaden wird nach Polizeiangaben auf mehr als 250  000 Euro geschätzt. Bonke Hansen: „Das ist ärgerlich. Aber das wichtigste ist für uns natürlich, dass es Boy gut geht.“

Der wiederum kann bereits am Vormittag das Krankenhaus verlassen. Sein Hab und Gut ist weg. Sämtliche Studienunterlagen sind vermutlich zerstört. „Das mit der Ruhe, das war wohl nichts“, sagt der blonde Nordfriese trocken.

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