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Nordfriesland Tageblatt

18. Oktober 2017 | 16:57 Uhr

Wildkameras : Fuchs macht Selfie

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Putzig sieht er zwar aus, wie er da in die Linse schaut und durch seine Wärme die Fotofalle selbst auslöst. Gern gesehen ist der Fuchs aber nicht auf den Bildern der fünf Wildkameras rund um den Rickelsbüller Koog.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2017 | 06:49 Uhr

Es ist ein Bild, wie gemalt: Gemächlich trottet der Fuchs im Rickelsbüller Koog an einem hockenden Seeadler vorbei. Ein Wildkamera-Foto, das der Kieler Biologe Oliver Granke gern hervorholt, weil er damit einen besonders schönen Treffer landete.

Als Projektleiter gehört es zu seinen Aufgaben, regelmäßig die Bilder aus fünf Fotofallen auszuwerten, die die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein vor anderthalb Jahren im Rickelsbüller Koog aufgestellt hat, um die Zahl der Raubtiere in der Region zu erfassen. Bis zu 100  000 Aufnahmen kommen so alle drei Monate zusammen – sie gilt es auszuwerten. Eine Fleißarbeit; vor allem aber auch eine recht stumpfsinnige Arbeit, denn zu 98 Prozent sind auf den Chipkarten nur Rinder festgehalten. Die Kameras, die auf Bewegung sowie Wärme reagieren, stehen auf Weideflächen, weshalb meist das Vieh in allen Lebenslagen zu sehen ist: beim Grasen, Widerkäuen, Toben, Urinieren. Ausschussware, solche Fotos.

Verständlich, dass die Freude bei Oliver Granke umso größer ist, wenn dann doch ein Marderhund, Fuchs oder gar Seeadler bei all den vielen Digitalbildern zu sehen ist – auch wenn die Freude nicht von Dauer ist. Denn so fotogen die Raubtiere auch sein mögen: Sie sind die Feinde der Wiesenvögel, die im Rahmen eines von der EU-geförderten Großprojekts zusammen mit dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume geschützt werden sollen.

75  000 Euro investiert die Stiftung Naturschutz, um das hiesige Brutgebiet der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Uferschnepfe (Limosa limosa) zu optimieren. Die Arbeiten im Koog sind weit vorangeschritten. Noch im Herbst hatten Baggerfahrer ein 51 Hektar großes Auffangbecken mit aufgestauten Gräben geschaffen, um den Kleiboden wasserreich zu halten. Restarbeiten fehlen noch, ansonsten aber ist das Gebiet gut vorbereitet für die Schnepfen, die ab März wieder erwartet werden. Damit die Watvögel erfolgreich brüten können, brauchen sie feuchte Wiesen. Solche sind jedoch in den letzten Jahren rar geworden. Ursache dafür ist die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft und Landnutzung, häufig verbunden mit einer Entwässerung der Böden. Nur noch 26 Brutpaare wurden im letzten Jahr im Rickelsbüller Koog gezählt. Zu Spitzenzeiten (Mitte der 90er Jahre) gab es noch 75 Paare.

„Deshalb ist das Projekt so wichtig“, erklärt Granke. „Aber was nützen die besten Rahmenbedingungen, wenn dann Fuchs oder Marderhund die Eier und Küken fressen?“ Aus diesem Grund sei eine Kontrolle des Raubtierbestands notwendig.

Derzeit trägt der 44-jährige Kieler Biologe die Zahl der auf den Bildern entdeckten Prädatoren in Listen ein. Später werden diese dann ausgewertet. Kristallisiert sich dabei ein Anstieg der Raubtiere heraus, kommen Jäger zum Einsatz. Granke: „Was natürlich nicht für den seltenen, geschützten Seeadler gilt. Von ihm geht auch deutlich weniger Gefahr für die Schnepfen aus. “

Positiver Nebeneffekt des Foto-Monitorings sei, dass die Stiftung Naturschutz auch über den Bestand weiterer Tiere etwas erfährt. Dass der inzwischen seltene Fischotter sich im Rickelsbüller Koog findet, war eine erfreuliche Überraschung für die Naturschützer. Dass auch viele Nonnengänse auf dem Areal zu sehen sind, ebenfalls. „Weil sie sich damit nicht auf landwirtschaftlichen Flächen aufhalten“, sagt Granke, „und den Bauern durch ihren Fraß schaden.“

Zwar seien ab und an auch Menschen auf den Digitalfotos zu sehen, diese würden aufgrund des strengen Datenschutzes jedoch sofort gelöscht werden. Die vielen Rinderbilder werden ebenfalls entfernt, da sie für den Biologen uninteressant sind.

Interessant scheinen die aufgestellten Fotofallen allerdings für die Kühe zu sein – und zwar als Scheuerstelle. Immer wieder findet Granke zerstörte Fotofallen vor. Die 600 Euro teuren Kameras sind mittlerweile zwar mit Holzbalken umzäunt. Gänzlich „kuhsicher“ sind sie damit immer noch nicht. „Das ist auch mit noch so massiver Konstruktion kaum machbar“, erklärt der Kieler Stiftungsmitarbeiter. „Wenn sich die Kühe an den Geräten schubbern wollen, lassen sie sich nicht abhalten.“ Und die letzten Bilder auf einer umgekippten Kamera seien dann oft Kuhkörperteile in Großaufnahme.

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