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Mürwiker Werkstätten : Fröhliches Fest für eine besondere WG

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

Die Wohngruppe der Mürwiker Werkstätten in der Emil-Nolde-Straße feiert ihr 25-jähriges Bestehen / Neues ambulantes Wohnprojekt geplant

shz.de von
erstellt am 20.Aug.2015 | 05:00 Uhr

„Es funktioniert gut“. Dieses Fazit zog Ute Christiansen, Abteilungsleiterin „Wohnen“ bei den Mürwiker Werkstätten, anlässlich eines Gartenfestes in der Emil-Nolde-Straße 18. Das Haus bietet seit nunmehr 25 Jahren Menschen mit Behinderungen ein Zuhause. 14 Bewohner im Alter zwischen 20 und Mitte 50 Jahren leben hier in einer Wohngemeinschaft zusammen. Harmonisch – und das ist keine Selbstverständlichkeit. „Es ist ja keine selbstausgewählte WG, bei der sich die Bewohner bewusst zusammenfinden“, sagt Ute Christiansen. Und doch: „Sie helfen und unterstützen sich gegenseitig.“

Davon konnte sich die Gäste des Festes, zu denen erfreulich viele Nachbarn gehörten, bei einem Rundgang überzeugen. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer. Es gibt zwei Wohnküchen und Gemeinschaftsräume. Hier treffen sich die Mitglieder der WG regelmäßig nach einem langen Arbeitstag in den Werkstätten, er dauert von 8 bis 16 Uhr, um gemeinsam ihre Mahlzeiten einzunehmen, bei einem Kaffee Neuigkeiten auszutauschen, den Feierabend oder die Freizeit zu planen. „Einige laufen noch einmal in die Stadt oder gehen ihren Freizeitbeschäftigungen, wie reiten, schwimmen oder sonstigen Sportarten nach“, sagt Ute Christiansen.

Das Haus in der Emil-Nolde-Straße 18 ist ein betreutes Wohnen. Sechs Fachkräfte der Mürwiker Werkstätten sorgen im Schichtdienst und mit Nachtbereitschaft sieben Tage in der Woche rund um die Uhr dafür, dass es den Bewohnern an nichts mangelt, stehen ihnen bei Freud und Leid, bei Sorgen und Fragen helfend zur Seite. Mit Martina Petersen und Helmut Petersen gehören der Wohngruppe noch zwei Gründungsmitglieder an. Die Wohngruppe wurde am 2. Januar 1990 ins Leben gerufen. Die Mürwiker hatten seinerzeit das vom Risum-Lindholmer Bauunternehmer Jappsen errichtete Haus zunächst angemietet und 2001 dann gekauft.

Einmal im Jahr wird eine gemeinsame Freizeitfahrt unternommen. Bewohner und Betreuer beratschlagen, wo es hingeht. Das gilt auch für die vielen Freizeitangebote und Ausflüge. „Es nützt nichts, wenn wir etwas vorschlagen, und niemand hat dazu Lust“, berichtet Ute Christiansen. So kommt es auch schon mal vor, dass zwei Gruppen gebildet werden oder die Männer und die Frauen getrennt verreisen. Das weiteste Ziel war bisher Mallorca. „Aber das ist schon lange her. Meistens bleiben die Bewohner in Schleswig-Holstein.“ Hoch im Kurs stehen St. Peter-Ording oder die Ostküste. „Wichtig ist nur, einmal raus zu kommen, in eine andere Umgebung. Dabei spielt die Entfernung nicht unbedingt eine Rolle.“

Viele Fotoalben von den Freizeitaktivitäten sind in den vergangenen 25 Jahren entstanden, und diese kamen beim Sommerfest nun auf den Tisch. Ute Christiansen: „Das war toll. Da konnte man gucken, wen man noch von früher her kennt und wer wie damals aussah.“ Ältere Teilnehmer der fröhlichen Runde erinnerten sich, dass die Gründung der Wohngruppe zeitlich nahe am Fall der Berliner Mauer lag. „Auch hier in dieser Nachbarschaft wurden Mauern hochgezogen und mit der Bebauung des Wohngebiets begonnen. Doch in unseren Mauern lebt Nachbarschaft“, wertete Ulrike Vossen-van Treeck von der Geschäftsleitung das gute Miteinander der Wohngruppe mit den Familien rundherum. Dennoch besuchten etliche beim Sommerfest die Wohneinrichtung zum ersten Mal. „Aber viele kennen sich schon, beispielsweise vom alljährlichen Rummelpottlaufen. Wir sind froh, in einer solch ruhigen Wohngegend sein zu dürfen.“ Das habe etwas mit wohlfühlen zu tun, sagt die Abteilungsleiterin und spricht aus einer langen Erfahrung, die sie bei den Mürwiker Werkstätten gemacht hat. Ute Christiansen stammt aus Leck, arbeitet seit 2010 bei den Mürwiker Werkstätten in Niebüll und war zuvor in Flensburg beschäftigt, bevor es sie zurück in die Heimat verschlug. „Alle eventuellen anfänglichen Vorbehalte haben sich in Luft aufgelöst. Wir fühlen uns akzeptiert und werden gehört. Die Mürwiker gehören einfach dazu.“

Das 25-jährige Bestehen der Wohneinrichtung in der Emil-Nolde-Straße wurde bewusst in den August gelegt und mit einem Sommerfest gefeiert. Gemeinsam grillten, lachten und feierten Gäste und Gastgeber. Für die krankheitsbedingt verhinderten „Freesentrummler“ sprangen die Kap-Horn-Sänger musikalisch ein, mit denen die Mürwiker Werkstätten eine langjährige Freundschaft verbindet, und sorgten für tolle Stimmung.

Gute Voraussetzungen auch für das neueste ambulante Wohnprojekt im Schreberweg (nahe der Schreberkolonie und der Mühlenstraße). Hier entstehen in Zusammenarbeit mit der Gewoba 25 Wohneinheiten. „Es ist eine Wohnform, die wir bisher noch nicht anbieten konnten: Appartements mit jeweils einer eigenen Küchenzeile und einem eigenen Bad“, erklärt Ute Christiansen. „Barrierefrei, ebenerdig, mit eigenen Terrassen.“ Es wird einerseits mehr Privatsphäre geben, aber Gemeinschaftsräume bieten Raum für die bisher gekannte Geselligkeit.

Das Projekt ist noch nicht einmal im Bau, dennoch sind die Plätze heiß begehrt. Acht sind für Menschen mit Behinderungen bestimmt, die derzeit noch in dem Stadthaus in der Gather Landstraße leben und umziehen werden. „Das dortige Haus wird aufgegeben, da es nicht mehr den heutigen Standards entspricht.“ Für die 25 bedarfsorientiert geplanten Wohneinheiten im Schreberweg gibt es schon eine Warteliste. „Dennoch freuen wir uns über jeden weiteren Interessenten.“

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